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Teil 2: Die erste Nacht; der erste Tag. ( nicht so locker, wie gedacht )

Die erste Nacht; der erste Tag.

( nicht so locker, wie gedacht ) 

Nach 200 m ging die Strecke nach rechts- der Track auf meinem GPS zeigte nach links. Das fängt ja gut an. Ein paar Kilometer später, Track und Pfeile waren sich nicht immer einig, ging die Gruppe schon auseinander. Bloß nicht jetzt schon anhalten und grübeln. Einfach intuitiv weiter fahren, wie ich es auch sonst mache.

Bald darauf sind wir nur noch eine kleine Gruppe aber als wir aus den Wirren der Vorstädte um Milano raus sind kommt von hinten eine riesige Gruppe, die bald zu uns aufschließt. Wegen der Unfallgefahr versuche ich ganz vorne zu fahren, genauso machen es meine Kollegen aus SH. Den anderen scheint es zu gefallen. Wie wird man nun so eine riesige Gruppe los, damit wir in Ruhe unsern Schnitt fahren können? Bis Fombio, der ersten Kontrolle, die einfach irgendwo am Streckenrand aufgebaut ist, schaffen wir das nicht. Danach allerdings kommt endlich Ruhe und Rhythmus ins Feld, das jetzt glaube ich nur noch aus uns Fünfen besteht.

Im Vorfeld haben wir uns oft gefragt, ob wir es schaffen, die ersten 400 flachen Kilometer zusammen zu bleiben. Michael hat sich schon nach vorne abgesetzt- ihm war das Tempo um 1 km/h zu langsam.

Manchmal rätseln wir etwas um den richtigen Weg- ich vertraue da jetzt ganz dem GPS- Gerät. Stefan ist davon noch nicht ganz überzeugt- hält an manchen Kreuzungen an, um sicher zu gehen. Nachdem wir den Po überquert haben, steht der Mond, laut Bernd, plötzlich nicht mehr da, wo er stehen sollte. Unsicherheit macht sich breit und auch ich rätsele kurz, ob wir den Track gerade nicht wieder zurück fahren. Zum Glück hat das Gerät ja auch einen Kompass und dieser zeigt genau Süd- Ost an. Also muß der Mond verkehrt sein. Naja- die Müdigkeit scheint auch nicht unschuldig.

In Colorno hat die Bar geschlossen. Also machen wir uns im Ort auf die Suche nach einem alternativen Stempel. Ich halte mich da raus und nutze die Pause an der Brücke um etwas zu essen. Keine Chance im Ort irgendeinen Stempel auf zu treiben. Wir beschließen bei der nächsten Gelegenheit dies nach zu holen.

Wir rollen also weiter bis plötzlich meine Augen zu fallen wollen. Nützt alles nichts- ich muß anhalten und einen Kurzschlaf  halten. Rüdiger geht es genau so- die anderen fahren weiter.

Am Wegesrand gibt es Holzbänke. Ich öffne das Ventil meiner `sich selbst aufblasenden´ Matte und für eine ½ Stunde machen wir es uns auf der Holzbank so gemütlich wie es geht.

5:50 Uhr. Das Handy weckt – ich bin ausgeschlafen. Jetzt noch einen Kaffee, das wäre perfekt. Wir fahren aber noch fast eine ganze Stunde, bis wir endlich eine Bar sehen. Hier bekommen wir nicht nur den ersehnten Kaffee mit Gebäck sondern auch den fehlenden Stempel. Eine kleine Gruppe Dänen pausiert auch hier- diese werde ich bis ins Ziel immer wieder mal treffen.

Erfrischt und gestärkt machen wir uns ans Tagewerk. Ca. 300 km liegen noch vor uns, bis wir in Apecchio sind, wo ich meine erste richtige Schlafpause geplant habe.

 

Massa Finalese, km 261, erreichen wir um 9 Uhr 10.

Dort ist ein riesiges Zelt aufgebaut. Es gibt Getränke, Schinkenbrote und leckeren, sehr süßen Kuchen. Ein großer Schluck von dem rötlichem Saft- urrgs- das ist ja Wein! Den Rest lasse ich lieber stehen und hoffe, dass mir der Schluck nicht schaden wird. Manni sehe ich hier zum ersten Mal wieder. Er will gerade weiter als wir ankommen. Er hat das gleiche Tagesziel- will nicht bummeln. Peter sitzt uns beim Essen schlafend gegenüber.

Die nächsten 160 km sind noch flach. Rüdiger und ich wechseln uns regelmäßig ab, wie beim Paarzeitfahren. Das klappt reibungslos auch ohne Worte- wir fahren jetzt ruhiger. Die Tageshitze setzt uns doch mehr zu als gedacht und als wir in Savignano ankommen, können wir die 420 km doch spüren. Bis hier her habe ich, genau wie geplant, einen 21 er Schnitt. Nur es war doch nicht so locker, wie gedacht.

Lange halten wir uns nicht auf, denn von nun an geht es nur noch Bergauf und ab.

Gleich der erste Anstieg nach San Leo versprach laut Profil fast 1000 Hm. ich sage noch zu Rüdiger: „ Mensch, bis jetzt kann man das ja gut fahren“, als wir links abbiegen und der Anstieg richtig steil wird. Und so steil bleibt es auch bis oben; endlos scheinen die Serpentinen den Weg bis zur Passhöhe hoch zu schrauben. Inzwischen wird es auch Dunkel. Meine neue B&M IQ Dynamolampe hatte sich in der ersten Nacht gleich verabschiedet aber die Kombination aus Batterie- LED- Lampe ( Trelock ) für Fernsicht und die Stirnlampe ( Lucido ) für den Nahbereich waren völlig ausreichend. Wenn ich jetzt noch an mein anderes Laufrad in Andreas Auto kommen könnte, würde ich diesen Anstieg ein paar Gramm leichter hochfahren, so dachte ich. Aber Michael, und damit auch seine Begleitung, waren schon weit voran und ich sollte sie auch erst im Ziel wieder sehen.

Es gibt immer wieder grandiose Ausblicke auf San Marino mit seinen Tausend Lichtern. Endlich oben angekommen, hatte ein ortsansässiger Verein eine Zusatzkontrolle eingerichtet. Es gab Pasta und Getränke. Eigentlich hatte ich keinen Hunger aber man muß ja.... Nach dem Essen gucken Rüdiger und ich uns nur kurz an und ich rolle schon wieder meine Matte aus. 1,5 h Schlaf wollen wir uns gönnen. Die 50 km bis Apecchio würden wir dann ausgeschlafen in Angriff nehmen.

Es ist recht frisch hier oben aber ich schlafe sofort ein. Als das Handy uns weckt ist die Zusatzverpflegung abgebaut- keiner außer uns beiden ist noch da. War das Wirklichkeit oder..... . Wir schütteln uns einmal setzen uns aufs Rad und nun folgt eine rasante Abfahrt. Einmal stocke ich kurz: der Track will mich auf einem kleinen Schotterweg über einen Bergrücken nach Norden führen. Die Straße geht weiter geradeaus und vor Allem Bergab. Später macht die Straße eine Wendung- wir fahren durch einen kleinen Ort und von rechts oben stößt ein kleiner Schotterweg zu. Ich hätte also, dem Track folgend eine Abkürzung fahren können. Das wäre ein Abenteuer geworden! Abenteuerlich werden allerdings dann zwei Auf- und Abstiege kurz vor Apecchio. Richtig steil bergauf im Slalom, nicht weil die Übersetzung ( 39/30 ) nicht ausgereicht hätte, sondern weil man hier um die vielen Löcher, teilweise mit Sand gefüllt herum fahren muß. Bergab nicht besser, eigentlich eher schlimmer, weil man das Rad nicht laufen lassen kann. Die Hände ermüden vom Bremsen.

Die schlechteste Wegstrecke, die ich je gefahren bin.

 

Apecchio, km 511, Dienstag, 03:05 Uhr

Die Erwartungen bezüglich der Schlafmöglichkeiten in Apecchio erfüllten sich nicht. Die Kontrollstelle eine Tankstelle mit entsprechendem Bodenbelag. Der Fußboden des kleinen Cafés, das zur Tanke gehört, war natürlich schon belegt. Ich war wohl so müde, dass ich nicht lange überlegt habe- weiß auch gar nicht wo Rüdiger verblieb.

Als um 5:00 Uhr planmäßig das Handy weckte war ich froh, dass ich auf meiner weichen Matte ( 700 gr. ) in meinem Schlafsack ( 200 gr. ) aufwache. Rüdiger finde ich schlafend an einem der kleinen Tische sitzend. Ich wecke ihn nicht- esse erst einmal ein Croissant- der Kaffee `dopio con Latte´ macht mich gleich hellwach. Unter meinem Tisch liegt jemand in einem Aluminium beschichteten Beutel! Hoffentlich erstickt sie nicht. Bald wachen aber alle umliegenden auf und es herrscht Aufbruchstimmung.

 

 



Zuletzt geändert von Administrator (admin)  am 13 Oct 2012  um 17:08:56
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