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Tourname: Paris Brest Paris 2007
         
Verein: Audax Club Parisien
VerfasserIn: Peter Wöhler
Datum: August2007
Startort: Paris
Tourlänge: 1200 km
Höhenmeter in M: 10100 Meter

 Tja ich versuch's mal doch.

Also nachdem ich letztes Jahr Hamburg Berlin Köln Hamburg mit 1500 Kilometern gefahren bin, war ich der Meinung, dass PBP mit 300 Kilometer weniger wohl auch leichter zu fahren ist. Eine fatale Fehleinschätzung, wie sich herausstellte. Dennoch für den Kopf war es gut dieses so zu betrachten.

Also die Anreise war schon ein wenig Abenteuerlich.
Da schon in anderen Foren berichtet wurde, dass es mit der Kommunikation zu den dortigen Campingplätzen bescheiden aussieht, beschloss ich mir diesen ärger zu ersparen und fuhr aufs Geradewohl dort hin. Irgendein Brevetfahrer wird wohl noch ein Plätzchen für ein Zelt in seiner Parzelle übrig haben.
Ich holte Helmut aus Velbert ab und zu zweit gings dann ab nach Paris.

Paris, Paris, wir fahren nach Paris. Träume ich das nur? Ich kann es noch gar nicht verarbeiten, daß ich tatsächlich zu dieser Veranstaltung unterwegs bin.

Eigentlich wollte ich ja erst am Samstag fahren. Helmut meinte aber, es sei besser schon am Freitag dort einzutreffen, um gegebenenfalls Zeit für einen Ausweichplatz zu haben.

Irgendwann etwa 30 Kilometer vor Paris sah ich zum ersten mal - wenn auch nur die Spitze - den Eifelturm. Paris selber wollte ich mir unbedingt am Samstag mal anschauen.
Dank Navi kamen wir nach dem Strassenwirrwar durch Paris gegen 16 Uhr am Campingplatz in Guyancord an.
Wir gingen zur Rezeption und ich sah schon einen Liegeradler der Osterdorf Fraktion dort verzweifelt anstehen. Französisch? Ich? Fehlanzeige. Aber irgendwie mit ein wenig Englisch wurde uns schnell zu erkennen gegeben, daß wir ohne Reservierungsbestätigung null Chance hatten auf den Platz zu kommen.
Na ja wir ja nicht blöd.....gehen erst mal ne Runde drüber um vielleicht einige bekannte Gesichter zu treffen.
Und wer läuft mir da über den Weg? Heino aus Hamburg. ( Der Veranstalter von HBKH ). Er ist schon eine Woche hier und hält abstand von uns. Er ist recht kränklich und hatte noch Fieber die letzten Tage. Er zeigte uns den Weg zu seinem Platz. Er wollte zum ersten mal seit ? zig Wochen ne kleine Runde drehen, um zu schauen, ob er überhaupt an den Start gehen könnte.
Wenige Schritte weiter trafen wir Britta, seine Frau.
Aber einen Platz für unser Zelt konnten sie uns noch nicht versprechen, da die ganze Hamburgtruppe noch auf dem Weg sei. Erst, wenn alle da seien, könnte sie uns sagen, wo eventuell noch ein Fleckchen frei sei.
Naja wir zogen weiter. Helmut zeigte mir die Stelle, wo er vor 4 Jahren sein Zelt hatte. Die farbigen Markierungen auf dem Asphaltweg konnte man noch erahnen. Aber die gesamte Anlage sah sehr ungepflegt aus. Zudem war noch fast niemand auf dem Campingplatz.
Nach der langen fahrt musste ich mal für kleine Jungens. Die sanitären Anlagen waren ein Gräuel. Ich mag hier nicht bleiben wollen.
Helmut und mir war es auch zu unsicher hier den Rest des Tages zu verweilen. Lieber machten wir uns auf die Suche nach einem anderen Campingplatz.
Wir versuchten es in Versailles. Etwa 12 Kilometer von hier entfernt. Die dortige Rezeption sah schon wesentlich koordinierter aus. Auf unser nachfragen, die nächsten 8 Tage unser Zelt hier aufschlagen zu dürfen wurden wir lediglich gefragt, ob wir zu "DEN RADFAHRERN" gehörten. Nach unserem gemeinsamen nicken mit dem Kopf gab es kein Hindernis mehr diesen Platz gegen alerdings 120€ pro Person zu betreten. Dafür schienen mir, die Sanitären Anlagen erst seit diesem Jahr in Betrieb zu sein. Tip Top sauber alles. Und diesen Luxus wussten wir stündlich mehr zu schätzen.
Viel betrieb war noch nicht. Wir durften uns frei in einem groß zugewiesenen Raum entfalten. Schnell waren die Zelte aufgebaut, da köchelte schon zum ersten mal der Campingkocher die für die nächsten Tage immer wiederkehrende Portion Nudeln.
Und irgendwie war der Tag dann auch schnell um und wir legten uns schlafen.
Samstag. Der Platz wird voller. Die Osterdorfer treffen mit einem Reisebus nebst Fahrradanhänger ein. Jetzt wird's voll aber auch gemütlich. Helmut und ich erkunden derweil mit dem Rad den Weg zum Startort. Dabei kommen wir geradewegs am Schloss Versailles vorbei. Wir biegen in einen Teil des riesigen Parks ein, um einige erste Fotos zu schießen. Wir sind nicht die einzigen. Schnell entstehen erste Kontakte zwischen uns und Texanern, Kanadier, Australier und Japaner.
Am Stadion angekommen ist es drinnen wohl noch ruhig. Draussen aber tummeln sich schon die ersten Ankömmlinge und auch wir treffen unter anderem auf Siggi nebst Frau.
Überall spüre ich blicke, wer wohl woher kommt und mit was für Material er auf die Strecke gehen will.
...
Sonntag. Die ganze Nacht hat es schon geregnet.
Meine Moral sinkt gen Null.
Ich fahre mit Helmut zum Start, um unsere Räder checken zu lassen. Dieser fällt aber wegen eben diesem Wetter förmlich ins Wasser. Stattdessen können wir uns unsere Startunterlagen direkt abholen. Ein Brustbeutel mit Stempelbuch und Magnetkarte wird die nächsten 5 Tage meinen Hals nicht mehr verlassen. Unterdessen auf dem Campingplatz werden schon Taschen, Rahmennummern montiert. Letzte Materialschau, eventuell noch einige Einstellarbeiten hier oder da. Der Abend wird sehr gesellig. Es wir viel erzählt. Ja sogar einige Schauermärchen von vergangenen Veranstaltungen. Es wird auch viel gelacht.

Montag.
Heute Abend ist Start. Schlafen wollen wir alle lange. Aber gegen 9 Uhr kann ich nicht mehr auf dem harten Boden trotz Isomatte und dünner Matratze liegen. So stehe ich auf und mache Frühstück. Ich kann mich ja auch gleich noch mal hinlegen. So geht es wohl so ziemlich jeden. Alle wirken etwas angespannt. Geredet wird heut weniger. Viele legen sich noch mal hin. Mittagessen. Überall Nudeln im Kocher.....
Wieder hinlegen. Nein ich kann nicht mehr liegen. Und an schlaf ist schon mal gar nicht zu denken.
Ich beschließe mein komplettes Radgerödel anzuziehen und alles, was die nächsten 4 Tage nicht benötigt wird ins Auto zu verfrachten. Anschließend wieder dösen. So geht das auf dem ganzen Platz.

17 Uhr. Endlich mach ich mich mit Helmut auf den Weg zum Start und nehmen noch einen Zeltnachbarn mit. Helmut sagt laut zu mir, komm lass uns ne Runde mit dem Rad fahren. Ich: Ja ok fahren wir ne kleine Runde. Damit waren 1200 Kilometer gemeint. Aber Elisabeth aus München verstand wohl darunter etwas anderes. Schnell schloss sie sich uns an. Erst 1 Kilometer vorm Start bemerkte sie, dass wir ja gar nicht zum Zeltplatz zurück fuhren. Sie dachte wirklich, wir wollten NUR eine kleine Runde drehen.

Helmut war für die 80 Stunden Gruppe gemeldet und stellte sich schon mal an. Wir verabschiedeten uns. Ich wollte dann zum Abendessen, was ich gebucht hatte. Hunger hatte ich eigentlich gar keinen. Aber naja ein Stückchen Kuchen könnte ich eventuell noch reinpröffen.
Die Warteschlange war aber so groß, dass ich beschloss wieder zurück zum Start zu rollen und mich da noch etwas aufzuhalten.
Nun war es an der Zeit, mich auch mal anzustellen. Menschenmassen über Menschenmassen. Zuschauer , Randonneure, Familienangehörige......
Es war Folksfeststimmung. Die Schlange wälzt sich nur langsam ins Stadion. Da dann ein schneller Beleuchtungscheck und ab in die nächste 500er Gruppe. Es wir dunkel. Alle 20 Minuten ein lauter Knall am Himmel. Wieder ein Gruppe auf ihrem Weg nach Brest.
Es fängt an zu nieseln. Laolawellen gehen durch die Massen. Mir wird kalt. Ich ziehe die Regenjacke an. Was mach ich hier bloß? Die Zuschauer sind ausser Rand und Band. Der nächste Knall gehört uns. Na prima. Es ist 21:50 und ich werde müde und könnte mich jetzt hinlegen und schlafen. Bäääääääng das war unser Startschuss. Na dann, das kann ja was werden....

Ende Teil 1........


Peter Wöhler

 

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