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Brevet Jesberg 200 km 2005
 

Tourname: Brevet Jesberg 200 km
         
Verein: ARA Deutschland
VerfasserIn: Gerald Dörr
Datum: 2005
Startort: Jesberg
Tourlänge: 200 km
Höhenmeter in M:  2200 Meter

 

Vorwort von Hermann Dirr

Gerald Dörr gehört mit zu den eifrigsten Teilnehmern an unseren Forumsdiskusionen.
Er wohnt in Klein-Linden und ist Mitglied im dortigen Radsportverein. Mit zu seinen Saisonzielen gehört die diesjährige Teilnahme am Ötztalradmarathon. Der nachfolgende Bericht, ist eigentlich eine E-Mail an seine Vereinskameraden. Auf meine Bitte hin, erlaubte er mir ihn an dieser Stelle zu veröffentlichen.

 

Bericht:            
 

Da das Wochenende keine RTF in der Nähe im Angebot hatte, entschlossen Lutz
Müller und ich uns dazu, die Marathon-Saison frühzeitig zu eröffnen.
Die Kenner der Szene werden wissen, dass es jetzt doch noch keine Marathons
gibt. Es war auch kein Marathon im eigentlichen Sinne, sondern ein Brevet.
Brevets sind Langstreckenveranstaltungen der Audax-Randonneure, die jede
Saison Strecken von 200 KM, 300 KM, 400 KM und 600 KM in dieser Reihenfolge
zurücklehnen.
Alle vier Jahre kommen dann auch noch 1.000 KM dazu und diese Serie dient
dann als Qualifikation für den alle 4 Jahre stattfindenden
Randonneur-Höhepunkt, die 1.200 KM Paris-Brest-Paris.
Also nicht unbedingt etwas für Sprinter.
Wer sich dafür interessiert kann sich auf der Audax-Deutschland-Homepage
www.ara.randonneure.de  weitere Infos holen.

1. Das Negative

Nachdem ich aufgrund eines organisatorischen Fehlers von mir auf einen Start
bei "Rund um Köln" verzichten musste, ließen Knieschmerzen am Donnerstag und
Freitag befürchten, dass auch mein zweites Wochen-Highlight und sogar die
ganze Saison-Planung in Frage stehen könnten.


2. Die Überraschung

Da gab es diesmal zwei. Erstens hörten die Knieschmerzen auf, sobald ich auf
dem Rad saß und sie sind seither auch wie weggezaubert (Radeln ist gesund :
und zweitens waren alle Leute, die an der Veranstaltung teilnahmen super
nett.


3. Der Ablauf

Um 6 Uhr 20 trafen Lutz und ich am Startort in Jesberg am Rande des
Kellerwaldes ein. Vom Hof  des für Audax-Nordhessen zuständigen
Randonneur-Organisators starteten dann bei -1 Grad um 7 Uhr elf Männer und
eine Frau auf die Strecke. Darunter waren u.a. die Langstrecken-Spezialisten
Astrid Muth und Herrmann Dirr aus Herne.
Astrid startet grundsätzlich etwas langsamer, fährt dann aber stetig und
ausdauernd. So ließen sie und Herrmann auch nach vier, fünf KM schon
abreißen, obwohl wir nur mit einem 26er Schnitt unterwegs waren.
Leider musste nach 15 KM auch Harald aus Driedorf seinem Fieber Tribut
zollen und kehrte um. So waren wir also noch zu neunt in der Gruppe und
diese funktionierte.
Keiner setzte sich ab und alle fuhren auch etwas langsamer, wenn einer mal
am Straßenrand stand, um für den Flüssigkeitsaustausch mit der Natur zu
sorgen.
Ich fuhr auch jeweils wieder an die Gruppe heran, als sich zweimal meine
Kette im Schaltwerk verhedderte. So ging es dann durch Nordhessen an
Frankenberg und Battenberg vorbei durch herrliche Landschaften und
verträumte Dörfer zur ersten Kontrolle, einer Bäckerei in Hatzfeld.
Hier machten wir nach 61 Km eine Pause von 25 Minuten und nur zwei von uns
starteten früher wieder. Lutz und ich hatten uns entschlossen, bei Martin
dem Ausrichter zu bleiben. Da brauchten wir uns nicht nach den
Streckenplänen zu orientieren, denn anders als bei RTF's gibt es bei den
Brevets keine Beschilderung.
An Bad Berleburg vorbei ging es nun ins Sauerland zur zweiten Kontrolle nach
Schmallenberg (KM 102). Es wurde immer wärmer und die Landschaft und
Streckenführung blieben fantastisch. An den Anstiegen gab es immer das
gleiche Bild bei der verbliebenen 7-er-Gruppe. Ein Kurierfahrer aus
Frankfurt (KM-Leistung 2004 = 26.000 KM) und ich führten die Gruppe an, Lutz
und Andreas auch Buseck folgten als nächste und beide fuhren absolut super,
denn sie sind 20 und mehr Kilo schwerer als wir beide vorne. Randonneur
Martin aus Jesberg bildete meist den Abschluss.
Von Schmallenberg ging es nun ins Hochsauerland nach Winterberg, wobei auf
einer Nebenstrecke das wunderschöne Örtchen Westfeld (Golddorf 2004)
durchquert wurde.

Ab 660 m Höhe gab es auch noch Schneefelder zu sehen. Vor Winterberg
erreichten wir  knapp unterhalb des Kahlen Asten die Höhe von fast 800m.
In Winterberg war dann bei KM 127 die dritte Kontrolle und auch hier machten
wir wieder etwa 30 Minuten Pause. Nun ging es dann mehr bergab Richtung
Korbach. Allerdings war der Gegenwind so heftig, dass es schon 5% Gefälle
benötigte, bis man nicht mehr treten musste. Da die Mitfahrer auf diesem
Teilstück höflich waren und mich nicht überholen wollten, durfte ich hier
ziemlich lange von vorne fahren. Vielen Dank;-)
Bei KM 167 erreichten wir die letzte Kontrolle in Herzhausen. Es war eine
Tankstelle wie die letzten beiden Kontrollen.
Hier holten uns auch Herrmann und Astrid wieder ein, die wesentlich kürzere
Pausen machten. An der Westspitze des Edersee ging es nun vorbei in die
Ederhöhen Richtung Frankenau und nun änderte sich das Bild bei den
Steigungen. Nun war Martin aus Jesberg plötzlich vorne bei mir. Er hatte
sich seine Kräfte offensichtlich super eingeteilt. Und an unserem Hinterrad
hing nun fast immer Lutz, der einfach sagenhaft fuhr.
In der Nähe des Klosters Haina hatten wir einen letzten langen Anstieg zu
befahren, wo Lutz dann doch etwas abreisen lassen musste. Bei wunderschönen
Ausblicken auf den Kellerwald ging es nun nach Battenhausen runter und Lutz
holte Martin und mich wieder ein. Bis nach Jesberg fuhren wir drei dann
zusammen und brachten immer noch Druck auf die Pedale.
In Jesberg kam nun noch das steilste Stück des Tages zurück zu Start und
Ziel. Es waren noch einmal 600 m bergan mit Spitzen von 10-11% zu
überwinden. Den ganzen Tag zuvor waren die Steigungen eigentlich dem
Saisonzeitpunkt entsprechend nie über 7% hinaus gegangen, getreu dem Motto :
"Alles was über 7% ist gehört als Wein in die Flasche und nicht auf die
Straße".
Nach 8 Stunden, 15 Minuten und 21 Sekunden reiner Fahrzeit erreichte ich
schließlich das Ziel und Martin und Lutz folgten einige Sekunden später und
innerhalb von zehn Minuten trafen auch unsere Mitstreiter alle ein.
Insgesamt hatten wir 205,06 KM zurückgelegt, dabei 2.215 Höhenmeter
überwunden und ich hatte mein Ziel eines 25-er Schnitts mit 24,8 nur knapp
verfehlt. Mein Durchschnittspuls betrug am Ende ca. 74% meines Herz-Max. und
ich hatte ca. 5.100 Kalorien "verbrannt", die ich unterwegs mit Riegeln,
Powergels und trockenen Brötchen sicher nur zum Teil ausgeglichen hatte.
Dafür habe ich mir am Abend in Langgöns in einer Pizzeria einen Teller
Spaghetti Alio e Olio e  Peperonchino (Knoblauch + Öl + Peperoni) und eine
Pizza Spezial (mit Zwiebeln und Peperoniwurst) angedeihen lassen und
anschließend im Silano in Linden Radlertypisch mit einem großen
Spaghetti-Eis den Schlusspunkt gesetzt.


4. Der Wermutstropfen.

Ich finde es bedauerlich, dass ich die 300 KM Strecke, die am 23. April von
Jesberg aus Richtung Vogelsberg und Rhön führt nicht fahren kann, aber
diesem Tag stehen ja die Vorbereitungen zu unserer "Linneser
Backschießer-Tour" an.


5. Der Fairness-Preis

Geht an alle Teilnehmer des Brevets. Manche arroganten RTF-ler und
Marathonisti könnten sich hier ein Beispiel nehmen.


6. Sportlicher Sieger

Ohne Zweifel Lutz Müller. Wenn sich im Laufe der Saison mein KM-Vorsprung
nivelliert und Lutz nur 10 Kilo abnimmt, versägt der mich an den Steigungen
wie er es braucht.


7. Die Verlierer

Alle die nicht dabei waren. Es war meine schönste Radtour bisher.


8. Das Allerletzte

Der Spruch des Tages kam gestern glaube ich von mir. Im Ziel hatte ich Beate
zuhause angerufen und gesagt, dass wir bald heimkommen. Sie fragte mich
daraufhin ob ich wüsste dass ich noch in die Eisdiele zu fahren und meinen
partnerschaftlichen Pflichten nachzukommen hätte. Darauf habe ich Lutz
gefragt, ob wir nicht noch in Jesberg bleiben können.
Na ja, in der Eisdiele waren wir ja wenigstens noch………


In diesem Sinne

Eine schöne Woche

Ihr hört von mir.

Herzliche Grüsse

Gerald Dörr

 

 

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