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Italien mit
Wohnmobil und Rennrad
Unsere 2. Langzeitreise führt uns nach
Italien. Auf Sizilien wollen wir die kältesten Wintermonate überbrücken. Ende
Januar 2008 starten wir auf die lange Reise in den Süden. Für die
Alpenüberquerung wählen wir den Fernpass und die Brennerbundesstraße.
Am Gardasee machen wir die erste Station. Bei schönstem Wetter sehen wir hier
eine Unmenge Radler ihre Runden drehen. Uns ist diese Gegend aber zu
verkehrsreich und wir setzten nach einer Übernachtung die Fahrt in den Süden
fort.
Die ersten Radtouren machen wir im Hinterland von Riccione. Nur 2 Touren
stehen hier zu Buche, dann fliehen wir vor dem Regen. Auf direktem Weg fahren
wir auf der Autobahn bis zur Halbinsel Gargano. Hier ist das Wetter besser und
so erkunden wir fast eine Woche den Nationalpark. Ohne allerdings die schönste
Seite der Halbinsel gesehen zu haben, aber dazu kommen wir später noch.
Die Touren sind herrlich und mit ein wenig Wehmut verlassen wir das Gebiet und
landen auf unserer Weiterfahrt im Golf von Taranto. Die Küstenlinie gefällt
uns nicht (Kies-Strand, Eisenbahnlinie und Schnellstraße an der Küste entlang) und
so kommt es, an der Grenze nach Calabrien nur zu einer Tour.
Die nächste Station führt uns zur
Halbinsel auf der Westseite des Stiefels, nach Vibo Valentina. Hier gefällt
uns die Gegend schon mehr, wobei das Wetter natürlich sehr beiträgt. So
verbleiben wir auf der Halbinsel eine Woche und erleben wunderschöne
Radtouren. Einzig der allgegenwärtige Müll und die an den Straßenrändern
liegenden, überfahrene Hunde, trüben ein wenig den schönen Eindruck.
Aber wir wollen ja eigentlich nach
Sizilien und so nehmen wir schweren Herzens Abschied von dieser Gegend.
Wir haben Mitte Februar und das schöne
Wetter verspricht einen schönen Aufenthalt auf der Insel. Über die Autobahn
geht es von Messina aus in Richtung Süden. Das Stadtbild von Messina wird von
einer schäbigen Bebauung geprägt. Wir halten uns nicht lange auf und fahren in
den Süden der Insel.
Schön sehen wir auf unserer rechten Seite den schneebedeckten Gipfel des Etna.
Zu unserer Linken jedoch die, mit Industrie, zugebaute Küstenlinie. Erst
südlich von Siracusa verlassen wir die Hauptstraße und fahren zum Meer.
Die Radtouren sind sehr schön, doch es
ist immer eine einige Kilometer weite Anfahrt über die stark, schnell und
italienisch befahrene Staatsstraße von Nöten. Dabei haben wir festgestellt
dass die italienischen Autofahrer die Besten der Welt sind. Noch nie sind wir
so oft mit so knappem Abstand überholt worden wir hier auf Sizilien. Dazu sind
die Italien wohl die einzigen die um Kurven und über Bergkuppen sehen können.
Nur so sind die Überholvorgänge an diesen gefährlichen Stellen zu Erklären.
Wir hangeln uns weiter mit dem
Wohnmobil an der Küste entlang und sind über die unansehnlichen
Foliengewächshäuser wenig erbaut. Gewächshäuser soweit das Auge reicht. In
Gela kehren wir der Küste den Rücken und versuchen im hügeligen Hinterland
unser Glück. Das haben wir auch. Die Straßen sind wenig befahren doch
teilweise in einem katastrophalen Zustand. So ist bei den Touren immer
allergrößte Vorsicht geboten. Die Anstiege haben in diesem Teil einen
maximalen Höhenunterschied von 200 Metern. So ist es ein gutes
Trainingsrevier. Nach ein paar Tagen verlegen wir den Startort nördlich von
Caltagirone. Dieser Landstrich ist sehr arm und viele verlassene Häuser stehen
an den Straßenrändern. Der Straßenzustand ist so schlecht, dass wir nach einer
Radtour (Fußtour) weiter gen Norden fahren.
Wir landen im Nationalpark Nebrodi.
Herrliche Radtouren erleben wir hier. Und auch die einzige Passfahrt auf
Sizilien können wir hier fahren. Schneefall und Regen verhindern einen
längeren Aufenthalt in dieser Gegend. So fahren wir wieder zur Südküste und
können dort weitere Radtouren unternehmen. Leider ist es hier relativ flach
und so kommt das Bergefahren ein wenig zu kurz. Über mehrere Stationen landen
wir schließlich bei Sciacca.
Leider werde ich hier krank und
befürchte eine Einweisung ins Krankenhaus. Aus diesem Grund beschließen wir
die Insel zu verlassen und uns in Richtung Heimat zu orientieren.
Kaum auf dem Festland sind die
Wehwehchen verflogen. So machen wir Station am
Golf von Policastro. Das Wetter
ist schlechter geworden und es vergeht keine Radtour, sofern sie überhaupt
möglich ist, ohne einen Regenschauer. Das macht keinen Spaß und wir fahren
weiter an die Adria nach Gargano. Diesmal kommen wir von Süden und landen an
eine überwältigend schöne Steilküste. Sie ist ein Augenschmaus schlechthin.
Aber es gibt auch noch viele schöne Straßen und Anstiege die wir unter unsere
Räder nehmen. Eigentlich fangen unsere Rennradtraumtouren nun erst an.
Die nächste Station ist der
Nationalpark Della Majella. An den Pässen Lanciano und Leonardo konnten wir
unsere Bergequalitäten weiter trainieren. Abruzzen hat nicht nur den
Nationalpark della Majella, sondern auch den Gran Sasso. Neben der höchsten
Erhebung auf der Apenninhalbinsel (Corno Grande) erleben wir auch 4
Auffahrten zur schönsten Hochebene des Nationalparks (Campo Imperatore).
Leider können wir die Auffahrt zum höchsten Pass in dieser Gegend, dem Passo
Leonessa, wegen einer dichten Schneedecke nicht zu Ende fahren.
Der Nationalpark Monti Sibillini ist unser nächstes Ziel und grenzt nördlich
an den Nationalpark Gran Sasso. Auch hier erleben
herrliche Passauffahrten. Ein Frauenradrennen in San Marino veranlasst uns zur
Weiterfahrt. Ergebnis, bis auf das Radrennen haben wir alles in San Marino
gesehen. Von der Rennveranstaltung, gab es außer im Tour-Magazin, keinerlei
Hinweise.
Es ist Mitte Mai geworden und die
letzten Tage unserer Reise wollen wir in den Alpen verbringen. Da wir die
Pässe um die große Dolomitenstraße herum schon gefahren sind, fahren wir die
kleine Stadt Agordo an. Von hier aus starten wir zu den Pässen Duran, Cereda,
Cibiana. Für die Tour über Passo Falzarego und Giau starten wir von Caprile
aus. Leider ist das Wetter nicht nach unseren Wünschen
und so machen wir uns nach einer Woche auf den Heimweg.
Nach einigen weiteren Regenstationen
lacht bei unserem Halt im Altmühltal endlich wieder die Sonne. Mit schönen
Radtouren in Bayern lassen wir unsere Reise ausklingen.
Das Ergebnis unserer Reise in Zahlen:
Berichte von 51 Rennradtouren in Italien mit 3284 Rennradkilometer und 70485
Höhenmeter.
Dazu die GPS-Tracks , Höhenprofile, Streckenpläne und unzählige Bilder
Nachwort: Angesichts der frühen
Reisezeit im Jahr, ist es für Wohnmobilisten schwer in Italien eine intakte
Infrastruktur für die Ver- und Entsorgung des Wohnmobil vorzufinden. Alle
Campingplätze sind noch geschlossen und selbst die Wasserversorgung bereitet
vor allen Dingen im Süden große Probleme.
Von Rennradtouren auf Sizilien ist
eigentlich, nach unseren Erfahrungen, ganz abzuraten. Sehr schlechte oder aber
stark befahrene Straßen sind uns hier in Erinnerung geblieben. Es gibt
natürlich einige wenige Ausnahmen. Aber dafür die weite Anreise nach Sizilien
zu machen, lohnt kaum. Da kann man besser der Halbinsel Gargano einen Besuch
abstatten, denn hier stimmt alles. Perfekte Straßen, kaum Verkehr und schöne
Anstiege gibt es. Dazu traumhafte Küstenlinien.
Ein Rennradtraum sind natürlich auch
die großen Nationalparks in Mittelitalien, in Abruzzen und Marche. Schönere
Rennradtouren sind selbst in den Pyrenäen und Alpen nur schwer vorstellbar.
Die Gegend, ein Rennradtourentraum schlecht hin.
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