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Tourname: Brevet 600 km Maastricht           
Verein: ARA-Maastricht
VerfasserIn: Frank Hartfeld
Datum: 2007
Startort: Maastricht
Tourlänge: 600 km
Höhenmeter in M:  

 

Um 7:00 Uhr trudelte ich am Parkplatz ein und wurde schon von Jedrik und Passadore in Empfang genommen. Wir rödelten uns langsam auf und es traf dann auch noch Bergfloh ein. 

Bergfloh war etwas über den Parkplatz unglücklich – seine potentielle Aufbrechangst sollte sich glücklicherweise als nicht bestätigt erweisen. Wir rollen – besser rattern – dann gemeinsam über das innerstädtische Kopfsteinpflaster zum Startort im Eetcafé de Preuverij, wo wir schon von Ivo empfangen werden.
Die restlichen Fahrer, wie auch Fiets, treffen auch ein. Es wird noch ein starker Aufweck-Kaffe getrunken. 

Es gehen somit 13 Starter um 8:00 auf den Weg, nachdem Ivo eine kurze Ansprache in Niederländisch und Deutsch gehalten hat.  

Über die Sint Servaasbrug überqueren wir die Maas in Richtung Osten und schwenken bei t’Rooth in Richtung Süden, um ein paar niederländische Hügel in Richtung Belgien mitzunehmen. Wie auch im weiteren Verlauf, war die ganze Strecke mit Pfingstfesten, Trödelmärkten und anderen Veranstaltungen gespickt, so dass man sich oft den Weg durch abgesperrte Passagen bahnen musste. Wir fuhren in einem lockeren Verband zusammen, wobei, je hügeliger es wurde, die Gruppe sich langsam zerlegte. Ivo meinte noch, dass spätestens bei Baraque Michel sich das Feld splitten würde – es ging aber schon früher: Zunächst blieb ein Liegeradfahrer mit Platten liegen – er überholte uns später noch bei der ersten Kontrolle. 

Nach 80 Minuten war dann aber auch Fiets dran – Platten am Vorderrad in einem Wald kurz hinter Planck, also knapp hinter NL/B-Grenze. Ich blieb bei ihm – der Rest sollte weiterfahren. Nach 10 Minuten waren wir wieder soweit und nahmen die „Verfolgungsjagd“ auf, was hieß, dass wir bis zur 1. Kontrolle (fast) niemanden vom Feld mehr sahen. Fast bedeutet, dass wir hinter Goé in den ersten ernsthaften Anstieg „gescheucht“ wurden. Hier standen Ivo, Bergfloh und Passadore und begutachteten anscheinend Probleme an Passadores Rad. Wir wurde aufgefordert weiter zu fahren. Mit diesem Anstieg wurde es „lustig“: Fiets hatte als waschechter Niederrheiner bisher wenig Chancen „echte“ Anstiege kennen zu lernen. Dazu eine renntaugliche Schaltung – oh er musste leiden!

Ich mit meiner Kompaktkurbel (50/34) sowie 12-32 hatte da weniger Probleme. Der Anstieg zog sich über 5 km über eine kleine Nebenstrecke mit belgientypisch schlechtem Belag. Oben stießen wir auf eine größere Straße, wo es jedoch noch weiter hoch ging – es galt Baraque Michel im Zentrum des Hohen Venns zu passieren. Passend zur Landschaft verstärkte sich nun der Nieselregen – nicht ohne Grund ist das Hohe Venn ein Hochmoor. So langsam sammelte sich auch das Wasser in meinen Schuhen, ich hatte leider nicht das passende Vorderradschutzblech mitgenommen... 

Kurz danach sah ich 2 Räder bei einem Restaurant stehen – wir fuhren jedoch stetig weiter bis zur ersten Kontrolle in St. Vith. Hier trafen wir auch auf Jedrik und 2 Niederländer (Ben und jemand anderes). Danach trafen der Liegeradfahrer mit dem Platten, sowie die bei Baraque Michel pausierenden Jan und Kees ein. Wir machten über eine halbe Stunde Pause und versorgten uns mit Reiskuchen und Pommes. Da das Wetter aufklarte und es nicht mehr regnete, wurde die Regenjacke wieder verstaut und auf luftigere Kleidung umgestellt.  Von Ivo, Bergfloh und Passadore keine Spur verließen wir mit den 4 Niederländern die gastliche Städte. Im weiteren Verlauf fuhr ich dann mit Fiets und Jedrik weiter, wobei es mehr oder minder entlang der Our ging. Auch hier galt es den ein oder anderen Hügel zu erklimmen – richtig schlimm waren diese jedoch nicht.

Anscheinend mögen Laufräder keine Grenzwechsel – direkt hinter der B/D-Grenze erwischte es Jedrik mit einem Platten am Hinterrad. 15 Minuten später ging jedoch es weiter und wir genossen die schöne Landschaft. Sogar ein paar Hobbyradler waren unterwegs, wobei wir bei einem Pärchen sogar locker mithalten konnten. Die Landschaft auf deutschen Gebiet parallel zur Grenze ist wunderschön, verkehrarm und ohne extreme Steigungen – eigentlich ein Radlerparadies, das man sich mal merken sollte.

Eine lustige Randnotiz waren 2 junge Bullen, die am Wegesrand standen. Glücklicherweise kam gerade ein Auto vom Zoll vorbei, das hoffentlich die Rindviecher an den dazugehörigen Bauern vermitteln konnten.  

Nun kam es, wie es kommen sollte – die Grenze nach Luxemburg näherte sich: Fiets hatte jetzt einen Platten am Hinterrad – wieder 15 Minuten . Jedrik fuhr schon mal vor – ohne Berge hatten wir jedoch keine Chance, sie vor der nächsten Kontrolle in Vianden einzuholen. Der folgende Weg ging an der Our entlang und war somit recht locker zu fahren. In Vianden selber hielten wir uns nicht lange auf, da hier Touristenrummel pur war.  Hinter Echternacherbrück – die Grenze ist ja auch nicht weit weg – war es dann wieder soweit: Platten bei Fiets – Hinterrad. Jedrik meinte nur lakonisch, die Prozedur kennen wir ja, und machte sich schon mal auf den Weg. Nach 15 Minuten ging es auch für uns weiter.

Danach hatte der Reifengott endlich ein Einsehen und dies war der letzte Platten für diese Tour. Doch nun war es auf anderem Felde „Schluss mit Lustig“: Hinter Ralingen galt es das Tal der Sûre (die die Our geschluckt hatte) zu verlassen in Richtung Trier. Dazwischen lag jedoch ein giftiger Anstieg nach Olk, der einem alles abverlangte. Hier überholten uns auch die vier Niederländer. Endlich bei Kordel ging es rüber ins Moseltal östlich von Trier. Und das kurz vor 20:00, also im Hellen – ein Ziel, das ich mir persönlich gesteckt hatte.  

Die kommende Nacht diente nun vollends, um das Moseltal bis zur Rheinmündung abzufahren. In Mehring war dann die 3. Kontrolle – hier trafen wir auch die 4 Niederländer wieder, die uns erzählten, dass Jedrik nach einem Cappuccino schon wieder weg sei. Fiets und ich aßen eine Gulaschsuppe und tranken einen Cappuccino. Der Gastwirt war sehr nett – er gab uns sogar den Cappuccino aus ! Das Restaurant hatte ein Bett&Bike-Schild, was vielleicht dieses erklärt.  

Mit der Nacht wurde es an der Mosel immer leerer, d.h. es waren kaum Autos unterwegs. In jedem Dorf fanden jedoch Pfingstfeste statt, so dass bis in die späte Nacht dort immer was zu beobachten gab. „Belebt“ wurde die Streckenführung durch immer wiederkehrende Seitenwechsel über diverse Moselbrücken.  

An der 4. Kontolle in Bernkastel-Kues galt es bei der Polizei einen Stempel abzuholen.

Hier stieß auch Jedrik wieder zur Truppe. Bis zur 5. Kontrolle in Zell a. d. Mosel blieben wir dann sogar zusammen und spulten unsere Kilometer über die leeren Straßen ab. Doch nun kam die Müdigkeit hervorgekrochen, so dass sich Jedrik an der Kontrolle zum Schlafplatzsuchen verabschiedete. Auch ich sagte Fiets, dass ich mich jetzt verkrümeln wollte.

Die Strecke zwischen Zell a. d. Mosel und Koblenz (6. Kontrolle) war ich somit allein unterwegs. Zwischen Bullay und Neef fand ich einen kleinen asphaltierten Stich in einen Weinberg, und legte mich auf den Boden. Richtung einschlafen konnte ich nicht – aber dösen.

Ich hörte Waldkäuze und ein Schiff vorbeiziehen – Autos kamen fast keine vorbei. Nicht richtig erfrischt, aber die Augen wieder etwas gebessert, machte ich mich wieder auf die Reise. Hoffentlich überstehe ich diese Nacht!

In einem der Dörfer stürmt auf einmal ein wild gestikulierender Besoffener auf mich zu: Ich schreie ihn zusammen, so dass er gerade noch ablässt – die Nachbarn sollten jetzt auch wach gewesen sein – ich wars (kurzfristig). Nach diesem Erlebnis hatte ich etwas Sorge um Jedrik – zum Glück unbegründet, wie ich später erfahren habe. Jedoch immer noch nicht richtig fit passierte ich Dorf auf Dorf – eines davon heißt bezeichnenderweise „Müden“... 

Ich mache noch zwei weitere Pausen, aber richtige Erholung stellte sich nicht ein.

Kurz vor Cochem ging es dann in bekanntere Gefilde – hier gehen der Ochtendunger und Koblenzer Radmarathon lang. Trotzdem dauert es unendlich lange, bis ich endlich die Autobahnbrücke der A61 erblickte: Koblenz ist jetzt also nicht mehr so weit. In Koblenz noch einmal das letzte mal die Moselseite gewechselt, um die 6. Kontrolle aufzusuchen. Es wurde zum Glück wieder hell, so dass die Müdigkeit sich wieder besänftigen sollte.

Hier traf ich nach langer Zeit ein paar Fahrer wieder: Fiets, Jan und Kees.

Mit diesem Trupp sollte ich den Rest der Strecke bis Maastricht durchfahren. Leider fing es nun auch wieder an zu regnen an, und dieser Regen sollte für die letzten 200 Kilometer ein treuer Begleiter bleiben. Es waren wohl keine Sturzbäche, eher ein Landregen...  

Wieder zurück auf der anderen Moselseite ging es nun den Rhein entlang – vorbei an der AKW-Ruine von Mülheim-Kärlich - bis nach Brohl. In Brohl selber war ein Radwegchaos – zum Glück hatte ich Jedriks GPS-Track, der sehr hilfreich bei dem Auffinden des richtigen Weges zum Anstieg nach Königsfeld war. Auch waren hier die Prozente recht moderat und nach einer rasanten Abfahrt fanden wir uns bei der 7. Kontrolle in Bad Neuenahr / Ahrweiler wieder. Hier wurden die Tanks ordentlich mit Brötchen, Baguettes, Kaffee und Red Bull aufgefüllt. 

Jetzt ging es nordwestlich in Richtung Rheinbach. Auch hier galt es die ein oder andere Steigung zu erklimmen – aber es hielt sich in Grenzen. Nur machte mir die Müdigkeit und Erschöpfung doch zu schaffen. Auch die Kälte kroch in die Glieder – insbesondere die Füße. Zwischendurch kamen uns reihenweise Rennradler entgegen – es war die RTF von Bonn-Mehlem; und richtig, ich erkannte meinen Vereinskollegen Georg. Kurzes „Hallo“ – er meinte, ich sähe „relativ frisch“ aus: Zyniker Augenzwinkern, dann wieder meine Leute eingeholt. Von Rheinbach über Euskirchen bis Bürvenich war es dann noch mal flach, bevor es wieder ernsthafter hoch nach Nideggen ging. An der nun 8. Kontrolle in einer Tankstelle wurden nochmals die Vorräte aufgefüllt – ich schlotterte, wenn ich nur vor die Tür trat. 

Direkt danach ging es runter ins Rurtal – mein Rad flatterte, jedoch war es nicht der Rahmen: Ich zitterte nur am ganzen Leibe und – man glaubt es nicht – ich wünschte endlich den nächsten Anstieg herbei, damit mir endlich wieder warm würde.

Zum „Glück“ kam der auch, und zwar ganz schön heftig. Fiets quälte sich hoch, während Kees – wie immer – vorweg fuhr. Jan hatte mit seinem Liegerad bei solch höherprozentigen Anstiegen auch zu kämpfen. Der Anstieg hörte und hörte nicht auf, denn es ging jetzt fast bis nach Simmerrath rauf. Kurz vorher bog die Strecke endlich gehn Westen, also Belgien.  

Hinter Roetgen gings wieder über die Grenze – die Reifen hielten – um über Raeren nach Welkenraedt zu fahren. Das Cafe de Sports kannten wir noch als letzte Kontrolle von der 400er. Der Rest der Strecke war dann auch identisch, wobei direkt nach Welkenraedt rauf nach Henri-Chapelle noch mal ein heftiger Anstieg zu bewältigen galt, bevor wir auf einem Hochplateau in Richtung Visé fuhren. Die Straße ist hier zum Teil in einem gruseligen Zustand, der Ausblick gehen Westen jedoch grandios. Vor Visé war dann der allerletzte Anstieg vor dem Maastal; in diesem Bewusstsein „musste“ ich dann diesen Anstieg doch noch mal mit voller Kraft fahren – die Beine waren doch noch recht gut dabei. Die Durchfahrt in Visé ist nervig, da sehr viel wuseliger Verkehr herrscht.

Kurz danach vor dem Kanal Albert geht es dann recht ab in Richtung Lixhe, um dann eine Schleuse zur Maas zu queren, und entlang des durch die berge gesprengten Kanal Albert nach Kanne zu fahren. Auch hier galt es das letzte der vielen Volksfeste zu passieren und auf der Anhöhe „lachte“ uns die Silhouette von Maastricht an.  

Zielstrebig fuhren wir nun zum Ziel und holten uns den letzten Stempel um 18:30 Uhr ab. Jan’s Frau bildete den Empfang und gratulierte uns; aber auch untereinander dankten und gratulierten wir uns für die angenehme Fahrt, Gesellschaft und überstandenen Strapazen. 

Die Strecke:

http://www.bikely.com/maps/bike-path/600er-Brevet-Maastricht

 

Frank Hartfeld


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