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Brevet Enschde Korbach Enschede 600 km
 

Tourname: Brevet Enschede 600 km
         
Verein: ARA Enschede
VerfasserIn: Astrid Muth
Datum: April 2003
Startort: Enschede
Tourlänge: 600 km
Höhenmeter in M:  4500 Meter

 

Ein kleiner, aber doch nicht kurzer Bericht über das 600er Brevet Enschede - Korbach - Enschede am 24.+25.5.2003 von Astrid

Dieses Jahr bin ich irgendwie auf die Brevets gestoßen, die von den Randonneuren weltweit angeboten werden. Einige wenige gibt es übrigens auch im BDR-Kalender als Punktefahrten. So bin ich dann über die 200er, 300er und 400er an die 600er gekommen, die auch gleichzeitig als Qualifikationen für die 1200km Paris-Brest-Paris dienen. Es hat mich gereizt mitzufahren, da ich gerne auf diese spielerische Art und Weise meine Grenzen erweitere. Da die 300er ganz gut ging und ich auf der 400er auch schon das Nachtfahren kennen gelernt und meine Ausrüstung, wie Licht und Gepäck ausprobiert hatte, wollte ich nun auch gerne die 600er fahren.

Bei der 400er hatte ich schon festgestellt, dass das Nachtfahren gar nicht so schlimm ist wie befürchtet. Bei flacher Strecke ist es sogar ganz angenehm, da nachts so gut wie kein Verkehr ist und man nicht ganz so aufpassen muss, wenn man zeitweise vielleicht die gesamte Spurbreite braucht, da sich die Müdigkeit doch bemerkbar macht.

 

Die 600er Tour führt von Enschede über Vreden-Mariaveen-Merfeld-Werl-Meschede-Schmalenberg-Bad Berleburg-Korbach-Brilon-Oelde-Münster-Ochtrup wieder nach Enschede.

Samstag morgen um 8 Uhr geht es also los und pünktlich mit dem Start fängt es an zu regnen und zwar richtig. Wie fast immer fahren mir gleich zu Anfang alle weg. Schon nach 2 Minuten habe ich sie aus den Augen verloren und ich weis nicht mehr wo es lang geht. Das sind die Tücken bei diesen Touren, die mir sehr zu schaffen machen und ich bin gleich am Fluchen. Glücklicherweise kommt noch jemand von hinten, der offensichtlich zu spät gestartet ist und zeigt mir den Weg. Mitfahren kann ich auch hier nicht, denn auch er ist mir zu schnell. So verfahre ich mich dann nach kurzer Zeit und muss mir mit meiner mitgebrachten Karte weiterhelfen. Zur Erklärung: diese Touren werden wie die Permanenten gefahren, also mit Wegbeschreibung vom Veranstalter, ohne Beschilderung.

Mit suchen, durchfragen und auf Verdacht gelingt es mir dann nach 90km wieder auf die Strecke zu kommen. Ich komme an einer Kreuzung an und 3 Liegeradfahrer mit Gepäck kommen von rechts. Da denke ich, die können nur von der Tour sein und fahre ihnen hinterher. So komme ich wieder auf die Strecke. Verpflegung gibt es unterwegs meist an Tankstellen, die auch die Kontrollstellen sind. Kontrollen gibt es ca. alle 100km. Das ist ausreichend um die Flaschen wieder aufzufüllen. Wie gesagt, es regnet, ich verfahre mich, flucht und fragt mich, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, dass ich hier mitfahre. Ich habe einen Schlafsack dabei, den ich unter diesen Umständen erstmal versuche loszuwerden, denn auch wenig Gepäck merkt man beim Treten deutlich. In der Tankstelle in Herbern kann ich ihn abgeben, da liegt er immer noch. Unterwegs treffe ich immer wieder auf  andere FahreInnen. Sie scheinen am Anfang so schnell zu fahren, weil sie schon mal die Zeit für die langen Pausen zwischendurch rausholen wollen. 

Es ist kein Problem sich auch ohne Startnummern sofort aufgrund der Räder mit entsprechender Ausrüstung zu erkennen. Außerdem sieht man unterwegs überall Fahrräder stehen an Gaststätten und ähnlichem. Nach circa 150km fängt es an hügelig zu werden. Leider ist der bergige Teil der Tour in der Nacht, was das Fahren sehr anstrengend macht aufgrund der Abfahrten, die mit fortgeschrittener Stunde und absoluter Dunkelheit immer anstrengender werden. Außerdem habe ich mich mal wieder verfahren, wie sich später 'rausstellte aber wenigstens zu meinen Gunsten. Auf diesem Streckenabschnitt fühle ich mich besonders Unwohl, weil klar ist, dass ich zwar alleine unterwegs bin, aber eben doch für die seltenen Autofahrer als Frau zu erkennen und mir fällt eine Freundin ein, die in so einer Situation nachts mit dem Auto unterwegs war und vergewaltigt wurde. 

Unterwegs komme ich dann an eine Steigung, an der ich absteigen muss. Ich kann nicht einmal sehen, ob sie tatsächlich so steil ist oder ob ich nach ca. 300km einfach nur fertig bin. Ich hoffe nur, dass die Steigung nicht noch einige Kilometer lang ist, was natürlich auch nicht zu erkennen war. Glücklicherweise brauche ich nicht so lange laufen bis ich oben ankomme. Die PC-Auswertung ergibt im Nachhinein 15% Steigung auf 1,5km. Irgendwann gelingt es mir wieder auf die Strecke zu kommen und ich treffe einige andere Fahrer. Nicht alleine zu fahren ist zwar abwechslungsreicher, aber auch anstrengender. Denn sobald ich nicht hinten bleibe, fühlen sich die Herrschaften scheinbar provoziert und meinen, sie müssten unbedingt nach vorne fahren und noch einen Zahn zulegen. Wir erreichen nach einigem Suchen die Kontrolle in Korbach und ich fahre alleine weiter. Die anderen finden es scheinbar unheimlich erholsam sich gegenüber den stinkigen Zapfsäulen auszuruhen. Unterwegs sehe ich immer wieder Fahrer. 

Einer liegt irgendwann in einem Bushaltestellenhäuschen zum Schlafen. Endlich wird es morgen, was ich mir so sehr gewünscht habe, aber es wollte leider gar nicht hell werden, sondern fängt, wie auch bei der 400er Tour an zu regnen. Besser gesagt, es gießt richtig und damit wird es sehr kalt. Auf den zum Teil sehr langen Abfahrten fror ich trotz Wintersachen erbärmlich. Nach 24 Stunden kam ich um 8 Uhr morgens in Oelde an der letzten Kontrolle an. 2 Fahrer fahren gerade los, sonst sehe ich bis kurz vor Enschede niemanden mehr. Die letzten 100km sind teils sonnig und flach, aber da inzwischen alles zwickt und piekt und auch das ständige Aufstehen aus dem Sattel nichts mehr nützt, geht es nur darum jetzt irgendwie weiterzufahren und anzukommen, so hangele ich mich von Kilometer zu Kilometer. Glücklicherweise ist es flach, denn Steigungen kann ich jetzt nicht mehr gebrauchen und auch der Wind hält sich in Grenzen. Gegen 13.30 Uhr bin ich dann endlich in Enschede. 

Dort muss ich lange auf Hermann warten, der mich abholen will. Wir haben beide nicht damit gerechnet, dass ich so früh wieder zurück sein würde. Nach so einer Tour noch Auto zu fahren ist äußerst gefährlich. Das haben wir schon nach der 400er gemerkt, die wir zusammen gefahren waren und lange gebraucht haben, bis wir zu Hause waren. Im Auto schläft man wesentlich schneller ein, als auf dem Rad. Auch haben wir auf der Hinfahrt nach Enschede am Morgen schon einen tödlichen Unfall gesehen. Als wir am Abend losfahren, sind ca. 1/3 der 71 Gestarteten noch immer nicht im Ziel. Komisch, wo die mir doch gleich zu Anfang schon alle weggefahren sind. Ich würde gerne Paris-Brest-Paris fahren, doch leider konnte ich mich nicht dafür qualifizieren, da mir schon bei den beiden 200ern am Anfang jeweils ein Kontrollstempel gefehlt hat. Schade, die Tour hätte doch um einiges angenehmer sein können, wenn der Regen gefehlt hätte. Das Wetter muss wohl jemand bestellt haben, der uns ärgern wollte.

Tourdaten: Distanz 600km-4500Höhenmeter-29,5Stunden Fahrtzeit

Ich wollte doch eigentlich nur kurz was schreiben....

 Astrid

leider hat der HAC bei KM 475 abgeschaltet

 

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