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Tourname: Brevet 400 km Wachtendonk           
Verein: ARA-Niederrhein
VerfasserIn: Frank Hartfeld
Datum: 2007
Startort: Wachtendonk
Tourlänge: 400 km
Höhenmeter in M:  

 
Kurz nach 6:00 Uhr treffe ich in Wachtendonk ein, um für mich neue Dimensionen zu eröffnen: Dies ist nach der 300er-Premiere vor 2 Wochen mit Abstand die längste Tour, die ich je in Angriff genommen habe. 

Die Anmeldeprozedur inkl. Kaffee und Kucken ist inzwischen vertraut und langsam trudeln auch die anderen Teilnehmer ein, darunter die Forummisten Jedrik, Bergfloh, Passadore und Fiets (den ich erst später im „Gespräch“ ohne sein Piraten-Outfit erkannt habe). 

Um 7:00 Uhr fiel dann der Startschuss und es ging diesmal ab in Richtung Süden.

Schon nach einigen Kilometer hat sich die schnelle Truppe vom Grupetto getrennt, in das ich mich auch einreihte. In dieser Gruppe befanden sich ca. 25 Teilnehmer, die auch bis zur ersten Kontrolle in Simpelfeld zusammen bleiben sollte. Zwischendurch gab es den ersten Verfahrer bei Wegberg, der auf meine Kappe ging. Irgendwie wollte jedoch zunächst keiner an die Spitze, um den Lotsen zu geben, so dass man sich immer wieder mal vorne wiederfand.

Bei Merbeck (Kilometer 39,5) konnte ich mich aber auch mal hinten einreihen, als Unstimmigkeiten in der Streckenführung zum unerwarteten Abbiegen nach links führten – was zum Rappeln im folgenden Feld führte. Glücklicherweise hatte dies keine ernsthaften Folgen. Nach Geilenkirchen war noch ein größerer Pitstop angesagt – dann ging es über die Grenze in die Niederlande. Bei Kerkrade gab es da noch eine üblere Aktionen zu verfolgen: In einer engen Straße musste ein Autofahrer unbedingt an der Gruppe vorbei und drängte einen Radler an eine Mauer. Auch hier kann man von Glück sagen, dass es keine ernsthafteren Folgen zu beklagen gab. Es folgte danach noch eine kleinere Zwangspause – ein lauter Knall kündigte den Platten eines Mitfahrers an. 

Nach der ersten Kontrolle setzten sich die ersten von der Gruppe ab – es war Ihnen wohl zu unruhig. Bei Vijlen gab es ein besonderes Highlight der Runde mitzunehmen; auf einmal kamen uns reihenweise Rennradler entgegen. Es handelte sich um die Jedermann-Variante des AmstelGold-Race! Während sich zunächst noch die Anzahl der Radler im Maßen hielt, wurde es an der nächsten Kreuzung fast schon kriminell:

In waren Strömen schossen Radler von einer Abfahrt in die folgende Kreuzung und wir mussten uns irgendwie in dem Strom einreihen und mitfahren, denn unsere Strecke war für die nächsten 2 km identisch mit der Jedermann-Runde. Hier galt es gemeinsam mit dem Feld zwei Kuppen zu erklimmen, wobei es schon interessant zu sehen war, dass wir mit unseren voll bepackten Rädern doch eine Reihe Jedermänner locker am Berg stehen ließen. War schon etwas motivierend, obwohl diese (fairerweise) ja sicherlich auch schon einige Hügel hinter sich gehabt haben sollten. Aber auch wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon 100 Kilometer hinter uns gebracht. 

Kurz hinter der belgischen Grenze verließen wir die AGR-Strecke in Gemmenich. Hier trennte sich auch mein Weg von der großen Brevet-Gruppe. Ich folgte der Wegbeschreibung und sah auch noch Jedrik vor mir. Also nach ein paar hundert Metern 2-3 Minuten gewartet; die Gruppe wird ja bald kommen. Als dann niemand nachkam – ich war mir sicher, dass der Weg stimmt – also alleine weiter und auf Jedrik aufschließen.  

So fuhren wir dann nur zu zweit weiter bis zur 2. Kontrolle in Remouchamps. Ich muss sagen, dass ich dies auch angenehmer fand, da ich mich in großen Gruppen nie so wohl fühle, aber auch mehr Luft für Fotostops etc. besteht, ohne die Gefahr, gleich einen ganze Gruppe zu sprengen.  

Ab nun ging es immer weiter in Richtung Ardennen und man konnte den herrlichen Frühlingstag in den wunderschönen Ardennen genießen, wenn nicht andauernd diese Anstiege gewesen wären... Die Durchfahrt durch Spa war mithin das unangenehmste an diesem Tag, da es doch reichlich Kfz-Verkehr gab. Nach Spa gab es dann wieder wunderschöne Landschaft gewürzt mit schönen Anstiegen auf den Col du Maquisard und Col de Hauteregard zu genießen.  

Wir hatten schon unser erstes Eis in Remouchamps verspeist, als der große Trupp einlief. Zusammen ging es dann noch rüber zu einer Kneipe, wo wir jedoch nur noch einen Milchkaffee tranken und uns wieder zu zweit auf den Weg machten.  

Hier wurden die Straßen immer ruhiger und man konnte nun das Tal der Amblève genießen. Der Abzweig nach Wanne hinter den Cascada de Coo war schwer zu finden, jedoch hatte Jedrik ja Ihren Track. (In der Anleitung stand 0,6 km nach Cascada de Coo, es waren aber 3,3 km ) An dieser Stelle war dieser Track wohl die Rettung aus der Verwirrung für Ingo (aus Duisburg), Ben und Peter (aus Holland), die sich ab nun uns anschlossen.  

Am Eddie Merckx-Denkmal wurden dann die obligatorischen Fotos gemacht, jedoch bogen wir auf die linke Seite ab (hier wäre ein „rechts weiter“, anstatt „geradeaus weiter“ eindeutiger gewesen). Dafür wurde uns eine Abfahrt geboten, die es in sich hatte – und hier fahren die Profis hoch !  

So kamen wir in das Städtchen Stavelot, wo wir einige landestypische Pavés geboten bekamen. Aber wir konnten uns auch in einem Supermarkt „auftanken“. Nachdem wir festgestellt hatten, dass es doch nicht so bald eine Brücke flussaufwärts gab, ging es zurück und wieder auf die ausgeschriebene Strecke durch die herrliche Hügellandschaft der Ardennen in der beginnenden Abendsonne. 

Kurz vor 20:00 Uhr erreichten wir die Kontrolle in Schönberg, wo wir einen größeren Verpflegungstop von 45 Minuten einlegten. 15 Minuten bevor wir wieder aufbrachen, kam auch die große Gruppe mit Bergfloh und Passadore rein. Wir wollten dann doch wieder weiter und verließen die Gesellschaft und machten uns und die Räder für die einbrechende Nacht fertig. Zur Nacht hin wurde es immer ruhiger und unser Trupp zerfiel immer mehr. Irgendwann sagte uns Jedrik, dass wir nicht auf sie warten und ohne sie weiter fahren sollten. Sie wollte ihr eigenes Tempo fahren.

Danach waren Ingo und Peter immer weiter weg und Ben hinter mir. So war ich zwischen Losheimer Graben und Schleiden alleine auf der Strecke, was eine ganz besondere Atmosphäre ergab: Es gab nahezu keinen Autoverkehr und es kehrte tiefe Stille ein. Der Himmel war sternenklar – eine ganz intensive Stimmung! Nur bedeutet sternklar auch KALT. Zum Glück hatte ich am Vortag noch eine dichte Windjacke eingepackt. Trotz Gamaschen froren jedoch die Zehen leicht an – ein altes Problem. Während es auf den Höhen so 6-7 Grad waren, wurde es nach der Abfahrt in Hellental ins Oleftal deutlich kälter – kalte Luft sinkt ab. Zusätzlich wurde die Luft feuchter, was den Kälteeindruck verstärkte.  

In Schleiden kam ich 22:30 an. Hier machte gerade die Tankstelle (= Kontrolle) zu. Ich bekam noch gerade den Stempel, eine Flasche Wasser und eine Cola. Kurz vor Toresschluss traf auch der Rest der Gruppe ein. Ich hatte Ingo und Peter im Verdacht gehabt, die Tankstelle wegen einer Umleitung, die die Beschreibung „aushebelte“, verpasst zu haben, jedoch hatte sich Peter nur in einer Bank mit Geld versorgt. Sie bekamen noch gerade den Stempel – dann war die Tankstelle dicht. Gemeinsam ging es jetzt bis Gemünd. Hier ging es jedoch erneut rauf auf die Eifelhöhen und die Gruppe zerlegte sich erneut. So war ich bald wieder allein unterwegs. Die Abfahrt über die Serpentinen nach Heimbach war dann ein ganz besonderes Erlebnis – zum Glück hatte ich ja GPS und wüsste schon vorher, wann wieder eine Spitzkehre kam!

Ohne diese Hilfe war dies sicherlich eine höhere Herausforderung.  Entlang der Rur ging es nun nach Abenden und der letzte größere Anstieg nach Niedeggen stand an. Hier versammelte sich auch wieder die Gruppe – nur Jedrik war nicht mehr gesehen. Wie sich später herausstellte, hatte sie eine Schlafpause eingelegt. Wir fuhren dann auch weiter – jetzt kam nur noch die vermeintlich leichten letzten 100 Kilometer durch die flache Zülpicher Börde und den Niederrhein. So tuckerten wir über verwaiste Straßen via Düren weiter an Jülich und dem Tagebau vorbei.

Hier kamen meine schlimmsten Momente – die wohl irgendwie jeder hatte: Unendliche Müdigkeit in der Zeit zwischen 3:00 und 5:00 Uhr. Gelesen hatte ich davon – jetzt war sie da... Oh – ich will nicht mehr ...  

An irgendeinem Kreisverkehr warteten wir auf Ben – da kamen drei weitere Fahrer hinzu und wir fuhren eine längere Strecke zusammen. In Erkelenz sehe ich dann eine Fata Morgana: Eine offene Tanke!!! Sicherlich eine interessante Abwechslung für den Tankwart ... Kaffee (!) und andere Versorgungsgüter wechselten den Besitzer, jedoch richtige Erfrischung wollte sich weiterhin bei mir nicht einstellen.  

Müde ...  

Wir passierten und kreuzten bei Wegberg jetzt die Strecke vom Vortag und es ging irgendwie immer weiter. In Viersen dann eine weiterer Verfahrer von mir – eine Zeile zu weit gelesen. Der 3er-Trupp war wieder weg – aber endlich deutete sich (um 5:00 Uhr!) die Morgenröte an.  

Die Müdigkeit wurde damit auch etwas verdrängt, und wirklich, um 6:00 Uhr trafen wir an der letzten Kontrolle in Aldekerk ein. Schnell den Stempel und weiter nach Wachtendonk. Den 3er-Trupp „fing“ ich noch mit Ingo ab und wir rollten dann um 6:30 im Ziel ein.  

Das abschließende Frühstück war opulent !

Jedrik traf auch nur 15 Minuten später ein und so war unsere Gruppe wieder komplett. Vereinzelt trafen noch andere Fahrer ein – die große Gruppe mit Bergfloh und Passadore sah ich jedoch nicht mehr.  

Nach der Tour habe ich mir nur gedacht – die 600er: Niemals!  

Und jetzt – nur einen Tag später: Schaun mer mal Augenzwinkern

 

Frank Hartfeld

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