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Teil 4: Der dritte Tag (Im Hinterzimmer der Pizzeria ist es kühl)

Das Handy weckt um 5:30 Uhr: wieder das gleiche Prozedur: Ventil der Matte öffnen und zusammenrollen, das muß ich ihr noch beibringen, dann alles am Rad verstauen, aufsitzen und weiter. 400 m weiter Cafe´dopio con latte mit Gebäck- alles läuft ganz automatisch ab. An diesem Morgen bin ich nicht wirklich fit und ausgeschlafen. Bald darauf bin ich wieder auf der Landstraße.

Dieser dritte Tag sollte, laut Plan, mein Ruhetag werden: nur 240 km mit etwa 4000 HM. ( einmal Supercup in Bimbach ) Es gab auch noch einen Plan B, aber daran war nach dem gestrigen Tage so wie so nicht mehr zu denken. Kontrollschluß in S Quirico D´Orcia war 10:50 Uhr, hier konnte es noch einmal eng werden- Danach würden sich die Zeitfenster öffnen, wußte ich, und die Kontrollzeiten würden kein Thema mehr sein. Jedoch die Etappe hatte nur 66 km und 1100 Hm.

Mit einem 17er Schnitt etwa kam ich um 9: 25 Uhr dort an. An diese Etappe kann ich mich nicht erinnern, wie gesagt, alles lief ganz automatisch, fast als hätte ich diese Etappe verschlafen, ab. Kurz vor der Tanke, an der wir stempeln sollten, wollte ich mich nicht mehr überholen lassen, denn ich dachte diese wichtige Kontrolle müßte eine Checktime- Kontrollstelle sein. Lutz hatte mir am Tag zuvor schon die Platzierungen per SMS durchgegeben.

Also lege ich einen Endspurt hin und... die Kontrollstelle ist zu- es gibt gar keine Kontrolle in diesem Ort, meinen die anderen Fahrer, die jetzt auch ankommen.

Ich wollte aber unbedingt einen Stempel. Also fuhr in den Ort um ein Café zu suchen. Der Wirt war interessanter Weise sehr gut über unsere Tour informiert.

Auch er wußte, dass ich hier keinen Stempel in mein Roadbook bekäme: 15 km weiter, sagte er, gäbe es eine Geheimkontrolle. Des Öfteren fiel mir auf, wie gut die Einheimischen informiert waren über die Mille Miglia- in Deutschland würde es doch niemanden interessieren, wenn 200 Verrückte auf Ihren bepackten Rennrädern durchs Land fahren. Ich ließ mir trotzdem den, für mich so wichtigen, Kassenbon mit Ortsangabe und Uhrzeit geben und fuhr weiter.

Hinter dem Ort eine Schußfahrt- Huii- und genau so steil wieder rauf. Nach 5 km müßte der Abzweig zur Schotterpiste kommen. Diese Schotterpiste, hier „strade bianche“( weiße Straße ) genannt,  gehört zur Strecke der legendären Eroica, einem Rennen, das auf historischen Rädern mit entsprechender Kleidung auf entsprechendem Straßenbelag gefahren wird. (Bei der 205 km Strecke sind es 110 km auf unbefestigten Wegen: www.eroica.it )

Es gibt auch eine Alternative auf Asphalt aber natürlich will ich Eroica fahren. Diese 10 km waren dann eine willkommene Abwechslung, die mich auch wieder wachgerüttelt haben. Auf dieser Strecke taucht man ganz in die toskanische Landschaft mit ihren Zypressenalleen und Landhäusern, meist auf Hügeln gelegen, ein. Eigentlich müßte man anhalten, um zu genießen, denn die Strecke erfordert volle Konzentration und Kraft. Es gibt hier einige sehr steile, wenn auch kurze, Rampen, bei denen das Hinterrad durchdreht, wenn man versucht im Stehen zu fahren, und genau so steile, einmal bis15% steile Abfahrten. Dann, bevor man wieder auf Asphalt stößt,- ich bin am Ende doch froh den Schotter hinter mir zu lassen, die angekündigte Geheimkontrolle.

Weiter geht es in Richtung Gaiole in Chianti. Das sind noch gut 50 km. Dort bekomme ich meine zweite Tasche; das heißt Dusche, frisches Trikot und die Möglichkeit etwas Schlaf nach zu holen. Unterwegs ruft mich Rüdiger an und wir verabreden vage, dass ich in Gaiole auf ihn warte. Ich fahre nun durch die Mittagshitze; warum nicht jetzt schon pausieren, wenn ich in Gaiole so wie so warten würde. Bevor ich, ich glaube es war in Rapolano, eine Pizzaria finde, fahre ich ein Stück mit Manni zusammen. Im Hinterzimmer der Pizzaria ist es kühl. Ich esse, trinke etwas und schlafe etwa eine ½ h im Sitzen.

Als ich in Gaiole ankomme sehe ich Jens und Bernd. Sie wollen weiter und machen auf mich einen frischen Eindruck. Gleich möchte ich mich ihnen anschließen in der Hoffnung, dass der Frischeeindruck auf mich abfärbt und Plan B kam mir wieder in den Sinn. Rüdiger versichert mir am Telefon, das es in Ordnung ist und Bernd meint, warum ich nicht schon unter der Dusche wäre. Sie warten also und ich beeile mich mit Duschen und Klamottentausch. Ich nehme mir aber noch Zeit den Sattel zu tauschen. Meinen eigentlichen Langstreckensattel, der weichste Terry den ich habe, sollte mir die restlichen 600 km angenehmer machen. Auch eine weitere Flasche Energy-Drink ist im Gepäck. Die ganze Pause hat höchstens eine ¼ h gedauert.

Als wir um ca. 16: 00 Uhr los rollen fühle ich mich sehr erfrischt.

3 km fahren wir auf der gleichen Strecke zurück, auf der wir gekommen sind. Jens wird etwas mißtrauisch. Nach weiteren 6 km geht es endlich wieder bergauf in Richtung Castellina und ich merke gleich, dass wir nicht das gleiche Tempo haben.

Bernd wird immer langsamer, bis er verkündigt anzuhalten und sich schlafen zu legen. Bei Jens sind es eher die Abfahrten, die er sehr vorsichtig und langsam fährt; einmal scheint er kurz vorm Einschlafen. Da Jens meint, das käme davon, weil er lange nichts gegessen hätte, halten wir im nächsten Ort an einem Lebensmittelladen. Anschließend läuft es wieder, wie ich es von unseren vielen gemeinsamen Trainingsfahrten gewohnt bin. Das Profil vor Augen kommt mir plötzlich eine Idee; die Abfahrt vom zweiten Berg dieser Etappe könnte ich ja auch morgen früh hinunter rollen und oben auf der Passhöhe ein Hotelzimmer nehmen.

Kaum zu Ende gedacht, merke ich die ganze Müdigkeit der letzten Tage und die Idee wird mir sehr sympathisch. Bloß, wie erkläre ich das Jens! Ich kann es nun kaum mehr abwarten, bis wir die Passhöhe, ich glaube es war in Castelfafi, erreichen. Inzwischen ist es längst dunkel geworden. Rechts der Straße liegt ein Restaurant in dem schon zwei Randonneure sitzen. Jens wird mit ihnen weiterfahren, während ich dem Wirt zu einem Apartment in der Altstadt folge. Bevor ich mich in das breite, weiche Bett lege, lasse ich noch heißes Wasser in die Badewanne.

 

 

 



Zuletzt geändert von Administrator (admin)  am 13 Oct 2012  um 17:09:39
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