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Tourname: Brevet ARA Weserbergland 200 km
          
Verein: ARA Weserbergland
VerfasserIn: Daniel Rödding
Datum: März 2007
Startort: Großenwieden (Hessisch Oldendorf)
Tourlänge: 200 km
Höhenmeter in M:  

 
In einem Anflug geistiger Umnachtung hatte ich mich bei Uwe Krohne für die komplette Serie angemeldet. Und ein paar Tage vor diesem 200er freute ich mich schon, in Wachtendonk bereits die 200 absolviert zu haben, denn Ostwestfalen versank kurzzeitig im Schnee. Der taute am Freitag aber in Rekordzeit wieder ab, so daß man wohl doch von fahrbaren Verhältnissen ausgehen konnte. 

So richtig motiviert war ich im Vorfeld aber nicht. Unterhalb von 10 Grad bin ich nicht wirklich glücklich auf dem Rad. Zwar bin ich den ganzen (Pseudo-)Winter über gefahren, aber der Wohlfühlfaktor hält sich doch in argen Grenzen. Egal, ich bin angemeldet, also fahr' ich auch, und Uwe wird uns bestimmt wieder 'ne schöne Strecke basteln. 

Die Nacht war leider mit ca. 3 Stunden Schlaf ziemlich kurz, um 3:50h klingelt der Wecker. Ein Eimer Kaffee hilft nicht zum Wachwerden, Frühstück schmeckt um diese Zeit natürlich auch nicht, Verdauung ebenfalls nicht. Um 5 Uhr sitze ich auf dem Rad und gondele nach Paderborn zum Bahnhof, mit so ausreichend Zeitpuffer daß auch bei einer etwaigen Panne der Zug noch zu erreichen sein sollte. Wenn man alle Eventualitäten einplant geht's natürlich glatt, so stehe ich um halb sechs am Bahnhof und schlage dort erstmal Wurzeln, denn die Pseudo-S-Bahn nach Hameln fährt erst um 6:15h. Immerhin gibt es hier noch einen Kaffee. 

Leicht verspätet rollt die Bummelbahn dann in Hameln gegen 7:20h ein. Jetzt heißt es zügig nach Großenwieden fahren, denn obwohl der Start erst um 8:30h ist bittet Uwe um Erscheinen eine halbe Stunde vorher und ich spekuliere dort noch auf ein kurzes weiteres Kaffeepäuschen. Entsprechend werden die 20 km bis zum Startort eine ziemliche Hetzerei. Der Wind bläst bereits morgens kräftig, in Hameln zunächst von hinten dann zeitweise von schräg vorn, dann wieder im Rücken. Jedenfalls komme ich tatsächlich um 8 Uhr an und habe das Gefühl, daß jetzt eigentlich schon der böseste Teil des Tages geschafft ist. Ich mag frühes Aufstehen und diese Terminhetzerei einfach nicht. 

38 Starter haben sich bis 8:30h eingefunden, auf einen weiteren warten wir noch wenige Minuten. Ein (einziges) Mädel ist auch dabei, des weiteren zwei Liegeradfahrer und ein "Wahnsinniger" mit starrer Nabe. Nachdem Uwe eine kurze Ansprache gehalten hat geht es dann mit wenigen Minuten Verspätung auf die Strecke, die ersten Kilometer flach und schnell mit dem Wind im Rücken. 

Die erste Steigung läßt nicht lange auf sich warten und das Feld fliegt natürlich sofort auseinander. Wegen der recht schattigen Temperaturen und der eher zügigen Anfahrt merke ich sofort, daß ich eine ziemlich ruhige Gangart einlegen sollte, und fahre ab hier meinen eigenen Stiefel. Bis zur ersten Kontrolle in Kathrinhagen sehe ich mit etwas Abstand vor mir noch die letzten Reste einer vor mir fahrenden Gruppe. Hinter mir dürften jetzt noch so ca. vier andere Fahrer sein. Den Kontrollstempel gibt's an einer Tankstelle, dort führe ich mir auch noch mal 'ne Ladung Flüssigkeit zu und fahre allein weiter. 

Die Route führt auf und ab über den Höhenzug nordöstlich der Weser durch Langenfeld, Bensen, Pötzen und dann abwärts durch den Wald in Richtung Rohrsen. Hier wird es flacher, dafür schlägt der Wind jetzt richtig gnadenlos zu. Wegen der kühlen Temperaturen fahre ich immer noch mit Regenpelle als Windschutz, die macht die Aerodynamik natürlich völlig zunichte und es geht nur im Schleichtempo voran. Der Abschnitt bis Bisperode ist wegen des Windes recht nervig, danach geht es dann mal wieder durch ein Waldstück und über einen kleinen Höhenzug, wo ich beschließe, aus dem Brevet heute eine kleine Radreise zu machen und mich nicht weiter anzustrengen als unbedingt nötig. Konsequenz: erstmal gemütliche Futterpause auf einer Bank im Wald an einem windgeschützten Ort. Die paar Minuten Pause sind Balsam für die Seele. Ich sehe zwei Fahrer vorbeiziehen, aber das ist mir jetzt auch egal. Gemütlich rolle ich nach einiger Zeit dann weiter über Börry Richtung Bodenwerder, wo es wieder einen Kontrollstempel und Flüssigkeit gibt. 

Hier an der Tankstelle sollen wir nachfragen, ob die Weserfähre in Polle in Betrieb ist. Die bei Großenwieden ist es wegen Weser-Hochwasser wohl nicht, und hier an der Tanke weiß man nichts zum Zustand der Poller Fähre. Also von vornherein auf die Alternativroute und über die B83 Richtung Polle. Dieser Abschnitt ist vermutlich das einzige wirkliche Flachstück auf der ganzen Runde. Es geht quasi parallel zur Weser, Tempomat auf moderate Geschwindigkeit einrasten und gemütlich vorwärts. Und erstmal Kräfte schonen, denn hinter Polle wird es bergig. Die Strecke zweigt nun von der B83 ab und es geht hoch zunächst nach Köterberg Dorf und dann weiter über eine steile Rampe mit 15-18 % auf den Köterberg, wo die nächste Kontrolle ist. Wohl wissend was mich da erwartet fahre ich diesen Abschnitt *ganz* vorsichtig, entledige mich auf halber Strecke nur einmal der Regenpelle die dank mittlerweile gestiegener Temperaturen nun nur noch stört. 

In Köterberg Dorf kommt mir eine Gruppe entgegen, die vom Berg gerade wieder runterrollt. Einer ruft mir noch warnend rüber, daß das jetz ganz schön hart wird. Naja, ich komme nonstop hoch, wenn auch im Schleichtempo, und erreiche das Köterberghaus gegen 14:40h. Hier oben verliere ich einige Zeit. Zunächst ist der Kiosk unbesetzt. Als ich die Dame vom Kiosk dann endlich aufgetrieben habe kann die mir zwar etwas zu trinken verkaufen, aber keinen Kontrollstempel geben. Den gibt es nur oben im Restaurant. Und da kommt gerade eine riesige Gesellschaft Rotarier heraus, keine Chance sich da durchzudrängeln. Ich warte also eine Zeit bis sich der Rummel lichtet, um 15 Uhr habe ich dann auch meinen Stempel und kurz darauf kullere ich den "Monte Wauwau" wieder herunter. 

Der nächste Abschnitt nach Schieder-Schwalenberg läßt sich zügig fahren. Zum einen geht es erstmal rasant abwärts. Zum anderen gibt es endlich mal Rückenwind. So dauert es gefühlt nur wenige Minuten bis ich am Schiedersee angekommen bin. Dort gönne ich mir, weil gerade die Sonne so schön scheint, auf einer Bank nochmal eine kleine Freß- und Futterpause. Wie gesagt, ich mache aus dem Brevet eine Radreise. Zeit ist mir egal, solange ich die Öffnungszeiten der Kontrollen noch erreiche. 

In Schwalenberg gibt's freie Kontrolle mit einem Vorschlag für die Kontrollstelle bei einem Café. Der Vorschlag taugt, dort gibt es nämlich noch ein wenig leckere Wegzehrung zu kaufen. Und natürlich den noch fehlenden Stempel. Und das war auch schon die letzte Kontrollstelle, jetzt geht es wieder zurück nach Großenwieden. 

Der Abschnitt über Rischenau nach Barntrup geht zunächst länger gemäßigt bergan. Genauso die breite Landstraße von Barntrup ins Extertal. Im Extertal rollt es dafür eine ganze Zeit sehr ordentlich abwärts - so ordentlich daß ich erstmal an der Abzweigung Richtung Goldbeck, die wir nehmen sollen, vorbeirausche. Also wieder zurück und hoch Richtung Meierberg, eine Ortschaft die es dort gleich mehrfach gibt. Von Meierberg nach Rott folgt dann eine Fahrt auf sehr kleinen, schlängeligen Straßen und es wird allmählich steiler. In Rott angekommen hat die Abenddämmerung schon eingesetzt, so mache ich mich schon mal "nachtfahrfertig". In Rott gibt es eine letzte Steigung jenseits 10 %, dann ist der Höhenzug gequert der das Extertal von der Weser trennt. Jetzt heißt die Tendenz "abwärts" und "zügig", ab Rumbeck lasse ich den Streckenplan Streckenplan sein und rolle auf mir bekannter Route wieder zurück nach Großenwieden. Auf den letzten Metern bei der Einfahrt nach Großenwieden holen mich noch drei Fahrer von hinten ein, Ankunft am Start-/Zielort dann lt. Uwes Eintrag in der Kontrollkarte 19:57h. Nur ein Fahrer trudelt eine Viertelstunde später noch ein. 

Die Rückfahrt gen Heimat habe ich dann auch wieder mit Unternehmen Zugluft gemacht, diesmal direkt ab Hess. Oldendorf mit Umstieg in Hameln und dann ab Paderborn per Rad das letzte Stück wieder nach Hause. Gegen 23:30h war ich dann wieder daheim, der Tacho zeigte in Summe knapp über 250 km für diesen Tag. 

Fazit: eine wunderschöne Runde, die ich leider mit nicht optimalen Ausgangsbedingungen gefahren bin. Zu wenig Schlaf, übel früh aufstehen, zu wenig Temperatur, zu viel Wind. Aber als "Radreise" gefahren war es wirklich nett. Und die knapp 2500 Höhenmeter, die wir da serviert bekommen haben, dürften als "Trainingseinheit" auch nicht zu verachten gewesen sein.

  

Daniel Rödding

 

 

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