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Tourname: Brevet ARA Maastricht 600 km
         
Verein: ARA Maastricht
VerfasserIn: Peter Wöhler
Datum: Mai 2007
Startort: Maastricht
Tourlänge: 600 km
Höhenmeter in M:  

 

Es ist Pfingstsonntag und ich fahre also nach Maastricht.

Ein schweres Unwetter kam schon am Samstag Abend über uns weg. Uns was gestern runter kam, kann heute nicht mehr runter kommen.

Gegen 7 Uhr treffe ich in Maastricht ein. Es regnet leicht. Der Parkplatz, der von Gabi schon mal getestet wurde scheint mir aber sehr suspekt. Dort ist wohl ne Party abgegangen. Viele Glasscherben und leere Flaschen lagen dort rum. Ob das gut gehen wird? Ich mache mir große Sorgen um die Autos, sehen aber wegen fehlender Ortskenntnis und knapper Uhrzeit keinen Ausweg, als dort stehen zu bleiben. 

Ivo ist schon voll in seinem Element, als Frank, Gabi, Kurt und ich in dem Stehcafe eintrudelten. Marius kam auch kurz darauf schon recht nass rein. Schnell trinke ich noch 2 schön starke Kaffee um wach zu werden. Nun stehen wir alle draußen und sind abfahrbereit. Ivo hält noch eine kurze Ansprache und erwähnt eine " Rote Karte " für eventuelle schnellen Fahrer, die vor XX:XX Uhr? an Kontrolle "X"? sein wollten. Dies war eine Postkarte für die "CP" Controlle Postal, welche mit Uhrzeit abgeschickt werden sollte. Nur niemand wollte sie haben, die Rote Karte. Aber verteilen wollte ich sie während der Tour gerne ein paar mal.

Es ging sofort in die vollen.

 Kaum aus Maastricht raus ging es stetig auf und nieder. Ich fühlte mich trotz des Regens sehr gut. An einem Anstieg hörte ich Kurt nur "Ja war klar" sagen und er blieb stehen. Ich dachte nur " Ja , war klar" Kurt hat beim Schalten mal wieder die Kette verloren. Das kenne ich ja nun und mache mir keinen Kopf. Er kommt schon wieder ran. Ivo und ein anderer Niederländer waren noch hinter Kurt. Als ich mich oben angekommen umschaute, meinte ich alle drei strampelnder weise zu sehen. So fuhr ich über die Kreuzung rüber und folgte Gabi. An einem Kreisverkehr - ich kontrollierte bis dahin nur den Track am GPS und las nicht mit - fuhr Gabi gerade aus. Aber der Track sollte links abdrehen. Ich konsultierte nun den Streckenplan. Es dauerte eine weile, bis ich mich zum jetzigen Standort durchgelesen hatte.. Da kam Ivo angefahren und rief mir rüber ihn zu folgen. Er bemerkte, das Kurt Schaltprobleme hat und eventuell abbrechen will. Diese Situation kannte ich noch nicht und ich war mir unschlüssig, was nun folgen sollte.

Während der weiterfahrt schloss Kurt dann aber wieder auf. Ein weiterer Anstieg folgte und es passierte, was passieren musste. Kurt hatte einen fiesen Chainsucker. Die Kette war total verdreht zwischen Kettenblatt und Kettenstrebe und völlig deformiert. Was nun folgte ist nicht für Jugendliche unter 18 Jahren freigegeben! Ivo half Kurt die Kette zu reparieren, indem er den verformten Teil der Kette mit dem Nieter entfernte. Ich steuerte ein Stück Reservekette bei, was ich mir immer in die Satteltasche packe, wenn ich eine neue Kette auf Solllänge kürze. Da kamen auch Frank und Marius vorbei gefahren, die kurz zuvor wegen Reifenschaden angehalten haben. Die Kette war nun repariert und Kurt diskutierte mit uns abzubrechen. Ich sollte mir keinen Kopf machen und weiter fahren. Ivo überredete Kurt aber zumindest bis oben rauf zu fahren. Wenn es läuft, könnte er ein Stück weiter fahren und dann einen Bahnhof aufsuchen, oder direkt von oben runterrollen lassen bis nach ???? hab es vergessen.  

Es schien zu laufen, aber die Schaltprobleme sind geblieben. Nach einem erneuten Kettenabwurf checkten wir die Schaltung erneut. Es schien nicht an der Schaltung zu liegen, sondern am Freilauf selber. Jedes mal, wenn Kurt es rollen lassen wollte konnte man sehen, wie der Zahnkranz durch irgendwas weiter drehen wollte. Somit war der oben liegende Part der Kette nun sehr locker und hing bis zur Kettenstrebe runter. Beim erneuten antreten bestand nun die Gefahr des Einklemmens.

Ein umsichtiges weiterfahren war nun von Nöten. Wir wollten gerade wieder weiter fahren, da fühlte sich mein Hinterrad plötzlich ziemlich Luftlos an. Ich kapierte nun gar nichts. Eben noch voll und nun das? Komisch ist der Reifen nun platt oder doch nicht? Luft iss doch drin. Aber warum fühlte es sich an, wie wenn ich schon kurz vorm durchschlagen wäre?

Mhhh keine Ahnung. Vielleicht war es der schlechte Asphalt dort. Ivo reichte mir seine Pumpe, die ordentlich Druck machte.

Ok kanns nun endlich los gehen? Ja. Halt Stop !!!!! Wasn nuu schon wieder? Häääääääää? Wiso blockiert jetzt das Hinterrad? Waaaaa? Wie jetzt?? Null Checkung!!! Da hab ich es gesehen. Als sich der Lenker durch das Gewicht der Lenkertasche volends zur Seite wegdrehte, hat sich der Bremszug im Doppelscheinwerfer verhakt. Dieser defekt konnte schnell beseitigt werden. So jetzt gings dann wirklich gut. Wirklich? Ich war sehr skeptisch geworden.

Schon 2,5 Stunden unterwegs und gerade knappe 50 Kilometer geschafft. Wie soll das nur weitergehen? Und wird Kurt wirklich abbrechen? Naja bis jetzt zumindest fährt er neben mir durch den Nationalpark Hocheifel. Ich dreh mich nach Ivo um. Er ist weg. Orrr nöööö wasn jetzt schon wieder? Hat er jetzt ne Panne? Ok wir machen noch mal Halt. Ich muss eh den Kaffee weg bringen. Aber Ivo kommt und kommt nicht. Na gut. Ich weiss auch nicht was los ist. Mit Kurt beschließe ich weiter zu fahren.

Die Motivation ist am Boden. Es regnet und regnet. Es ist zum Teil neblig und sau kalt.Auf irgend einer Kuppe machen wir eine NORMALE Pause. Es läuft nicht rund. Ich würge einen Riegel runter und ziehe mir nun die Knielinge und sämtliche Jacken, die ich mit habe über. Da kommt Ivo und von nun an fahren wir zu dritt weiter. In St. Vith ist die erste Kontrolle.

Ich futtere mir ne Pommes mit Majo und trinke einen Kaffee. Die warme Nahrungszufuhr kommt genau richtig bei dem Wetter. Ivo bekundete uns, das er kein guter Bergfahrer sei und wir beschlossen von nun an unser Tempo zu fahren. Eine herrliche Landschaft folgte nun. Ich habe mich echt in die Ardennen verliebt. Der Nachmittag wurde wärmer. Es trocknete ab und die Sonne kam sogar raus. Wir fuhren mittlerweile durch Luxemburg. Die Zeit verging wie im Laufschritt, aber Kilometer kamen einfach keine zusammen.
Ich war froh, Trier noch im hellen zu erreichen. Kurt war immerhin noch bei mir. Die Technik schien doch noch zu halten. Wenn auch ab und an mit einigen Problemchen der Kettenspannung. Nun machten wir uns Nachtfein.

Seit der vierten Kontrolle fuhr ich mit Ivo und Kurt zusammen. Wir fuhren nun schon einige Stunden im dunklen und die Müdigkeit bei mir nahm extrem zu. Da kam endlich eine Bushaltestelle. Ich beschloss eine halbe Stunde zu schlafen und stellte den Handywecker.

Kurt verweilte währenddessen bei mir, obwohl er nicht müde war und hätte weiter fahren können. Nach der halben Stunde war ich nicht wirklich ausgeschlafen, aber es konnte weiter gehen. Einige Zeit später ging aber wieder nichts und ich entdeckte einen Tunnel ab Straßenrand. Noch mal eine halbe Stunde wollte ich mir gönnen. Das Zeitfenster hatten wir dabei ständig im Auge behalten. Seit der Reparatur bewegten wir uns eh immer kurz vorm Limit. Ich schlummerte noch, als Kurt Ivo vorbei fahren sah.

Ich glaubte ihm aber nicht und traute ihm schon eine Halluzination zu, die sich aber nach sofortiger weiterfahrt schnell als falsch erwies. Da vorne stand Ivo am einem Geländer an der Mosel und zog sich nen Energie Drink rein. Gute Idee. Ich hab ja auch noch 2 Dosen mit. Aber die sollten es auch nicht bringen.  

Ich muss während der fahrt eingenickt sein. Kurz vorm Aufprall im Winkel von 20° mit der Bordsteinkante wachte ich auf, um den Sturz in voller Länge mitzubekommen. Scheiße jetzt war ich wach. Was macht mein Rad? Mhhh Schalthebel völlig verdreckt und kaum Schaltbar. Ließ sich aber durch sorgfältiges Reinigen wieder beheben. Das Schaltwerk war leicht schief. Egal es konnte gerichtet werden. Der Helm, wie konnte es anders sein.....wieder einer hinüber. Ein Steg war gebrochen und der Kinnriemen lies sich nicht mehr korrekt justieren, aber ich konnte damit noch weiter fahren. ts tstst ts 

So Schluss aus. Was geht hier eigentlich ab? Ich hab die Schnauze voll. Ich brech ab. Es geht doch eh kaum voran. Diese Gedanken schwirrten in meinem Kopf umher. Aber durch den enormen Adrenalin Schub war ich ja jetzt mehr als hell wach. Außerdem wurde es auch in der Realität hell. Der morgen brach herein und meine Schläfrigkeit war nun vorbei. Ach so. Das Wetter in der Nacht war trocken und das Scheinwerferlicht kam auf dem Asphalt voll zur Geltung. Dagegen fing es nun wieder an zu regnen. Pünktlich an der Kontrolle in Koblenz. Dort sahen wir Ivo nun auch zum letzten mal. Ich Bad Breisig war dann Schluss mit flach fahren.

Es ging zurück in die Eifel. Endlich Heim. 200 hüglige Kilometer, dazu 200 flache waren absolviert. Nun noch mal 200 hüglig. Es war kein Zucker schlecken mehr. Mittlerweile in Euskirchen angelangt verließen Kurt und ich die Strecke für einen kleinen Besuch im Mc Doof. Irgendwann zwischen Nideggen und der letzten Kontrolle holte nun auch Kurt der Mann mit dem Schlafpulver ein. Eine erneute Schlafpause von 15 Minuten folgte. Elenl langsam zählte der Tacho Kilometer für Kilometer zusammen. Es wurde schon wieder dunkel und mir wurde klar, das Maastricht um 24 Uhr zu erreichen echt knapp werden könnte. Hatte ich doch am Anfang noch mit Ankunft gegen 16 bis 18 Uhr geglaubt. Die vielen Zwischenstops zollten nun ihren Tribut. Ein weiterer großer Anteil sollte wohl aber auch die Topographie bekommen. Ganz knapp vor Maastricht standen wir plötzlich mitten vor einem morastigen Feldweg.

Wir sind bis hier hin nur nach Track gefahren. Aber da verließen sie uns. Der angebliche Radweg war hier nicht vorhanden. Da es aber Stockfinster war, überredete ich Kurt aber trotzdem ein Stück hinein zu fahren. Vielleich ist es auch nur ein ganz kurzes schlechtes Stück. Und die Brücke, die über den Kanal geht ist ja da vorne. Laut GPS.

Nun es ging im Schritttempo den Weg entlang. Bis wir auf einmal in einer Sackgasse standen. Über uns die Brücke. Nun wir befanden uns wohl in einer für das GPS schlecht orientierbaren Gegend. Dazu stellte sich die Karte ständig auf den Kopf, da ich die Kompassfunktion abgeschaltet hatte. Die Positionsbestimmung war ebenfalls nicht gerade berauschend. Irgendwie hatten wir jetzt gar keinen Bock mehr. Kurt war stinkig, weil ich ihn in den Weg rein geschickt habe. Die Räder waren eingesaut. Meine Schuhplatten wollten kaum noch in die Pedale. Irgendwie haben wir aber wieder heraus gefunden und über übelste Kopfsteinpflasterstraßen wieder auf den rechten Weg gefunden. Das ganze hat uns auch noch einiges an Zeit gekostet, so das wir dann kurz vor 24 Uhr endlich wieder am Start/Ziel waren.

Wir haben nur die Stempelkarten abgegeben und uns sofort zu den Autos begeben. Ich musste ja schließlich heute um 14 Uhr wieder zu arbeit. Die Autos waren trotz meines Bedenkens in Ordnung.

Auf dem Heimweg legte ich noch eine Stunde Schlafpause auf einem Autobahnparkplatz ein.

Um Nulldreihundert war ich endlich daheim. 

Soll ich echt noch Wachtendonk fahren? Da sind ja 2 Nachtfahrten drin enthalten mhhhhhhh

Wenn, dann nur wenn's echt warm und trocken ist. 

Peter Wöhler

einen weiteren Bericht zu diesem Brevet gibt es von Frank

 

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