rtf-radmarathon.de

Brevet Enschde 300 km
 

Tourname: Brevet Enschede 300 km
         
Verein: ARA Enschede
VerfasserIn: Astrid Muth
Datum: April 2003
Startort: Enschede
Tourlänge: 300 km
Höhenmeter in M: 200 Meter

 

Das 300 km Brevet in Enschede will Herman auf  keinen Fall mitfahren. So fahre ich alleine nach Enschede, genauer Lonneker zum Cafe Sprakel. 6 Uhr ist Start. Leider verfahre ich mich auf dem Weg dorthin und so komme ich erst um 6 Uhr an als die anderen losfahren. Zwei sind so nett und fragen, ob sie warten sollen, aber ich verneine. Ich weiß ja, dass ich eh nirgends mitfahren kann, da ich zu langsam bin, ganz besonders am Anfang.

So fahre ich gegen 6:30 Uhr los. Es ist leider sehr windig. Eine angenehme Fahrt ist nicht zu erwarten. Die Strecke ist ganz flach und führt Richtung Meer bzw. Richtung Heerenveen über Albergen, Amelo, Ossenzijl und zurück über  Dwingeloo, Langeveen. Gleich am Anfang will ich mich schon verfahren, aber einer der netten Veranstalter fährt noch ein Stück mit und zeigt mir, wo es lang geht. Kurz darauf treffe ich auf den ersten Fahrer, dessen Schlauch ist völlig zerfetzt, wahrscheinlich war er in der Felge eingeklemmt. Blöderweise hat er Felgen bei denen man ein sehr langes Ventil braucht. Keiner hat so etwas, noch nicht einmal das Pannenfahrzeug, das mich bis jetzt begleitet hat. Wahrscheinlich muss er aufgeben, ohne überhaupt angefangen zu haben.

Ich fahre weiter gegen den Wind und hoffe wenigstens auf der Rückfahrt auf Rückenwind. Unterwegs habe ich immer wieder das Problem, dass ich den Streckenplan nicht verstehe bzw. falsch interpretiere und mir meinen Weg dann selbst suchen muss. Eine Karte habe ich dabei und die Straßenschilder helfen mir manchmal auch weiter. Die Kontrollstellen zu finden ist kein Problem, meist sind es Tankstellen oder auch ein Imbiss. Ich lasse mir keine Stempel mehr geben, da ich ohnehin keine Qualifikation für Paris-Brest-Paris mehr bekommen kann. Ich  habe ja bei den beiden 200er Touren, die ich dafür gefahren bin, die nötigen Stempel nicht bekommen können. Außerdem kann ich mir zu diesem Zeitpunkt eh nicht vorstellen Paris-Brest-Paris mitzufahren.

Das erscheint mir doch etwas zu heftig und liegt außerhalb meines Vorstellungsvermögens. Unterwegs geht es immer wieder durch eine sehr schöne Landschaft, die ich von den Niederlanden bisher gar nicht kannte. Ein Gebiet mit Straßen, so wie bei uns die Wirtschaftswege, das aus vielen kleinen Seen besteht, an dem einzelne kleine Häuser stehen, wunderschön Naturbelassen und idyllisch, gefällt mir besonders. Es liegt bei Ossenzijl.

Die Rückstrecke ist nicht so schön, leider. Nach 200 km treffe ich auf 2 Liegeradfahrer, die offensichtlich auch zur Truppe gehören. Bei diesen Veranstaltungen fahren ungewöhnlich viele Liegeradfahrer mit. Aber wie ich später, als ich gezwungenermaßen auch unter die dreirädrigen LiegerradfahrerInnen gegangen bin, erfahre, gibt es in den Niederlanden relativ viele Liegeräder, eben auch Hersteller und Händler. Die beiden ziehen sich gegenseitig, so haben sie immer mal Windschatten.

Nach kurzer Zeit trennen sich unsere Wege aber wieder, da sie die Karte anders interpretieren als ich. So biege ich ab und muss feststellen, dass sie wahrscheinlich Recht hatten, denn der Weg ist jetzt ungeheurer holprig. Umso länger die Strecke dauert, sehe ich dann immer wieder Fahrer oder Räder von Leuten die eingekehrt sind. Leider hat sich der Wind gedreht, also nichts mit Rückenwind. Das sind die flachen Touren, die können ganz schön Kraft und Nerven kosten. Ich verstehe nicht wie manche Leute sie mögen können, hügelig ist doch viel abwechslungsreicher, da kann man wenigstens ab und zu mal rollen lassen.

Inzwischen fahre ich auch schon viel im Stehen, weil ich schlicht und ergreifend nicht mehr sitzen kann. Es wird langsam dunkel, meine Lampe ist nicht richtig eingestellt. Glücklicherweise geht es jetzt sehr viel auf Radwegen, die man hier tatsächlich als solche bezeichnen kann, weiter. Es kommt jemand von hinten. Er hat besseres Licht und die bessere Orientierung, so fahren wir den Rest der Strecke zusammen. Er will Paris-Brest-Paris mitfahren. Ich treffe ihn später dann auch tatsächlich am Start in Paris wieder. Meine erste 300 km Tour ist nach ca.15 Stunden beendet.

Astrid

Drucken

Inhalte, Konzept und Umsetzung: Hermann Dirr, Templates: intwerb.de