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Tourname: Brevet ARA Weserbergland 300 km
          
Verein: ARA Weserbergland
VerfasserIn: Daniel Rödding
Datum: April 2007
Startort: Großenwieden (Hessisch Oldendorf)
Tourlänge: 300 km
Höhenmeter in M:  

 

Da der Starttermin morgens um 7:30h für mich mit der Bahn nicht erreichbar war hatte ich mit Uwe vorher abgesprochen, daß ich dort freundlicherweise mein Zelt im Garten aufstellen darf. So bin ich dann bereits am Donnerstag nachmittag gemütlich mit der Bahn nach Hessisch Oldendorf gefahren und kam im frühen Abend bei Uwes Elternhaus in Großenwieden an. Uwe selbst war noch nicht da, aber ich konnte mich dort schon ausbreiten und mir erstmal gemütlich einen Topf Nudeln zum Abendessen auf dem Trangia kochen. Dazu gab's noch ein wenig Abendsonne und frühlingshafte Temperaturen oberhalb 10 Grad. 

Ebenfalls am Vorabend anreisen wollten Gabi und Wolfi, wobei Gabi angekündigt hatte idealerweise bis 21 Uhr da zu sein. War sie aber nicht. Durch Osterreiseverkehr hatte sie wohl eine ziemliche Stautour und kam irgendwann nach 22 Uhr an. Da hat es selbst Wolfi aus Erlangen schneller geschafft, obwohl er eine deutlich längere Anreise hatte. Uwe war dann auch irgendwann da, schraubte noch ein wenig an seinem Rad herum, krächzte aber etwas und kündigte schon an, wegen Erkältung möglicherweise die Runde nicht mitfahren zu können. 

Morgens hatte ich mir den Wecker auf halb sechs gestellt um noch etwas Ruhe zum Wachwerden und für eine ordentliche Ladung Kaffee, Frühstücken usw. zu haben, bevor der Trubel losgeht. Ab viertel vor sieben trudelten dann immer mehr Starter ein. Uwe und seine Mutter haben auch diesmal für die Kilometerhungrigen noch Kaffee und Kuchen auf der Terrasse aufgefahren. Bei ca. 5 Grad war es nicht unbedingt warm aber erträglich, vor allem gab es diesmal morgens im Gegensatz zum 200er nur wenig Wind. 

Pünktlich um 7:30h war dann Start. Uwe teilte mit daß er nur ein kleines Stück mitkommt, aber wegen seines Infektes die Runde nicht mitfahren will. 

Bis Vlotho ging es mehr oder minder flach parallel zur Weser. Das Feld aus ungefähr 30 Fahrern blieb so mehr oder weniger zusammen. Nach der Kontrolle in Vlotho war die Gruppe dann aber bereits zerbröselt. Es ging zunächst leicht wellig auf der anderen Weserseite wieder ein Stück zurück um dann mit einer ersten recht steilen Rampe in Richtung Kalletal zu kommen. Wie nicht anders zu erwarten hing ich jetzt erstmal allein auf der Strecke und eierte da gemütlich durch die Hügellandschaft des Kalle"tals". Bei Lemgo und Pivitsheide gab's ein Stück gemeinsame Fahrt mit einem "Leidensgenossen", den ich am Anstieg zum Hermann dann allerdings habe ziehen lassen müssen. Am Kiosk oben, wo die nächste Kontrollstelle war, traf man sich dann aber wieder und ein paar Fahrer, die vorher schon rasant durchgezogen haben waren auch noch da. 

Nach kurzer Freß- und Futterpause habe ich mich dann allein wieder auf den Weg gemacht. Zunächst ging es rasant abwärts nach Heiligenkirchen, dann wellig nach Horn. Diese Gegend ist "Heimspiel" für mich und so wußte ich, daß ich an der Tankstelle in Horn auch noch belegte Brötchen ergattern kann. Also dort kurzen Stopp um Nahrung zu bunkern, denn auf Karfreitag war zu erwarten daß die Versorgungslage nicht übermäßig toll sein wird. 

In Horn leitete uns Uwes Streckenplan über die für den Autoverkehr gedachte Umleitung um den Innenstadtbereich. Man hätte hier auch durch die Fußgängerzone abkürzen können, aber ich habe mich dann doch an die "Marschtabelle" gehalten. Hinter Horn noch ein kurzer Anstieg bis zur Überführung über die B1, dann längeres Gefälle über Billerbeck in Richtung Steinheim. Hier kann man es richtig gut rollen lassen. Einige Fahrer, die nach mir am Hermannsdenkmal wieder gestartet sind, haben hier aufgeschlossen, mich aber nach gut einem Kilometer dann auch wieder abgehängt. So war ich dann erstmal wieder allein auf der Strecke. Wiedergesehen haben wir uns dann bei Marienmünster, wo der Schnellzug offenbar ein Päuschen bei Klosterbräu eingelegt hat. Da bin ich dann wieder an denen vorbei und habe stattdessen am vorerst höchsten Punkt noch einen kurzen Futterstopp eingelegt. Anschließend ging es zügig weiter nach Höxter, wobei auf diesem Abschnitt bis zur Weser in sanftem Gefälle bei zügiger Fahrt die restlichen Höhenmeter wieder vernichtet wurden. 

In Höxter war die Straße, die wir nehmen sollten, in einem Abschnitt gesperrt. Umfahrung war aber problemlos, ich kenne diese Ecke, und einige scheinen auch frontal durch die Baustelle gefahren zu sein. Nach der Weserquerung in Höxter wurde es dann allmählich welliger, die Strecke führte auf der Ostseite der Weser am Rande des Höhenzuges entlang und nahm den oder anderen Höhenmeter, bis mit Lauenförde bzw. Beverungen der nächste Kontrollpunkt erreicht war. Den Stempel habe ich mir an einer Tankstelle in Beverungen besorgt und war damit nicht allein. Kurz nach mir trudelten hier noch weitere Fahrer ein. 

Nun folgte die erste Solling-Querung nach Uslar. Auf dem Streckenplan ganz unscheinbar zu lesen mit einem Eintrag, daß es einfach mal so eben 23 km geradeaus geht. Da war auch nicht mehr zu beschreiben, es ging wirklich nur geradeaus mit nur gerade mal einer Ortschaft (Amelith) unterwegs. Ein wunderschöner Abschnitt, zunächst mit einer langgezogenen Steigung in den Wald hinein, dann wellig, später wieder abwärts nach Uslar. Unterwegs nochmal Pause im Wald, sowas mag ich immer gern. Und der Magen wollte auch mal wieder frische Kalorien sehen. Während ich da pausiert habe überholten wieder zweie, die nach mir in Beverungen angekommen waren. Obwohl ich mich erst ungefähr 10 Minuten später wieder aufs Rad gesetzt habe traf ich die beiden dann in Uslar an der nächsten "Kontroll-Tanke" wieder. Es ist schon ulkig wie unterschiedlich Geschwindigkeit und Fahrstil sind. 

Da ich diese Pausen an Tankstellen nicht sonderlich mag bin ich dann zügig und vor den beiden wieder weitergefahren. Jetzt folgte der längste Anstieg der Tour, zunächst auf der schwach befahrenen Bundesstraße Richtung Dassel, dann Abzweig auf eine "Waldstraße" die mit konstant nerviger Steigung Kilometer um Kilometer in die Höhe führte. Höchster Punkt sollten zum Schluß knapp über 500 Meter ü. NN werden. Weil es hier so schön ruhig war habe ich mir hier aber unterwegs noch eine weitere kleine Pause gegönnt. Zweimal kamen währenddessen jeweils zwei Fahrer vorbei, ich habe sie ziehen lassen. Auch heute wieder: keine Eile. Bisher bin ich wunderbar durchgekommen. 

Besagte "Waldstraße" mündete dann kurz hinter dem höchsten Punkt in eine größere, aber ebenfalls schwach befahrene Straße ein und es ging seicht abwärts nach Silberborn. Dort einmal durch ein "Loch" mit zunächst ordentlichem Gefälle und anschließender giftiger Gegensteigung, danach folgte dann eine lange genüßliche Abfahrt nach Holzminden. Das Gefälle blieb bei der Ortsdurchfahrt Holzminden erhalten. Dabei ging es vorbei an Deutschlands größtem Duft- und Geschmacksenthärterproduzenten symrise, dessen Fabrik aber heute erstaunlich neutral roch. Hier kann einem sonst schon mal kilometerlang Waschpulver- oder Bratengeruch entgegenströmen... 

Von Holzminden ging es dann weiter auf der B83 über Polle nach Bodenwerder. Dieser Abschnitt war zur Abwechslung mal wieder quasi flach, aber mit leichtem Gegenwind. Bei Pegesdorf, letzte Ortschaft vor Bodenwerder, habe ich mir dann nochmal ein Päuschen gegönnt. Auf der anderen Weserseite zogen einige Randonneure in auseinandergezogener Gruppe vorbei. Die hatten wohl ungefähr eine halbe Stunde Vorsprung. Egal... 

Bodenwerder war dann nächste Kontrollstelle. Hier kam ich dann an als sich zwei weitere Fahrer ("moffa" und sein Wegbegleiter) gerade wieder auf den Weg machten. Für mich hier nur kurzer Stempelstopp, schonmal nachtfahrfertig gemacht (schon kurz nach 19 Uhr) und wieder ab auf die Strecke. Auf der anderen Weserseite ging es nun in Richtung "Rühler Schweiz", wo nochmal zwei längere Anstiege warteten. Obwohl es Steigungen bis 10 % gab bin ich hier erstaunlich entspannt durchgekommen, wenngleich auch im Schnarchtempo. Auf halber Höhe sah ich die Vorausfahrenden dann noch wie sie kurz vor dem höchsten Punkt um die Kurve fuhren. Und bei Eschershausen - nächste Kontrollstelle - traf ich sie dann wieder, wie sie gerade Flüssigkeit nachtankten. Die Kontrolle war wieder an einer Tankstelle. Und es gab hier sogar Kaffee, da hatte ich gerade so richtig Lust drauf und gönnte mir nach dem ganzen Wasser/Isobräu/Apfelschorle-Kram, der den Tag über so durchgegangen ist, mal wieder ein koffeinhaltiges Heißgetränk. 

Mittlerweile war es dann auch komplett dunkel und "moffa" und sein Kollege, dessen Name mir leider entfallen ist, hatten offenbar ziemliches Interesse daran, den letzten Abschnitt zurück nach Hessisch Oldendorf nicht allein zu fahren. Ich war zunächst skeptisch, weil ich ja nicht unbedingt der schnellste bin und Sorge hatte, durch Gruppentempo aus dem Rhythmus gebracht zu werden. Letztlich sind wir dann aber doch zu dritt weitergefahren. 

Hinter Scharfoldendorf hatte ich dann für einen Moment Sorge, daß wir möglicherweise auf einer falschen Strecke sind. Daß wir durch Scharfoldendorf durch sind hatte ich nämlich gar nicht so recht mitbekommen, so kam mir die Streckenbeschreibung hier etwas spanisch vor. Kurzer Stopp und Blick auf die mitgenommene Karte zeigte aber, daß alles seine Richtigkeit hat. Also weiter und über diverse kleinere Wellen Kilometer um Kilometer zurück nach Hessisch Oldendorf. Die ca. 50 km Reststrecke zogen sich zeitweilig noch ganz schön und waren durchaus noch wellig, effektiv aber mit recht zügigem Tempo zu fahren. Meine Befürchtung, mit den beiden Wegbegleitern nicht Schritt halten zu können hat sich dabei nicht bewahrheitet, effektiv war es dann eher umgekehrt daß ich die meiste Zeit vorn gefahren bin. 

Gegen 22:30h kamen wir dann in Hessisch Oldendorf an. Dort sollte Zielkontrolle am Eiscafé Venezia sein. Das war aber leider bereits geschlossen. Uwe hatte aber vor der Fahrt mitgeteilt, daß der Zielstempel auch in Großenwieden zu haben sei, so sind wir dann direkt weiter und kamen dort gegen 22:45h an. Damit waren dann die effektiv knapp 308 km mit ca. 2800 Höhenmetern bewältigt. 

Einige Zeit später trudelte dann noch ein Dreiergrüppchen bestehend aus Gabi, Ulli und dem Bergfloh ein. Die dreie hatten sich wohl ihren Schlußstempel in Hessisch Oldendorf besorgt und dort direkt noch eine Futterpause eingelegt. 

Laut Uwe war nun nur noch ein einziger Fahrer auf der Strecke, der mit einem Singlespeeder unterwegs war. Später stellte sich heraus, daß der wohl aufgrund Materialdefekt in der "Rühler Schweiz" aufgegeben hat. 

Abends wurde es dann relativ kalt, die Temperatur ging auf ca. 3 Grad runter. Dennoch blieb ich noch lange wach bei meinem Zelt sitzen, bis ich dann gegen 2 Uhr das Ende des Tages eingeläutet und mich in meinen Schlafsack verkrochen habe. Die Rückfahrt am Samstag erfolgte dann nach ein paar Wochenendeinkäufen wieder mit der Bahn ab Hessisch Oldendorf. 

Fazit: auch diese Runde war wieder wunderschön. Subjektiv leichter zu fahren als der 200er, die Wetterbedingungen waren auch um einiges angenehmer. Zwischendurch gab es Sonne, im Gesicht glaube ich am Folgetag sogar einen kleinen Anflug von Sonnenbrand wahrgenommen zu haben. Die Beine haben anstandslos mitgespielt, der 400er kann kommen. Auch den werde ich wieder gemütlich im "Radreisetempo" fahren. Damit werde ich vermutlich zwar wieder zu den langsameren Fahrern gehören, bei diesem Fahrstil weiß ich aber daß ich gut klarkomme und es macht einfach auch mal Spaß unterwegs ein paar Minuten in der Natur zu sitzen...

 

Daniel Rödding

 

 

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