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Brevet Bern Bodensee Bern 600 km (Versuch)
 

Tourname: Bern Bodensee Bern
         
Verein:
VerfasserIn: Astrid Muth
Datum: 2006
Startort: Bern
Tourlänge: 600 km
Höhenmeter in M:  ? Meter

 

Wir kommen am Vorabend in Bern an und finden den Startplatz schon bald. Wir wollen da aber nicht unbedingt parken, da ich mich ja nicht anmelden will, da mir der Preis einfach zu hoch ist. Wir finden aber beim besten Willen keinen Standplatz. Hier wimmelt es übrigens von Militär und so müssen wir dann doch auf den Starterparkplatz. Es stellt sich aber heraus, dass ohnehin genug Platz da ist, also kein Problem.

An meinem Fahrrad müssen noch ein paar Sachen gemacht werden. Einige andere Fahrzeuge sind auch schon auf dem Parkplatz und ein paar Zelte stehen schon. Es kommen im Laufe des Abends noch einige dazu. Ansonsten ist nicht viel los. Am Ziel/Start gibt es einen Wagen mit ein paar Duschen und Toiletten. Für die Zelter wurde ein Dixi-Klo aufgestellt. Da mir die Veranstaltung eindeutig zu teuer ist, entscheide ich ich mich so mitzufahren.

Ich starte auch früher, da ich losfahren will, wenn es hell wird. Nach ein paar Metern muss ich leider feststellen, dass die Brücke über die ich fahre müsste gesperrt ist und die Schilder der angeblich ausgeschilderten Strecke finde ich auch nicht. Nach einer geschlagenen Stunde finde ich dann endlich raus, nachdem ich die Umgebung entsprechend abgefahren bin, wo es langgeht. Schade, dass ich keine Nerven wie Drahtseile habe, sonst würde mich das maximal peripher tangieren.

Jetzt geht es endlich los, kurz vor den anderen, auf die ich inzwischen schon warten wollte. Im letzten Moment habe ich mich noch entschlossen das Roadbook, den Streckenplan einzustecken, für alle Fälle. Das war mein Glück, den ohne Roadbook ist die Strecke gar nicht fahrbar, denn die Ausschilderung ist nicht wie bei einer RTF, sondern viel schlechter. Teilweise kommt nur alle 10 km mal ein Pfeil. Die Schweizer sind eben sparsame Leute, nur am Startgeld haben sie leider nicht gespart.

Unterwegs höre ich auch, dass die Verpflegung nicht besonders ist. Sie sieht von weitem aus, wie 3 € RTF Verpflegung. Ich fahre die Verpflegungsstellen nicht direkt an, sondern versorge mich unterwegs, was ausgesprochen gut geht, denn überall gibt es diese Wasserstellen unterwegs. Eine wirklich tolle Einrichtung hier. So braucht man sich auch nachts keine Sorgen zu machen wegen des Wassers. Außerdem gibt es genug Geschäfte, also ist auch die Essensaufnahme kein Problem.

Ich verfahre mich immer mal wieder, so wie die anderen auch. Ich fahre ein Stück mit zwei Franzosen, die ich aber an einem falsch ausgeschilderten Abzweig verliere. Sie fuhren ohne Plan soweit ich das sehen konnte. Keine Ahnung wie die und einige andere wieder auf die Strecke gefunden haben.

Die Strecke führt zum größten Teil über viel befahrene Hauptstraßen und zwar von Anfang an. Nur ab und zu sind mal Streckenabschnitte dabei, die wenig befahren sind. Glücklicherweise gibt es hier Radstreifen, die auch nicht ganz so schmal sind wie bei uns, so ist das Fahren zwar nicht erträglich, aber doch noch besser als ohne Streifen, weil man zumindest den Eindruck hat, man das Recht hier zu fahren.

Da es sehr heiß ist und das ohnehin schlaucht, habe ich keine Kraft mich darüber aufzuregen, ich brauche meine Kraft zum Fahren und ertrage es gezwungenermaßen und denke nur wie man so etwas als Veranstalter den Radfahrerinnen zumuten kann und auch noch die Frechheit im Internet bei der Streckenbeschreibung zu erwähnen, dass der eine ohne andere Streckenabschnitt viel befahren sein kann.

Das Gegenteil ist der Fall, der eine oder andere, relativ kurze Abschnitt ist wenig befahren. Ich tröste mich damit das ich wenigstens nicht bezahlt habe für diese Veranstaltung. Da es Freitagabend ist reißt der Verkehrsstrom auch erst sehr spät nachts ab. Als es dadurch endlich angenehm wird auf den Hauptstraßen zu fahren, weil breit und relativ gut, biegen wir ab und fahren einen langen, sehr langen, relativ steilen Berg hoch. Solche Sachen nachts rauf wie runter zu fahren sind immer schwer, besonders wenn man dann langsam müde wird. Ich werde sogar sehr müde, weil ich die Nacht davor kaum geschlafen hatte.

Das Augenaufhalten kostet mich so viel Kraft, dass ich kaum noch Kraft habe zum treten. Es ist die totale Quälerei. Als es endlich hell wird und zum größten Teil bergab geht, werde ich so müde, dass es mir zu gefährlich ist weiterzufahren. Ich beschließe mich einen Moment in einem Bushaltestellehäuschen hinzusetzen. Hier oben ist es leider so kalt, dass ich kaum sitzen kann vor Kälte. Mein altes Problem, ich friere sehr leicht. Na ja, dafür war es ja tagsüber total heiß.

Meine Sitzprobleme haben sich mit der Zeit verstärkt. Ich rufe Hermann an und fahre ihm entgegen, denn es wird eine Weile dauern bis er da ist. Ich merke dann, dass ich so nicht mehr weiterfahren kann und entscheide mich abzubrechen. Schade, denn jetzt, am Tag, wo die Nacht vorbei war und es langsam wieder wärmer wurde, wäre ich natürlich gerne zu Ende gefahren.

Wie ich am nächsten Tag feststelle, als ich wieder bei einer RTF auf dem Rad sitze, war die Entscheidung falsch, denn dieses Sitzproblem hätte ich lösen können, da es nicht so gravierend war wie ich dachte. Na ja, hinterher ist man natürlich immer schlauer.

Meine Sitzprobleme haben sich zwar im Laufe der Jahre wesentlich gebessert, aber ich habe sie bis heute nicht lösen können. Eine sehr schlechte Voraussetzung

 

  Astrid Muth

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