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Teil 6: Letzter Tag-Grande Finale (am Grab des Nationalhelden)

4:15 Uhr weckt ein Handy- meines ist es nicht und auch die anderen wollen es nicht gewesen sein!? Ich nutze die Gelegenheit, etwas früher als geplant, auf dem Rad zu sitzen, denn ich fühle mich ausgeschlafen. Die anderen wollen liegen bleiben. Im Restaurant gibt es schon Kaffee- es ist deutlich ruhiger geworden, als in der Nacht zuvor. Ich bestelle einen Caffe dopio mit Gebäck und setzte mich noch kurz an den Tisch. Einige Randonneure kommen gerade an, holen sich jetzt den Stempel im Restaurant. Einer von ihnen ist Bernd- er will schlafen und ich zeige ihm meine Schlafstätte mit der er gleich einverstanden ist. Die anderen werden sich wohl wundern, wenn sie wach werden.

Der Straßenbelag bei der Abfahrt, so hatte man in der Nacht schon berichtet, sollte sehr schlecht sein- er war tatsächlich noch schlechter!! Zu den vielen Löchern im Asphalt gesellten sich noch in längs Richtung aufgeworfene Wellen im Belag. Gut, dass ich jetzt ausgeschlafen war. Weiter unten, als wir auf eine andere Straße abbogen, wurde es besser. Nun folgte eine sehr lange, wenn auch nicht ganz so steile Abfahrt. Eine Pass- Straße hatte diese letzte Etappe noch zu bieten, den Passo Penice und zur letzten Kontrolle hin, zum Mausoleum Fausto Coppi, gab es einen kleinen Anstieg- die letzten 130 km aber führten brett-flach zum Ziel. Nach den letzten Tagen also eine vergleichsweise einfache Etappe.

Unten angekommen, suchte ich in Bettola, glaube ich, einen Bankautomaten auf und entdeckte einen sehr schönen Marktplatz, an dem ich ansonsten vorbeigefahren wäre. Da hier aber noch alles zu schlafen schien, setzte ich diesen Ort mit auf die Liste, der Orte, die ich später mal wieder besuchen will, und meine Fahrt fort. Immer weiter bergab, bis es plötzlich, rechts ab, noch einmal sehr steil wird. So was Steiles war ich schon gar nicht mehr gewohnt, denn dieser Anstieg erinnerte an die Steigungen hinter Todi, die ich nur mit Mühe mit meiner kleinsten Übersetzung fahren konnte.

Der Kopf sagte ich müsste bald wieder essen doch der Körper wollte eigentlich nicht mehr. Richtig appetitlos war ich, dass hatte ich schon am Passo Pianazze gemerkt. Auch mein geliebter Kaffee war mir irgendwie über. Trotzdem hielt ich an einem, am Supermarkt angeschlossenen, Kaffee, bestellte aber dieses Mal Kakao mit Gebäck. Dieser dickflüssige Kakao schmeckte mir sogar sehr gut.

Anschließend begann die Straße wieder langsam an zu steigen. Ich beschloss auf der heutigen letzten Etappe nur noch Bananen und Spaghetti zu essen- Spaghetti hatte ich noch nicht.  Beides würde beruhigend auf den Magen wirken- Energieriegel würde ich gar nicht mehr hinunter bekommen.

Die Auffahrt zum Passo Penice war ja nun schon Routine und die Vorstellung, dass diese die letzte lange Steigung sein würde, ließen mich munter bergauf fahren. Oben angekommen, bestellte ich ein Eis, drei Kugeln, und setzte mich in die Sonne.

Anschließend ging es wieder lange bergab, wobei ich immer Ausschau hielt Bananen und/ oder Spaghetti zu bekommen. Bis Viguzzollo blieb die Suche allerdings erfolglos und auch hier war nichts zu sehen, wo ich hätte einkehren können. Da ich bis hier her schon wieder eine Weile (45 km) gefahren war, beschloss ich auf jeden Fall am Mausoleum Fausto Coppi etwas zu essen. Eine längere Mittagspause mit einem Teller Spaghetti stellte ich mir vor. Sicher gibt es dort am Grab des Nationalhelden Coppi jede Menge Touristen und entsprechende Infrastruktur.

In Viguzzolo ging es also links ab, ein Abstecher von der geraden Linie zum Ziel.

Natürlich muss man einmal im Leben am Grab von Fausto Coppi gestanden haben und am besten noch nachdem man vorher 1500 km gefahren ist aber muß man denn vorher noch auf einer Acht die Trainingsrunden von Fausto kennenlernen?- doch man muss. Als ich endlich den Passo Fausto Coppi erklommen habe und wenig später auch am Mausoleum stehe, denke ich doch leise für mich- jetzt reichts.

Eigentlich hatte ich gar nicht mehr mit solchen Steigungen gerechnet und es gab auch kein Restaurant oder ähnliches. Also fuhr ich gleich weiter. Auf die Acht hatte ich jetzt keine Lust mehr, dafür musste ich umso steiler bergauf, sparte aber wohl ein paar Meter. Zurück in Viguzzolo führte die Strecke gar nicht mehr in den Ort selber, wo ich essen wollte sondern bog vorher links ab. Nur keine Zusatzkilometer mehr fahren- im nächsten Ort würde ich schon meine Spaghetti bekommen.

An einer Ecke im nächsten Ort traf ich auf Antonio. Gemeinsam fuhren wir weiter. Antonio fuhr recht schnell und ich war nicht sicher, ob ich das Tempo würde halten können. Doch ich gewöhnte mich wieder an höheres Tempo und führte dann auch.

Zwei Orte weiter wollte ich dann doch endlich etwas essen; wir fanden allerdings nur eine kleine Bar. Wir tranken jeder zwei Cola- auf der Theke stand eine Schale mit Erdnüssen, die sich alsbald leerte.

Weiter kamen wir zu zweit, regelmäßig in der Führung wechselnd, schnell voran. Über 30 km/h war jetzt wieder möglich- die Straße war tatsächlich völlig flach.

Ich rechnete aus, dass, wenn wir so weiter führen, ich vielleicht punktgenau zu meiner Planzeit, nämlich 18:20 im Ziel sein könnten. Mit Michael hatte ich vorher gewettet, wer von uns beiden am nächsten an der eigenen Planzeit sein würde, hätte gewonnen. Wir überquerten den Po auf einer Eisenbrücke und später fuhren wir noch über eine Pontonbrücke über einen Seitenarm. Lange zogen sich nun Zwiebel- und Knoblauchfelder entlang des Weges hin. Es war gerade Erntezeit.

Später, als wir langsam in die Vororte von Milano kamen, zeigten die Pfeile einmal geradeaus, der Track aber führte nach links. Ich folgte dem Pfeil und Antonio, der sich sicher schien. Weiter verloren sich aber dann die Pfeile und ich versuchte wieder in Richtung Track zu kommen. An einem Kreisel tauchte plötzlich wieder ein Pfeil auf und wir folgten. Ich war mißtrauisch, denn wir fuhren Richtung Ost. Schnell lud ich den ersten Track von Sonntagabend und siehe da, wir befanden uns genau auf diesem- allerdings von Nerviano weg führend.

Wir überlegten kurz, ob wir die 1600 km noch einmal fahren wollten und drehten dann um. Mir kam es vor, als fuhren wir im Zick- Zack- Kurs, mehr oder weniger um Nerviano herum. Eine spätere Auswertung des gefahrenen Tracks zeigte aber, dass wir gar nicht so schlecht navigierten. Kurz vor dem Ziel wollte Antonio noch etwas trinken und hielt an einer Bar. Ich bestellte ein Eis.

Ich wundere mich noch heute darüber, wie wenig ich auf dieser, immerhin 270 km langen Tagesetappe gegessen hatte. Normalerweise geht das gar nicht ohne mindestens einen Hungerast. Woher nimmt der Körper diese Energie auch noch am fünften Tag den schnellsten Durchschnitt zu fahren?? 

Um 18:40 Uhr bin ich dann mit 20 minütiger „Verspätung“ im Ziel. 

Es gibt einen kleinen Applaus, wenig später eine Urkunde und eine Medaille.

Ich treffe Jens und Stefan, die ungefähr seit einer Stunde im Ziel sind, von Antonio und mir wird noch ein Zielfoto geschossen und nun ist die Mille Miglia wirklich zu Ende.

Fünf Tage war ich mal Rad fahren! 

Und was nun? Ich gehe erst einmal zum Zelt um zum letzten Mal meine Matte auszurollen. Im Ziel gibt es dann noch etwas zu essen, ein Bier gönn ich mir auch dazu und dann…. Wache ich erst am nächsten morgen wieder auf.

Epilog

Und am Samstag?

 

Rüdiger liegt in seinem Zelt nebenan.

Auf dem Weg zum Auto komme ich an Mannis Wohnmobil vorbei. Seine Frau bietet Kaffee oder Tee an und lädt mich ein, mich zu setzten. Nach und nach sammeln sich jetzt alle Randonneure, die hier im Zelt oder in der Halle geschlafen haben beim Wohnmobil. Ein schöner Abschluss- vielen Dank noch einmal dafür an Manni und seine Frau.

 

 



Zuletzt geändert von Administrator (admin)  am 13 Oct 2012  um 17:09:53
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