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Tourname: Brevet ARA Weserbergland 600 km
          
Verein: ARA Weserbergland
VerfasserIn: Daniel Rödding
Datum: Mai 2007
Startort: Großenwieden (Hessisch Oldendorf)
Tourlänge: 600 km
Höhenmeter in M:  

 

Der 600er war als Gemeinschaftsprojekt von Uwe Krohne, Startort Weserbergland, und Rainer Paffrath, Startort Brühl organisiert worden. Mit Abendstart um 21 Uhr diesmal eine etwas andere Situation, was für mich das "Anreiseproblem" deutlich erleichterte. Leider zogen am Pfingstwochenende teilweise üble Gewitterfronten übers Land und ich beobachtete im Vorfeld des Brevets schon argwöhnisch Wetterlage und -prognose. Im Grundsatz war für mich aber klar: starten will ich schon, mit den Sintfluten beim Wachtendonker 200er bin ich ja auch klargekommen, also muß das diesmal auch irgendwie funktionieren. 

Anreise wieder mit der Bahn bis Hessisch Oldendorf, auf dem Weg zum Startort noch eine kleine Abendbrot-Pause, dann gegen 19:30h bei Uwe in Großenwieden eingetrudelt. Ich dachte zunächst, daß ich wohl einer der Ersten dort sein würde, aber dort herrschte schon starke Betriebsamkeit. Räder wurden geprüft, der bereits ausliegende Streckenplan diskutiert, im Hintergrund Zelte aufgebaut (meines dort diesmal nicht). 

Ein erster Blick auf den Streckenplan ließ ungutes vermuten: Der "Brühler Ast" der Strecke, der von Rainer Paffrath ausgearbeitet wurde, führte frontal durchs Sauerland und sehr viel südlicher als das, was die ursprüngliche Ankündigung für dieses Brevet vermuten ließ. Zwischen Soest und Brühl seien pro Weg ca. 1800 HM zu erwarten, ließ Uwe verlauten. Und der Streckenplan in diesem Abschnitt war eng gedruckt mit Unmengen an Wegepunkten, an denen vor oder hinter irgendetwas wenig markantem abgebogen werden solle. Au weia, wenn das von der Orientierung her mal gut geht. Uwes Hälfte der Strecke hingegen kam mit erheblich weniger Wegbeschreibung aus und lief einigermaßen geradlinig. Eine kleine Asymmetrie hatte er in den Hin-und-Her-Kurs eingebaut: auf dem Hinweg sollte über Vlotho/Kalletal gefahren werden, auf dem Rückweg über Kalletal, Extertal und dort über Rott. 

Der offizielle Startort lag an der Weserfähre, ein paar Minuten vor geplanter Startzeit setzten sich 25 Starter dorthin in Bewegung, Uwe hielt dort noch einmal die obligatorische kurze "Ansprache", dann ging es auch schon los. 

Auf dem Weg zur ersten Kontrolle in Uffeln bei Vlotho bildeten sich recht schnell zwei Gruppen. Ein halbes Dutzend Fahrer setzte sich mit einem Tempo weit oberhalb 30 km/h recht schnell ab, wir in der zweiten Gruppe fuhren die erste Flachetappe mit einem Schnitt knapp unter 30. An der Kontrolltanke noch kurze Trinkpause, um die mitgeführten Flüssigkeitsvorräte zu schonen, denn es stand zu erwarten, daß bis Soest keine Möglichkeit mehr besteht die Vorräte aufzufüllen. 

Bei der Fahrt ins Kalletal zerlegte sich unsere Gruppe dann recht bald, fand aber teilweise immer wieder zusammen. Der Wind kam aus nördlicher Richtung, also eher von hinten, so ließen sich die Hügel dort zügig und relativ unangestrengt bewältigen. Bis jetzt war es auch noch recht warm und trocken, so war das eine echte nette Nachtfahrt. 

Zwischen Helpup und Oerlinghausen änderte sich das Wetter dann allerdings, es setzte zunächst feiner Regen ein, der im Anstieg nach Oerlinghausen dann zu einem üblen Starkregenguß wurde. Über dem Teutokamm tobte ein schweres Gewitter. Um nicht direkt am Anfang der Tour völlig durchnäßt zu werden entschloß ich mich, mit zwei anderen Fahrern den übelsten Schauer zunächst auszusitzen. Wir fanden einen angenehmen Unterstand, warteten, futterten und unterhielten uns, während vor uns das Wasser nur so die Straße herunterlief. Erst nach 1 1/4 Stunden zeichnete sich endlich eine leichte Besserung ab, da war für mich klar daß es einen Versuch wert sein könnte, zumindest bis Schloß Holte zu kommen und dann erneut über Weiterfahrt oder Pause zu entscheiden. Schließlich lief die Uhr und wir konnten hier nicht unendlich lange rumstehen. Zu dritt zogen wir weiter und tatsächlich wurde es jenseits des Teutokamms dann deutlich besser, zunächst nur noch leichter Regen, der hörte dann hinter Schloß Holte auch irgendwann auf. 

Auf den klatschnassen Straßen war kaum Verkehr, der schwache Wind kam tendenziell weiterhin von hinten, so ließen sich die nächsten Kilometer zügig abspulen. Auf dem Weg nach Neuenkirchen stand ein Polizeiwagen mit Blaulicht auf der Straße, der eine Unfallstelle sicherte, wo wohl eine Pkw-Fahrerin von der regennassen Straße abgekommen und in den Graben geplumpst ist. Es sah allerdings nur nach Sachschaden aus, dennoch gespenstische Situation. 

Hinter Rietberg klarte der Himmel ein wenig auf, man sah schemenhaft den Mond und hin und wieder auch mal einzelne Sterne. Dafür zogen jetzt auch immer wieder mal ein paar Nebelschwaden vor einem durch. Irgendwo auf diesem Abschnitt habe ich meine beiden Wegbegleiter verloren, ich bin etwas schneller als die beiden gefahren und habe dann bei Mastholte eine Kurzpause eingelegt. Wir haben uns jedenfalls nicht mehr wiedergesehen. 

In Lipperbruch habe ich dann einen Abzweig nach Bad Waldliesborn verpaßt und bin stattdessen auf Lippstadt zugefahren. Etwas ärgerlich, aber nicht wirklich kritisch. Ich würde bei Cappel eh wieder auf die ursprünglich geplante Route stoßen, also bin ich nicht umgekehrt sondern durch Lippstadt weiter. So kam ich dann mit ca. 2 km Umweg wieder nach Cappel und fuhr auf die Planstrecke zu. Dann gab es plötzlich zweimal kurz hintereinander einen lauten Knall und ich merkte, wie mein Vorderrad Anstalten machte in die Blockade zu gehen. Schrägschlitternd konnte ich einen Sturz so gerade noch abwenden und brauchte erst einen kleinen Moment zu begreifen, daß nun sowohl im vorderen als auch im hinteren Reifen stolze 0 bar Restdruck waren. Offensichtlich bin ich sowohl mit dem Vorder- als auch dem Hinterrad entweder über eine sehr robuste Glasscherbe oder einen scharfen Metallgegenstand gefahren. Auf der regennassen Straße war natürlich rein überhaupt nichts zu sehen... 

Schadensbegutachtung ergab zwei übel beschädigte Mäntel und auf mehreren Zentimetern aufgerissene Schläuche. Klasse sowas morgens um kurz nach halb vier. Jedenfalls war der eine Reifen direkt ein Fall für eine örtliche Mülltonne und wurde durch den mitgenommen Ersatzreifen ersetzt. Der andere Reifen bekam einen dieser "Reifenflicken". Zwei neue Schläuche rein, den frischen Reifen mit Kartusche auf Druck gebracht, den geflickten vorsichtig per Handpumpe mit noch verantwortbarem Minimaldruck versorgt. Und weil es dunkel und alles naß war hat die Aktion eine ziemliche Ewigkeit gedauert. 

Es folgte nun ein kleines Rechenexempel: bis Soest waren noch ca. 28 km zu fahren, also 75-90 Minuten Bruttozeit. Erwartete Ankunft dort also ca. 30-45 Minuten vor Kontrollschluß. Hinter Soest begann der deutlich schwierigere Teil der Strecke. Hier stand zu erwarten, daß kaum nennenswerte Pufferzeit rauszufahren ist. D. h. es dürfte im weiteren Verlauf rein gar nichts mehr schief gehen. Keine Verfahrer (Kölner Raum!), keine weiteren Defekte, keine Schlafpause, keine Zwangsstopps wegen Schlechtwetter. 

So habe ich hier entschieden daß es unrealistisch ist, dieses Brevet noch im Zeitlimit absolvieren zu können und bereits nach 115 km in Cappel abgebrochen. 

Immerhin war die Unterwegsreparatur hinreichend erfolgreich, daß ich damit die ca. 45 km bis nach Hause dann noch fahren konnte. Ankunft daheim dann gegen 6:40h. 

Schade auch.

Daniel Rödding

 

 

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