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Tourname: Brevet ARA Niederrhein 400 km
         
Verein: ARA Niederrhein
VerfasserIn: Vlamenko
Datum: März 2007
Startort: Wachtendonk
Tourlänge: 400 km
Höhenmeter in M:  

 

Noch ein Bericht:

Um 3 Uhr ging der Radiowecker an. Gerade aus dem Tiefschlaf gerissen, war der erste Gedanke: hoffentlich nicht verschlafen. Nachdem der Kopf in der Realität angekommen war, folgte die übliche Routine: Morgentoilette, etwas frühstücken (ja, ich habe das Gefühl etwas essen zu müssen nach dem Aufstehen, egal zu welcher Uhrzeit), die restlichen Klamotten und reichlich Proviant und Getränke für unterwegs einpacken und losfahren.

Gegen 6 Uhr kam ich in Wachtendonk an. Dort konnte ich Kurt aus dem Forum begrüßen, der wohl auch gerade angekommen war. Kurz danach trafen Thomas aus Frankfurt und Lutz aus Gießen ein, die ich schon von früheren Brevets, u.a. in Jesberg kannte. Wir drei verabredeten zusammenzubleiben, wenn es die Umstände erlauben sollten. Ich hatte zwar einige Bedenken, weil ich die beiden doch stärker einschätzte als mich, aber versuchen kann man es ja mal. 

Nach dem Start fanden wir uns bald im hinteren Teil des Feldes wieder. Die Gruppe war allerdings für meinen Geschmack zu groß und zu unruhig. Und so kam es bei einer an sich unproblematischen Stelle wohl wegen eines Abbiegeversuchs, wo lt. Streckenplan gar nicht abgebogen werden sollte, zu einem leichten Sturz mehrerer Fahrer. Das ganze verlief zum Glück glimpflich. Wenige Kilometer später war sich die Gruppe uneins über den richtigen Weg. Thomas, Lutz und ich beschlossen der Wegbeschreibung zu folgen, die an der Stelle eigentlich eindeutig war, was sich auch als richtig herausstellen sollte. 

Nach dem Grenzübertritt in die Niederlande kamen wir bald zur ersten Kontrolle an der Tankstelle in Simpelveld, die ich schon von einem früheren Brevet kannte. Damals waren wir allerdings in umgekehrter Richtung unterwegs. Nach Stempeln, Essen und Trinken wurde die Kleiderordnung auf Sommer umgestellt. Anschließend fuhren wir drei weiter und mischten uns bald in die Massenveranstaltung Amstel-Gold-Race. Ich denke, dass wir an den Anstiegen im Vergleich zu den Jedermännern keine schlechte Figur abgegeben haben.

Hinter Eupen ging es in Richtung Spa zunächst auf breiter Straße mit rauhem Asphalt langgezogen bergauf. Hier zeigte sich, dass Thomas an diesem Tag wohl der stärkste am Berg ist. Bei der folgenden Abfahrt übersah ich ein Schlagloch und durch den Schlag brach die Halterung meiner Gepäcktasche. Zum Glück kam keiner der nachfolgenden zum Sturz, das hätte böse ausgehen können. Nachdem alles mit Kabelbindern fixiert war, konnten wir die Fahrt fortsetzen und uns schließlich durch den Verkehr in Spa wursteln. Bei den beiden folgenden Cols fuhr ich mein Tempo, was leider nicht ganz dem meiner Begleiter entsprach, d.h. sie mussten oben auf mich warten. 

An der Kontrolle in Remouchamps hielten wir uns nicht lange auf und fuhren weiter, hinein ins Tal der Amblève. An einem Zwischenanstieg nach Stoumont warteten meine zwei Begleiter wieder einmal auf mich. Meine Aufforderung, sie sollten ihr Tempo weiterfahren, ich würde schon alleine klarkommen, wurde kategorisch abgelehnt. An dieser Stelle noch einmal Danke ihr beiden. Ich kann es halt schlecht ertragen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich Leute aufhalte, die schneller sein könnten. 

Die Abzweigung nach Wanne und zum Eddy-Denkmal fanden wir erst nach Studium einer mitgenommenen Michelinkarte, die Streckenbeschreibung war hier, vorsichtig ausgedrückt, etwas ungenau, ebenso wie am Denkmal selbst, wo der Hinweis "weiter geradeaus" eben für beide Wege gelten kann. Nach Fotostop und Beantwortung der Frage in der Kontrollkarte nahmen wir zum Glück den richtigen Weg. Leider war die Abfahrt viel zu steil und der Weg zu schlecht, um das ganze genießen zu können. 

Bis zur Kontrolle in Schoenberg haben wir uns dann doch noch einmal kurz verfranst. Es wäre halt schon hilfreich, wenn bei Weggabelungen hin und wieder ein zusätzlicher Hinweis gemacht würde. Bei der Art der Wegbeschreibung der Brevets in Wachtendonk besteht ja das grundsätzliche Problem, dass man von Abzweigung zu Abzweigung gelotst wird, ohne dass Orte angegeben sind, die durchfahren werden. Es gibt lediglich Richtungsangaben, was aber nicht zwangsläufig heißt, dass man tatsächlich durch diesen Ort kommt. Daraus folgt, dass es schwierig ist, den richtigen Weg wieder zu finden, wenn man ihn einmal verloren hat. Eine gelegentliche Angabe wie "in Ort XY bei km xxx,x links ab in Richtung YZ" würde erheblich zur Sicherheit beitragen. Diese Schwierigkeiten sollten noch im Laufe der folgenden Nacht zu einem Zeitverlust führen.

Aber zunächst war erst einmal eine Rast bei der Kontrolle in Schoenberg angesagt. Nach einem Kaffee und einem Teller Spaghetti gelüstete es mich noch nach einer Currywurst und einem alkoholfreien Bier. Inzwischen trafen nach und nach weitere Mitfahrer ein, die alle vor der Nacht hier noch eine Rast einlegten. 

Nachdem die Kleiderordnung wieder von Sommer auf Winter umgestellt war, ging es in die anbrechende und zunehmend kalte Nacht. Beim Aufbruch traf gerade die größere Gruppe um Peter und Kurt ein. Nach dem Anstieg auf die Eifelhöhen ging es in sternenklarer Nacht an der deutsch-belgischen Grenze entlang, bevor die kalte Abfahrt nach Schleiden begann. Der Autoverkehr dort oben war zu vernachlässigen, es war einfach eine wunderschöne Fahrt. 

In Schleiden hielten wir uns an der Tankstelle nicht lange auf. Nach dem Stempeln und Ergänzen der Vorräte, ging es gleich weiter. Ab hier war mir die Strecke aus einem früheren Brevet in Erinnerung, allerdings wieder in umgekehrter Richtung. Daher wusste ich, dass ab Gemünd ein längerer Anstieg und dann eine lange Abfahrt nach Heimbach folgt. Die Abfahrt ließ sich dank E6 und SON sehr schön fahren. Der letzte nennenswerte Anstieg nach Nideggen wurde auch noch bewältigt, und jetzt sollte es eigentlich problemlos ins Ziel gehen. Leider haben wir in Düren eine falsche Abzweigung genommen. Bis wir dann merkten, dass wir falsch sind, waren wir so weit gefahren, dass wir nicht den ganzen Weg zurückfahren wollten. Ein Taxifahrer gab uns den Tipp, wie wir fahren sollten. Irgendwann waren wir wieder auf der richtigen Strecke, ohne dass wir dafür eine Gewissheit, z.B. durch eine im Streckenplan angegebene Ortsdurchfahrt gehabt hätten. Erst als wir an einem Kreisverkehr auf eine dort haltende Gruppe auffuhren, konnten wir uns neu orientieren. Diese ganze Sucherei hat uns sicherlich eine halbe Stunde Zeit gekostet, nachts in der Kälte verbunden mit der Ungewissheit, ob man richtig fährt, kein angenehmes Gefühl. Diese Gruppe, der wir uns anschlossen, fuhr für meinen Geschmack und den von Lutz zu unrhythmisch: vorne wurde ein Tempo vorgegeben, das mir einen Tick zu schnell war. Dann musste wieder gewartet werden, weil ein Mitfahrer Probleme hatte, mitzukommen. Bei einem Stopp an der geöffneten Tankstelle in Erkelenz beschlossen Lutz und ich, unseren gewohnten Stiefel, sprich unser konstantes Wohlfühltempo weiterzufahren. Thomas, der nach wie vor einen starken Eindruck machte, fuhr ab hier mit der Gruppe mit. 

Zu zweit machten wir uns auf den letzten Abschnitt. An einer roten Ampel mitten in der Pampa stoppte vor uns ein Polizeiauto. Zum Glück waren wir an der Stelle gerade brav gewesen und waren stehen geblieben. Der Polizist und seine Kollegin wollten wissen, was denn in dieser Nacht wir und die ganzen anderen Radfahrer auf den Straßen machen. Unsere Erklärung rief zunächst ungläubiges Staunen hervor. Nach ein paar Minuten verabschiedeten sich die beiden. Sie werden wohl beim Schichtwechsel in ihrer Dienststelle einiges zu erzählen gehabt haben. Nach einigen weiteren Kilometern fuhren wir wieder auf die Gruppe auf, die vor uns die Tankstelle verlassen hatte. Als wir ankamen, brachen sie gerade von einem Zwischenstopp auf und wir schlossen uns an. An einer der folgenden Abzweigungen wurde vom Führenden der Streckenplan falsch gelesen, was Lutz, Thomas und ich eindeutig erkannten. Dennoch fuhr die Gruppe unbeirrt weiter, so dass wir ab hier wieder als Dreiergruppe bis zur letzten Kontrolle unterwegs waren. Wir trafen dort kurz vor 6 Uhr ein. Als ich die warmen Würstchen an der Theke sah, konnte ich nicht widerstehen, die paar Minuten für einen kleinen Imbiss mussten sein. 

Nach der Ankunft in Wachtendonk wartete ein prächtiges Frühstücksbüffet auf uns, einschließlich frisch zubereitetem Rührei. Nach und nach trafen weitere Randonneure ein. Nach ausgiebiger Stärkung ging es auf die 240km lange Heimfahrt. Zum Glück war der Verkehr am Morgen nicht allzu stark. Zwischen Köln und Olpe musste ich aber dennoch einen Parkplatz anfahren und ein kurzes Nickerchen halten, bevor ich die Heimfahrt fortsetzen konnte. 

Abschließend noch einige Anmerkungen: 

Verpflegung: abgesehen vom Abendessen in Schoenberg, hatte ich genügend Verpflegung an Bord und brauchte nichts nachkaufen (das Würstchen in Aldekerk war mehr eine Art Belohnung als wirklicher Bedarf). Ich schleppe lieber etwas mehr mit, um mein gewohntes Essen zu haben, bevor ich mich auf das verlasse, was es an einer Tanke oder sonst wo gerade gibt. Das gleiche gilt für Getränke. Ich hatte 2,5 Liter Wasser und ca. 1 Liter Apfelsaft mit. Das war an Getränken für mich unterwegs genug. Den Liter Wasser, den ich in Schleiden sicherheitshalber nachgekauft habe, hätte ich nicht gebraucht. Zusätzlich gab es unterwegs noch 2 Tassen Kaffee und ein kleines Alk-freies Bier. 

Fahrstil: ich bevorzuge einen stetigen, gleichmäßigen Fahrstil. Nach der Endphase des 300k-Brevets in Wachtendonk, wo anscheinend einige mit zunehmendem Stallgeruch das Tempo meinten erhöhen zu müssen, hatte ich beschlossen mein Tempo konsequent zu fahren, was weitgehend gelungen ist. Ich hatte nach der Ankunft das Gefühl noch weiterfahren zu können. 

Nachtfahrt: wie schon in den Vorjahren habe ich auch diesmal festgestellt, dass mir der Schlafmangel keine großen Probleme macht, ein beruhigendes Gefühl für noch längere Strecken.

Vlamenko

 

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