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Tourname: Brevet 200 km Maastricht           
Verein: ARA-Maastricht
VerfasserIn: Manfred Kiesel
Datum: März 2007
Startort: Maastricht
Tourlänge: 200 km
Höhenmeter in M:  

 

Der Start in Maastricht ist in einem engen, kopfsteingepflasterten Gässchen gelegen, wo es rundum keine Chance zum Parken gibt. Also parkt mein Wohnmobil in einem Vorort, etwa 4,5 km entfernt. Hier heisst es also anradeln, immer auf Radwegen an der Seite einer großen Bundesstraße, und dann hinein ins Gassengewirr. 

Beim ersten Versuch fahre ich am Eetcafe "De Preuverij" vorbei. Zwar steht Gabys Titanflex davor, aber es ist mit einem Schutzblech getarnt, und meine Augen sind noch nicht offen. Dann bin ich aber vor Ort und kann außer Gaby noch Fiets aus dem Forum, Stefan Hoiboom vom TV Kettwig und Peter aus Düsseldorf als Bekannte begrüßen. Der Wirt hat Käsebrötchen zum Frühstück, und Ivo hat für jeden einen Streckenplan in passender Sprache und für uns alle eine kleine Ansprache, dann geht es um acht Uhr aus der Kopfsteinpflastergasse hinaus. 

Zu Beginn bleibe ich beim Pulk der 29 Teilnehmer, um am einfachsten aus der Stadt mit ihren Gassen, Radwegen und Durchfahrten zu kommen. Die Stadt ist nach knapp drei Kilometern verlassen, und ich lasse die schnelle Truppe fahren. In Mariadorp sehe ich Gaby und Mario (Fiets) wieder, die gegen den Plan geradeaus fahren wollen. Schnell sind sie, nach der Richtungskorrektur, wieder vor mir verschwunden. Nach 15 km sind wir in Belgien, und es beginnt aufwärts zu gehen, mit den Temperaturen und mit dem Streckenprofil. Bis hinter Clermont geht es, nun in Begleitung von Jedrik und streckenweise von Fiets, tendentiell nach oben, auf kleinsten Sträßchen, die allerdings häufig als "degradiert" gekennzeichnet sind: voller Schlaglöcher. Auf der Abfahrt nach Limbourg ziehe ich endgültig die Weste aus, dabei saust Jedrik an mir vorbei. Fiets hat uns schon vorher verlassen, leider höre ich (erst im Ziel), daß er dann einen Unfall hatte. 

Kurz vor der Kontrolle noch ein Umweg über einen Hügel: wegen eines Quad-Rennens ist die Straße gesperrt. Nachdem erst 38 km gefahren sind, halte ich mich in dem Cafe, wo die Kontrolle ist, nicht lange auf: Stempeln, Flasche füllen und weiter. Jedrik ist bereits vor mir auf den zweiten Abschnitt gegangen. 

Dieser zweite Abschnitt führt, immer das Tal der Vestre aufwärts, nach Eupen in den Deutschsprachigen Teil Belgiens. Die Strecke wird nun gebirgig, speziell in Eupen sind zwei knackige kurze Rampen zu erklettern, die hinter Nispert in eine langgezogene Steigung übergehen. Zehn km später ist bei Petergensfeld deren Ende erreicht. Wir sind nun in Deutschland und fahren nach Roetgen ab. Mitten im Gefälle Winken, Stop: eine Geheimkontrolle! In Roetgen heisst es wieder: Klettern. Ich sehe eine Tankstelle, überlege noch, ob ich die Flasche auffüllen soll, lasse es aber sein. Ich will jetzt nicht aus dem Rhythmus kommen.

Es sind noch gut 25 km zu fahren bis zum nächsten Stop. Der Anstieg zieht sich stufenweise nach oben, immer ein Stück steiler, ein Stück flacher, mit Wind seitlich von vorn und es wird immer wärmer. Die Zunge hängt mir trocken im Gaumen und ich merke, daß ich das lauwarme Wasser gut einteilen muß, wenn ich jetzt nicht unterwegs doch noch eine Versorgungsstelle finde. Bei Fringshaus ist die Höhe erreicht und es geht nun links ab, immer gegen den Wind, bis nach Schmidt. Nun kommt eine schöne kurvige Abfahrt, an deren Ende das Flüßchen Rur überquert wird. Bis zur Kontrolle in Nideggen sind 1,9 km angegeben. Und zwar gehen diese aufwärts. Zum Glück ist die Flasche leer, so daß ich nicht durch das Gewicht von frischen Wasser belastet werde. 

Die Tankstelle bei km 90 bietet nichts Nennenswertes zu essen, also trinke ich mich satt und fülle die Flasche auf. Mir ist klar, daß ich mit einer Flasche die 60 km bis Schierwaldenrath nicht schaffen kann, aber die Route geht nun bald durch dichter besiedeltes Gebiet, wo Wasser immer zu bekommen ist. Nun geht es erstmal aus dem Gebirge heraus. Am Ende der Abfahrt, in Kreuzau, ist gleich eine Tankstelle, sie steht sogar auf dem Streckenplan. Hier brauche ich noch nichts. Die Strecke führt nun auf Langerwehe zu. Etwas sehnsüchtig sehe ich in Gürzenich den Wegweiser nach Schevenhütte. Die Strecke über den Gürzenicher Berg und dann über Schöntal nach Langerwehe wäre ein Schmankerl gewesen, aber Ivo mochte das seinen Teilnehmern nach den bereits absolvierten Höhenmetern nicht mehr antun. 

Ein Stück weiter, in Weisweiler, immer in Blickweite des großen Kraftwerks, Rätselraten. Rechts ab Richtung Aldenhoven bei km 119, sagt der Plan. Ich bin an der Stelle, es gibt einen Abzweig rechts, aber keinen Hinweis auf Aldenhoven. Ich biege ab - das ist ein Fehler. Die Straße führt mal hierhin, mal dorthin, und endet an einem T, das nicht auf dem Plan steht. Zurück - geht nicht. Ich fahre in eine Richtung, die ich für passend halte, und stoppe an einer Tankstelle für frisches Wasser und Auskunft. Mit sechs Bonusmeilen bin ich wieder auf der Strecke und komme gut voran, der Landkreis Aachen ist hier flach oder gaaaanz leicht hügelig, bis in Geilenkirchen der Verkehr stockt. Grund: eine geschlossene Bahnschranke, davor etliche Teilnehmer, darunter auch Jedrik. Sie staunt, daß ich hinter ihr bin. Ich erfahre, daß sie sich in Eupen kurz verfranzt hat und mich dabei vorbeifahren sah. Dadurch vermutete sie mich vor sich. Daß ich mich dann auch verfahren habe, konnte sie nicht wissen. Nun, im Flachland, ist sie nicht zu halten. Bei mir wird es langsam Zeit, mal etwas zu essen. 

So sitze ich dann auch etwa eine halbe Stunde lang im Cafe an der Selfkantbahn in Schierwaldenrath. Ein Teller Spaghetti wäre mir am liebsten, aber auf die Schnelle und um die Uhrzeit - es ist inzwischen nach drei Uhr nachmittags - muß ich mich mit einem strammen Max bescheiden. Ein Glas Bier dazu, und ich fühle mich wieder gut genährt. Jedrik ist längst entschwunden, ich sehe sie erst im Ziel. Der weitere Rückweg führt nun flach in die Niederlande, zwischendurch ein Stück durch Belgien, über eine Fähre und ein längeres Stück an der Zuid-Willemsvaart entlang. Inzwischen hat sich mir ein Niederländisch sprechender Randonneur angeschlossen, der Wind ist nicht hinderlich, so geht die Fahrt auf schmalen Wegen schnell und kurzweilig voran. Es gibt noch einen Halt zum Stempeln und Wasserfassen, dann ist Maastricht wieder erreicht. Die schmale Zielgasse finden wir ohne Probleme. Die meisten Teilnehmer sind natürlich schon da, so setzen wir uns an einen Tisch draussen vor dem Cafe, wo Jedrik und Ivo sich bereits installiert haben, und lassen die schöne Tour bei einem Bier ausklingen. Mein Partner der letzten Kilometer wird übrigens von Ivo auf französisch angesprochen, während wir unterwegs niederländisch sprachen - ein Belgier? Ivos Brevets sind international. 

Auf 200 km hat die Tour ca.1300 Höhenmeter. Das klingt nicht nach viel, aber diese Höhenmeter stecken konzentriert zwischen km 15 und km 90. Dieser Streckenteil ist auch landschaftlich der ansprechendste. Für kommenden Sonntag verspricht Ivo 300 km mit 2500 Höhenmetern. Die Ardennen rufen. Wer wollte diesem Ruf widerstehen?
 

Manfred Kiesel

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