rtf-radmarathon.de

Hamburg-Berlin-Köln-Hamburg
 

Tourname: 2. deutscher Super Brevet
         
Verein:
VerfasserIn: Peter Wöhler
Datum: 2006
Startort: Großhansdorf
Tourlänge: 1500 km
Höhenmeter in M:  11000 Meter

 

Vortag

 Anreise war am Freitag den 11.08.2006

Ich kam gegen 17 Uhr in Großhansdorf an. Vor der Waldreiterhalle saßen schon einige Starter in Grüppchen. Manfred (V8) war auch schon vor Ort. Ich bin herzlichst von den Ausrichtern begrüßt worden. Sofort wurde ein familiäres flair  angenommen. Nachdem ich meine Schlafutensilien in die Kellerräume der Halle verstaut hatte, rödelte ich erst mal mein Rad auf. Danach bekam ich meine Startunterlagen. So nun war Zeit sich zu den anderen zu setzen und zu klönen. Aber es war noch sehr kühl unter uns.

Die Engländer dort am Tisch, die Belgier da drüben, die Niederländer auf der anderen Seite, da in der Ecke die Italiener Manfred und ich mit den Veranstaltern gemischt und alleine an einem Tisch ein Russe. Erste Beschnupperungen der Teilnehmer gingen sehr zaghaft voran. Gegen 19:00 Uhr war das Büffet der Pastaparty eröffnet. Es gab reichlich Salat, Nudeln mit drei Sorten Soßen und einen fantastischen Nachtisch. Danach tranken V8 und ich an der Theke noch ein Bierchen zusammen. Gegen 22:00 Uhr waren wir dann fast alle in den Schlafsäcken verschwunden.

 

Tag 1: Großhansdorf > Dittfurt

Samstag

Um 3:30 ging mein  Handywecker. Schnell geduscht. Radklamotten angezogen und die Tasche für den Kleidertransport gecheckt. Diese Tasche sollte dann nach Messinghausen gebracht werden. Dort musste alles drin sein, was man eventuell brauchen würde. Also Wasch/Duschzeug mit Handtüchern. Radsachen zum wechseln für mindestens 2 weitere Tage. So Tasche fertig. Wirklich? Noch mal und noch mal gecheckt. So jetzt ging es zum Frühstück. Brötchen mit Marmelade, Kaffee, Joghurt, Müsli.

Pünktlich um 5 Uhr ging es an den Start. Jetzt bin ich tatsächlich mit dabei. Wahnsinn. Es war noch dunkel, aber die Dämmerung setzte schnell ein. Das Wetter war trocken und wechselhaft bewölkt. Leicht frisch, aber nicht zu kalt. Das Feld von 28 Startern zog sich schnell auseinander. Wo Manfred war, hab ich im anfänglichen Getümmel nicht mitbekommen. Wohl hinter mir. Er wollte von Anfang an seinen Stiefel fahren. Ich ebenso. So fuhr ich.

Nach wenigen Kilometern fing es leicht an zu regnen. Ich beschloss mich irgendwann rechts ran zu fahren, um mir meine Regenjacke an zu ziehen. An einer Kreuzung standen ebenfalls schon 4 Italiener und prozessierten dieses Vorhaben ebenfalls. Also Gepäcktasche auf, Jacke suchen, rausrupfen, Leuchtscherpe ausziehen, Jacke an, Leuchtscherpe einpacken, schnell noch pinkeln, Tasche wieder zu rödeln, abfahren. 

Bei dieser Aktion fuhr Manfred an mir vorbei, bemerkte mich aber nicht. Nun fuhr ich  hinter ihn her. Schnell fanden wir zusammen. Irgendwann auf einer langen geraden Strecke sagte Manfred zu mir, das er sich nach hinten absetzen will. Schwupps war er weg. Auch nach einer erneuten PP(Pinkelpause) kam er nicht in Sichtweite.


1.Kontrolle Wittenberge frei wählen Kilometer 156,9

Direkt nach dem Ortseingangsschild war ein Gelbes M auf rotem Grund zu sehen. Gut dort hol ich mir den ersten Stempel. Zudem sah ich dort auch Heino, den 1. Vorsitzenden vom Audax Club Schleswig Holstein rumlaufen. Ich setzte mich zu den 4 Helfern, welche uns erst mal nur begleiteten und viele Fotos von uns schossen. Heino bemerkte, das wir sehr schnell unterwegs seien und alle nur wenig voneinander  entfernt herum fahren würden. Und warum wir nicht zusammen fahren würden. Aber für uns war der Vordermann und Hintermann auch auf langen geraden nicht zu sehen gewesen. Ich trank mir einen Kaffee und bestellte noch ne Portion Pommes Rot/Weiß.

Von drinnen sahen wir Manfred heranfahren. Er fuhr aber vorbei um sich seinen Stempel später an einer Tankstelle zu besorgen.

So fuhr ich dann wieder hinter Manfred hinterher.


2.Kontrolle Nauen Kilometer 269,5

In Nauen war die nächste Kontrolle.  Neben einem Kreisverkehr stand am Rande eines  Parkplatzes von Aldi ein PKW. Aus dessen Kofferraum wurden wir versorgt. Es gab Brötchen vom Frühstück, Kuchen, Riegel, Obst und Getränke. Manfred sah ich gerade noch wegfahren. Aber 5 Minuten später war er wieder da. Er hatte seinen Helm liegen lassen. Komisch, irgendwie kam mir die Kalimeroschüssel ja doch bekannt vor, welche neben mir im Gras lag. Manfred hat sich auch gewundert, warum ich wieder hinter ihm lag. Ich habe Manfred übrigens nicht mehr einholen können.


3.Kontrolle Autohof Schopsdorf Kilometer 343,1

Leicht Erschöpfungserscheinungen kommen auf. Ich brauche einen Moment um mich zu dehnen. Nach einer Stärkung in Form von Spaghetti Bolognese und einem halben Liter Cola geht’s weiter. Ab hier fahre ich mit dem Hamburger Joachim weiter. Wir kommen in die Nacht. Unterwegs stoßen noch 3 weitere Fahrer zu uns zu. Kurz vor Dittfurt kommen die ersten Steigungen. Wir fahren über den Lausehügel. Der war auch lausig kalt. Von dort oben hatten wir eine schöne Aussicht aufs Umland.


4.Kontrolle Dittfurt Kilometer 460,2

Laut Raduhr war es 22:26 Uhr, als wir am Heimatmuseum in Dittfurt ankamen. Wir wurden herzlichst empfangen. Es gab supi leckere Pfannkuchen. Teils mit Äpfeln, teils mit Marmelade. Nudeln gab’s auch. Brote konnte man sich schmieren, mit allem was man sich denken kann. Müsli stand bereit. Apfelsaft, O-Saft, Wasser, Kaffee, Kakao,Tee usw. Man konnte sich sogar Duschen. Da wir ja nichts weiter dabei hatten und unsere Sachen wohl schon in Messinghausen auf uns warteten hat der Veranstalter sogar an Duschzeug und Handtücher für uns gedacht. Für einen Schlafplatz gab es eine Iso-Matte und eine Fleece Decke. Auf dem harten Boden nicht gerade Luxus. Aber bei der Müdigkeit war es mir egal. Es lagen schon andere Kreuz und Quer in einem Raum auf dem Boden.  Schnell schlief ich ein. Zuvor hatte ich aber am Kontrolltisch meine Weckzeit für 6 Uhr angegeben. Gute Nacht...........


Tag 2: Dittfurt > Messinghausen

 Sonntag:

6 Uhr wecken für mich. Nachdem ich mich geduscht hatte, bemerkte ich sogar einen Topf mit Kamillecreme. Es wurde an alles gedacht. An alles!!! Ich frühstücke ausgiebig und in aller ruhe. Gegen 7 Uhr fahre ich los. Manfred ist schon weg, glaube ich.
Es geht erst trocken, später mit regen über den Harz. Es war aber nie so heftig, daß ich mich hätte auswringen müssen. Selbst die Schuhe blieben von innen trocken. Nach einer weile wurde es wieder trocken.


5.Kontrolle Lütgenrode Kilometer 607,2

Ja was war da noch? Ich hab’s vergessen.


6.Kontrolle Messinghausen Kilometer737

Es war 20:26 Uhr, als ich in Messinghausen  zusammen mit Joachim aus Hamburg dort ankomme. Ich bin nicht mehr der Fittteste. Die Helfer haben wohl Langeweile uns errechnen so aus Spaß unsere Platzierung. Dabei erfahre ich , daß ich um Platz7-8 liege. Da ich mit Joachim zusammen gekommen bin, mag ich nicht darüber Streiten. Außerdem ist sie mir egal. Nee nicht wirklich. Ich freu mich schon riesig über diesen Erfolg.

Manfred schläft schon. Ich finde Ordnungsgemäß meine Tasche dort vor und dusche. Die große Schützenhalle ist aber nicht oder nur wenig beheizt. Ebenso die Duschräume. So ist das Warmduschen schnell wieder zunichte gemacht. Aber im Aufenthaltsraum ist es durch die angrenzende Küche kuschelig warm.

Schlafen war auf der Bühne im Saal möglich. Isomatte und Fleecedecke lagen bereit. Leider fror ich die ganze Nacht durch. Hätte ich mir doch bloß schon die Socken für den nächsten Tag angezogen.


Tag 2: Messinghausen > Rösrath

 Montag

Um 5 Uhr wecken. Manfred schläft noch. Später erfahre ich, das es ihm nicht gut geht und vor 8:00 Uhr nicht von den Helfern geweckt wird.

Gefrühstückt und Wetterfest angezogen. ¾ Hose soll’s von nun an sein. Wird bestimmt kalt werden. Zum Glück hab ich die Winterjacke eingepackt. Dann kann ja nichts schief gehen. Messinghausen Rösrath Messinghausen wird von den meisten in einer Tour gefahren. Na dann. Die Königsetappe. 5000 Höhenmeter auf ca.370 Kilometern stehen bevor.

Das härteste wird wohl Rösrath selber sein. Denn da bin ich nur  wenige Kilometer im Gegensatz zur Strecke von meinem zu Hause entfernt. Joachim ist seit ca. 4 Uhr unterwegs. Ich wollte dagegen ausgeschlafener auf die Strecke gehen. Sollte es doch eine geplante fahrt später von Rösrath zurück werden.  Nun die Strecke lies keinen einzigen Höhenmeter aus. Ziemlich steile Rampen mußten erklettert werden.


7.Kontrolle Tankstelle in Kreuztal / Buschhütten Kilometer 843,7
 

Kurz vor Nümbrecht tauchte ein Fahrer vor mir auf. Es war der Däne Morten Kjaersgaard. Ihm ging es nicht besonders und er schlief etwa eine halbe Stunde an einer Bushaltestelle. Bis Rösrath fuhren wir mehr oder weniger zusammen. Kurz vor Rösrath fing es an zu regnen. Wird man so vom Bergischen Land empfangen? Pfuii zeigst dich nicht von der Schokoladenseite. 


8.Kontrolle Schloß Eulenbroich Rösrath Kilometer 936

Fast 2/3 sind geschafft. 16:24 Eintreffen in Rösrath. Ein freundlicher Helfer tritt heraus und fragt mich, ob er meine Kette ölen darf. WOW wie bei der Formel 1 in der Boxengasse denke ich. Ich komme nass in die Katakomben des Schlosses. An einer Theke gibt es alles, was das Radlerherz begehrt. Ich bestell mir zum aufwärmen und für die kommende Nacht einen Kaffee. Mir werden Bratkartoffeln oder Nudeln angeboten. Ich entscheide mich für Nudeln. Knabbergebäck steht in einem Glas auf der Theke. Knabber , knabber, die Nudeln kommen. Morten der Däne kommt herein. Er ist auch schon gut nass geworden.

Ich frage nach einer Schlafmöglichkeit. Mir wird sogar ein aufgeblasenes Gästebett angeboten. Daneben steht auch ein Heizlüfter. Ein Helfer bemerkt zwar, das bis jetzt alle ohne schlaf zurück gefahren sind und ich den Schnitt der Kontrolle damit kaputt machen würde ;-))

Aber dennoch entscheide ich mich für eine Stunde ruhe. Die letzten 199 Kilometer hatten ja schließlich 3000Hm aufzuweisen. Und ich kenne den großteil der kommenden Strecke zumindest bis Meinerzhagen gut. Was danach kommen würde konnte ich nur erahnen. 2000Hm halt auf 170 Kilometer.

Rösrath > Messinghausen
 

Oder die Nacht der Helden ?  Oder Tag der Entscheidung

 

Um 19 Uhr werde ich vorsichtig geweckt. Morten sei gerade abgefahren. Er wollte langsam vorfahren, in der Hoffnung nicht alleine durch die Nacht fahren zu müssen.

Ich stand ziemlich müde auf. Geschlafen hab ich nicht ( Morten sagt später, er habe mich für mind. 20 Minuten gehört ) ;-)   chhhhrrrrrrr  chhhrrrrrrrr

Der Heizlüfter hat mich auch nicht wirklich gewärmt. Meine Sachen sind noch nass am Körper. Ich ziehe meine nase Winterjacke an. Darüber die Regenjacke, Überschuhe, das volle Programm halt.

Es hat sich so richtig - wie im Bergischen üblich - eingeregnet. Noch ne Tasse Kaffee und ein Stück Traubenzucker und ich mache mich leicht frierend auf den Weg. Nach wenigen Kilometern fahre ich auf Morten auf. Von nun an fahren wir zusammen weiter. Wir unterhalten uns über dies und das. Er spricht ein ausgezeichnetes Deutsch. Ab und zu ein Wort Englisch.

Die Nacht bricht herein. Es regnet und regnet. Uns ist kalt. Aber jeder anstieg wird mit freude gefahren. Wird man dort doch wieder warm. In den Abfahrten kühlen die Beine aber schnell wieder aus. Bei anfahren sind sie stock steif und schmerzen ein wenig. Dazu fällt mir immer wieder Tanjas Ausruf beim Schlußsprint vom Condorflug Marathon ein.

Aua aua auuuuuuuuu.

 

Noch konnte ich über diesen Gedanken lachen.  Später erfuhr ich, daß 4 Italiener hier ausgestiegen sind und wohl mit dem Zug zurückgefahren sind. Astrid hatte wegen Kniebeschwerden aufgeben müssen. Trotzdem ist sie aber auch so etwa 1500Km weit gefahren ( mit anreise ) Hut ab !!!

Joachim hat in der Nacht in einem warmen Hotelbett übernachtet.

 

9.Kontrolle Tankstelle in Bamenohl/Finnentrop Kilometer 1025,5

Was soll ich schreiben. 
Es könnte ein ganzes Buch werden. Das nun erlebte kann man nicht beschreiben. Ich versuch’s trotzdem ein bisschen in Worte zu fassen.

Es war scheiße kalt geworden. Der regen kotzte mich mittlerweile an. Gegen Mitternacht erreichten wir knapp 10-15 Kilometer vor Finnentrop ein Hotel, welches sehr gehoben zu sein schien. War dort vielleicht auch ein Golfclub ansässig? Ich weiß es nicht. Es brannte auf jeden fall nicht. Auf der Kontrollkarte stand auf jeden Fall die Tankstelle oder frei wählen. Da ich der Meinung war, daß wir vor eine geschlossene Tankstelle stoßen würden, schlug ich Morten vor hier zu stempeln. Gesagt getan. Klitsch nass und frierend traten wir in die Rezeptionshalle ein. Schlürften mit unseren mittlerweile schmutzigen Radschuhen über den edlen Teppich und klackerten dann die wenigen Schritte bis zur Rezeption vor. Ebenfalls in der Wartehalle stand ein Gast, der wohl gerade einchecken wollte. Wir warteten auf die Bedienung.

Der Typ mit Krawatte und Vipkarte am Halsband musterte uns von oben bis unten. Wir hatte noch unsere Helmfunzel an und trieften wohl alles voll. Als eine nette Dame uns begrüßte.

Ich erklärte ihr unser vorhaben uns das wir gerne einen Stempel hätten. Leicht zögernd aber dennoch freundlich nahm sie den Stempel und fing bei mir an. Als ich sie bat, bitte noch die Uhrzeit, das Datum und eine Unterschrift darunter zu setzen sagte sie zu uns, daß wir wohl sehr fordernd seien und welcher bekloppte um die Uhrzeit und dem Wetter mit dem Rad unterwegs sei. Schnell verließen wir den für mich unwillkommenen Platz. Obwohl die Couch in der Wartelounge sehr zum auftauen einlud. Aber so triefend wie wir waren, hätten wir wohl die Grundreinigung dieses Edlen Teiles nie bezahlen können.

Aber wir hatten unseren Stempel und witzelten kurz über das erlebte. Wir fuhren nun in den Ort. An der Tankstelle war tatsächlich keiner mehr. Jetzt mußten wir aber wieder bis zur Ortseinfahrt zurück. Na das hätten wir uns ja sparen können. Jetzt ging es aber ab nach Messinghausen.

Regen immer nur Regen. Wir kletterten müde eine Steigung hinauf. Der Nabendynamo brachte bei 39/32 und geschätzte 5Km/H echt null Licht. Es wurde oben auch noch Neblig. Die Helmlampe erzeugte in der Tropfenangereicherten Luft nur einen Weißen Reflexionsstreifen direkt vor unseren Augen. Dabei konnten wir ebenfalls nicht erkennen. Also Sicht = NULLKOMMANIX. Stockfinster, Arschkalt und JotWiDeh.

( Am Arsch der Welt )

Dazu kam dann die unendliche Müdigkeit.

Die Augen konnten im dunklen auf nichts mehr fixiert werden. Schaute ich auf etwas genau drauf, dann sah ich nichts mehr. Schaute ich dran vorbei, konnte ich etwas „ ERAHNEN „ mehr auch nicht.

Dazu hätten meine Augenlieder wohl die Dicksten Betonpfeiler ( Umgangssprachlich Streichhölzer ) zum zerknirschen gebracht.

Müdigkeit = Kälte.  Erschöpfung = Kälte.  Nässe = Kälte.   Wind = Kälte.  Und es ging und ging nicht voran.

Noch 60 Kilometer bis Messinghausen.

Unendliche 60 Kilometer.

Bergab konnte ich nicht rollen lassen, weil ich nichts gesehen hab. War das Licht ja noch zu dunkel. Dafür wäre mehr Geschwindigkeit nötig gewesen. Die ging nur bei mehr Licht. Ein Teufelskreislauf.

Auf einmal hörte ich hinter uns ein zischen. Es wurde schlagartig stürmisch. Wohl der selbe Sturm, welcher Gabis BoFröstie in einen Feuerwehreinsatz trieb.

Also Bergab = Null vortrieb. Wir mussten treten um überhaupt runter zu kommen.

Es wurde noch kälter in uns. Wir hatten beide keine Kraft mehr zum treten. Mit vielen die Augen immer wieder zu. Ich bat Mortenum eine kleine Pause. Nur eine kleine, denn das stehen kühlte uns ja immer weiter aus.

Ich blieb mit dem Rad zwischen den Beinen stehen, zog mit beiden Händen die Bremse an, denn wir standen mal wieder in einem Berg.

Ich legte nur kurz meinen Kopf auf die Lenkertasche um meine Augen einen Augenblick ausruhen zu lassen. Morten fragte wie lange wir den stehen würden. Ich hoffte er würde nicht genervt sein, wenn ich jetzt sagen würde „ Bitte 2 Minuten oder auch gerne 5 “

Dabei wollte er es nur wissen, ob es sich lohnen würde eine Zigarette zu drehen. Erfreut über die gewonnene Zeit sagte ich ihm „ Lass die Zeit ja? „

Morten drehte seine Zichte. Dabei kam wohl ein Regentropfen von seinem Helm genau auf die Kippe. Lol

Wir fuhren, nein krochen weiter. Irgendwann, irgendwo in einem kleinen Kaff stand linker Hand ein Geräteschuppen, in welchem diverse Arbeitsgeräte von Treckern standen. Dahinter lag irgendein Zeug von Persenning bzw. Folie auf dem Boden.

Morten, der früher bei den Pfadfindern war erkannte unsere Chance. Wir verkrochen uns unter dieser Plastikfolie .Wir lagen weich und trocken. Aber die Kälte war im Körper. Wir lagen erst dicht an dicht um uns gegenseitig zu wärmen. Später suchte Morten in dem Schuppen noch nach anderem wärmenden Zeug um es sich noch bequemer zu machen.

Ich weiß nicht, wie lange wir dort so rumkauerten. Irgendwann fragte ich Morten, ob wir nicht doch weiter sollte. Wärmer wird’s eh nicht, aber unsere Augen konnten wir wieder offen halten. Und die wärmende Dusche stand halt in Messinghausen. Ich dachte Zeitweilig sogar daran irgendwo an einer Haustür zu klingeln und um Hilfe zu bitten. Aber stellt Euch mal vor , mitten in der Nacht schellt ein Wildfremder an eurer Tür Sturm und will in Eure Stube um sich zu wärmen. Dabei Leuchtet er mit der Helmlampe mitten in Eure Augen und blendet Euch. MMMhhhh keine gute Idee dachte ich.

Käme jetzt doch blos eine Feuerwache oder eine Polizeidienststelle. Dort würde ich es auf jeden Fall versuchen.

Es kam aber nichts. Wie immer, wenn man sie braucht...........

Wir fuhren also weiter. Doch jetzt mit den Nasskalten Klamotten froren wir noch mehr. Ich rechnete schon mindestens mit einer Lungenentzündung.

Die 60 Kilometer zogen sich ins Unendliche.

Ankunft in Messinghausen um 7:38 in der früh.

Die Helfer nahmen uns sofort unsere Räder ab und versorgten uns vorbildlich. Die Dusche erlöste mich von meinen Qualen. Aber beim abtrocknen kam die Kälte wieder, da ja wie vorher schon beschrieben der Raum nicht beheizbar war.

V8`s Rad stand immer noch da. Ja dann ist er wohl aus dem rennen. Joachim, der lange vor uns in Richtung Rösrath gestartet ist, ist immer noch nicht da. Wir haben ihn Unterwegs auch nirgends gesehen.

Da wir die einzigen waren (Morten, ich und V8) alle anderen waren noch unterwegs, nahm ich mir diesmal 2 Isomatten und drei Decken.

Eine für zum drauf liegen, eine zum zu decken und eine gerollt für unter dem Kopf.

Wecken für 13 Uhr angemeldet.

 

Messinghausen > Lindern

Dienstag

13 Uhr weckte uns Manfred. Ich fragte nach seinem Befinden und erklärte ihm unseren Höllentripp. Joachim ist gerade weg. Er hat unterwegs ein Hotel gefunden und im warmen geschlafen. Astrid war während unserer Abwesenheit kurz da. Ich fühlte mich nicht wirklich wohl. Auch dieses mal habe ich nicht gut geschlafen. Gefroren hab ich trotz allem. Eine Engländerin gab mir eine Aspirin als Vorsorge. Toll jetzt bin ich gedopt dachte ich mir. Kaffee, Cola und Aspirin, wie die Rennfahrer......

Mit einem leichten Kratzen im Rachenraum und der Hoffnung auf einen mindestens herannahenden Schnupfen machte ich mich gegen 14:36 mit Morten auf den Weg nach Lindern. .Diesmal in Langer Radhose und Halstuch zusätzlich. Aber es war jetzt wärmer als gestern. Und trocken war es. Ich traute meinen Augen nicht.

Direkt von der Kontrolle weg ging es nach ca. 2 Kilometern einen Anstieg hinauf. Ich fuhr äußerst vorsichtig. Der Puls ging nicht mehr über 100 hinaus. Ich mußte etwas eingefangen haben. Oben angekommen ging es aber für den Rest des Tages tendenziell  bergab. Kurze Zeit später überholte uns das erste Gepäckfahrzeug von Messinghausen nach Großhansdorf. Drin saß V8. Sie fuhren etwas voraus um uns an einer Kreuzung zu filmen und fotografieren. Dabei übersahen wir natürlich freundlich winkend den Abzweig.

Manfred rief uns sofort hinterher und ich bemerkte den Fehler.

Nach ca.40 Kilometern wurde es mir im Winteranzug viel zu warm. Ich zog mir fast alles aus. Die Jacke konnte ich auswringen. Aber nach dieser Schwitzkur ging es mir wieder blendend.


11.Kontrolle Tankstelle in Bad Salzuflen Kilometer 1225,1

Kurz vor der Tankstelle  haben wir uns in einer Pizzeria gestärkt. Später ging es noch über das Wiehengebirge. Dann war es für den Rest der Strecke nur noch flach. Wir fuhren in die Nacht. Dabei wurde es aber immer wärmer. Die Grillen zirpten links und rechts des Weges. Morten und mir ging es sau gut zu diesem Zeitpunkt. Wieder plauderten wir über Gott und die Welt.

Teilweise fuhren wir sogar recht schnell. So etwa 30-35 Km/H und wechselten und mit dem Windschatten ab. Es war die schönste Nacht, die ich bis dato auf dem Rad erlebt habe.

23:18 Ankunft in Lindern.


12.Kontrolle Lindern Feuerwehrgerätehaus Kilometer 1312

Lindern > Großhansdorf und Ziel
 

Mittwoch

Morten wollte gegen 5 Uhr weiter fahren. Ich wollte aber ausschlafen und gegen 8 Uhr weiter fahren und mir einen gemütlichen Tag mit lockeren 215 Kilometern bis Großhansdorf machen.

Morten ging noch mal raus um eine Zigarette zu rauchen. Derweil legte ich mich schon mal hin. Duschen gab es keine. Ich hatte immer noch die lange Hose an. Der sehr kleine Raum war beheizt. Es schliefen dort schon einige. Es war diesmal recht war. Ich schlief dementsprechend sehr schnell ein.

Es war noch dunkel als mich jemand weckte. Ich wollte doch aufstehen. „Wollte ich das?“ fragte ich. Der Helfer entschuldigte sich vielmals. Er hat sich vertan. Es war die Weckzeit für Morten stellte ich später fest. Um sieben wurde ich dann korrekt geweckt.

Ich stand auf. Duschen war nicht sagte ich bereits. Ich bekam einen Zettel in die Hand gedrückt.

Ein Abschiedsbrief von Morten mit E-Mail Adresse. Was drin stand tut nichts zur Sache, aber es ging mir echt an die Substanz. Was wir in den letzten Tagen zusammen durchgemacht hatten schweißte uns echt zusammen. Scheiße ich mußte heulen. Hatte ich einen echten neuen Freund gefunden. Nun hab ich ihn nicht mal verabschieden können. Ich Frühstückte spärlich, kaute an einem rammel Brot lustlos herum.

Gegen 8:00 Uhr fuhr ich dann zusammen mit Joachim in Richtung Hamburg. Mist ich versuch Morten einzuholen. Er erzählte gestern abend noch, daß er wohl recht langsam unterwegs sein würde. Wir im ausgeschlafenen zustand würden ihn im flachen bestimmt einholen.

Ich setzte mich von Joachim ab. Es trat sich sehr zäh. Das Wetter war genial. Leider hatte ich keine kurze Hose mit. Zudem hatte ich ja noch die Hose von gestern Non-Stop an. Nur was für Randoneure halt. Die Streckenwahl ging jetzt nur gerade aus. Teilstücke bis zu 9 Kilometern immer gerade. Man konnte einen heranfahrenden LKW für mindestens 10 Minuten heranrollen sehen, bis er endlich an einem vorbei fuhr. 
 

13.Kontrolle Tankstelle in Verden Kilometer 1365,4

  Als Joachim ankam fuhr ich direkt weiter.

Vor mir niemand. Kein Morten. Mir ging die Energie aus. Es zog sich so elendig lang. Ich machte eine Pause an einem Haltestellenhäuschen. Joachim fuhr klingelnd und winkend vorbei. Ich entschloss mich dann doch endlich wieder weiter zu fahren. Ich wollte wieder an Joachim heran fahren. Aber er war schon zu weit weg. Ich sah ihn nicht mehr. Jetzt war auch er weg.

 

14.Kontrolle Tankstelle in Winsen Kilometer1470,2 

Ich werde von einem der zwei Liegeradfahrer eingeholt. Ihn hatte ich zuletzt in Wittenberge gesehen. Dann nie wieder. Man bin ich schlecht geworden. Aber das flache Terrain ist ja sein Revier. Auch Windschatten kann er nicht geben. Jetzt kommen auch noch zwei Holländer von hinten heran. Die hatte ich auch vor langer Zeit bei Wittenberge hinter mir gelassen. Werde ich jetzt etwa vom ganzen Feld von hinten eingeholt?

Es blieb dabei. Zu viert setzen wir unsere fahrt fort. Kurz  vor dem Ziel muss ich aber reißen lassen. Die letzten 10 Kilometer ziehen sich wie Tausend. Die ganzen Eindrücke laufen wie ein Film noch mal in Gedanken ab.

Danke Tanja und Uwe, später auch Gabi für Eure aufmunternde SMS. Aber gebracht haben sie beintechnisch nichts. Aua au auuuuuuuuuuu........

Kilometer für Kilometer kommen jetzt Wehwehchen hinzu. Stechen im Fuß, Stechen in den Zehen wie Nadelstiche. Der Hintern wund. Ich kann nicht mehr sitzen.

Und endlich ist es erreicht. Das Ziel.

 

Morten ist noch da. Er hat extra auf mich gewartet. Wir verabschieden uns und verabreden und sofort für Paris Brest Paris 2007. Aber mit Start am Dienstag morgen für unter 80 Stunden Fahrer. Ich  feierte dann noch bis ca. 2 Uhr in der Nacht. Hatte somit meinen toten Punkt weit überschritten.

Einige Helfer warteten noch bis 5 Uhr in der früh auf etwaige Einläufer. Was mir besonders gefiel war folgendes. Saßen wir am Anfang alle nach Nationalität sortiert, jetzt kunterbunt zusammen und erzählten über erlebtes teils in deutsch, teils in englisch und ein bisschen mit den Händen und Füßen. Wozu das Radfahren doch alles nützlich ist.

 

Dazu fiel mir folgender Satz ein: Fuck off War, drive bike !!! 

Dear Morten ! 

600 Km with you are burned for ever in my brain.

I never forget this night.

Dear friend Peter 

einen weiteren Bericht gibt es auf Siggis Seiten

 

Peter Wöhler

 

Drucken

Inhalte, Konzept und Umsetzung: Hermann Dirr, Templates: intwerb.de