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Die
erste schwere Prüfung in diesem Jahr steht uns bevor. Der 200er Brevet in
Jesberg. Martin, der Veranstalter, hatte zwar auf seiner Internetseite
2700 hm angegeben, doch aus dem vergangenen Jahr wusste ich, es sollten nur
2200 hm werden, vorausgesetzt die Strecke war die Gleiche. In der
vergangenen Woche hatte ich mich mit heftigen Hüftgelenk und Kniebeschwerden
herumgeplagt. Treppensteigen und normales Gehen bereiteten mir größte
Probleme. Radfahren hatte ich mich gar nicht getraut und nun geht die Saison
erst richtig los. Das kann ja heiter werden.
Wir
fahren am Freitagabend nach Jesberg. Tanja und Uwe wollten dort auch fahren
und so gegen 21:00 Uhr dort sein. Doch als wir um 21:20 Uhr am Haus vom
Veranstalter Martin Kirschner ankommen, ist niemand zu sehen. Wir machen
einen kleinen Spaziergang durch den Ort und auf dem Rückweg, entdecken wir
eine kleine Straße die mit 20% Steigung zum Startort hinauf führt. Wir
schlagen diesen Weg ein und fachsimpeln darüber, wie schwer es sein würde,
diese Steigung mit dem Rad zu fahren.
Oben
am Startort treffen gerade unsere beiden MitstreiterInnen ein. Nach kurzem
Hallo kommt auch Martins Mutter dazu und erzählt uns, dass ihr Sohn erst um
3:00 Uhr morgens eintreffen wird. Er ist zurzeit beruflich stark
eingespannt. Es ist praktisch schon einmal sein Training für den
Schlafentzug.
Wir
sind alle sehr müde und ein wenig aufgeregt vor dem was uns morgen erwartet.
Auch Tanja fühlt sich nicht so wohl. Und so hocken wir nicht, wie schon so
oft, noch zusammen, sondern legen uns früh schlafen. Ich werde häufig wach,
weil ich Schmerzen in der Hüfte verspüre und habe immer mehr Bammel vor dem
morgigen Tag.
Der
Wecker klingelt um 6:00 Uhr und während wir uns fertig machen, treffen zwei
weitere Mitstreiter für den Brevets ein. Die von Martin verteilten
Startunterlagen sind von bester Qualität. Der Streckenplan ist sogar fast
für Blinde lesbar und die DIN A 4 große Landkarte ist auf wasserfestem
Fotopapier mit wasserfester Tinte gedruckt.
Mit 7
RadlerInnen verlassen wir Jesberg. Heute gehe ich das Ganze sehr langsam an,
denn ich möchte erst probieren, ob es sich mit meinen körperlichen Problemen
überhaupt fahren lässt. So sehen wir, wie Martin, Hermann und Harald sich
vor uns langsam entfernen. Uwe macht mich auf den Luftverlusst meiner
Hinterreifen aufmerksam. Beim Aufpumpen, heute Morgen war das Ventil wohl
nicht richtig verschlossen. Nachdem wir wieder weiterfahren, sind die drei
vor uns ganz verschwunden. Die Tour führt auf fast geisterhaft, weil für uns
so unnormal, wirkenden autofreien Straßen nach Gmünden.
Hier
steht der 1. Anstieg über Lehnhausen nach Rosenthal an. Zu meiner
Überraschung habe ich beim radeln keinerlei Probleme. In Ernsthausen
erreichen wir die Bundesstraße B252 Wir biegen in Richtung Süden ab und nach
wenigen km kommen wir zu einer Bahnlinie. Der Streckenplan weist uns nun auf
den Wirtschaftsweg der rechts der Bahn verläuft. Das auf dem Plan
angekündigte große Schlagloch ist wohl inzwischen repariert worden, denn wir
können keins entdecken.
Bevor
wir zur 1. Kontrolle in Hatzfeld kommen steht uns ein weiterer Anstieg
bevor. Hier werden schon einmal kleine Sprints gefahren und da ich keine
Schmerzen verspüre, macht mir das Radfahren richtig Spaß. Auch Tanja hat
keine Probleme und Uwe fährt sowieso unter seinen Möglichkeiten. Leider
verliert nun mein Vorderrad Luft und es ist das gleiche Problem wie zuvor.
Also aufpumpen und die Ventile richtig anziehen. An der Kontrolle in
Hatzfeld hören wir, dass die anderen Randonneure 20 Minuten vor uns sind.
Wir stärken uns und es geht weiter ins Rothaargebirge. Der Anstieg nach
Jagdhaus verlangt uns alles ab. Kurz vor der Höhe, wir sind hier 660 Meter
über NN, ereilt Uwe der Pannenteufel. Wie es sich für Randonneure gehört,
rührt keiner einen Finger zur Hilfe. Na ja, ich sichere ein wenig uns
Radfahrer vor den Autos, alles kann Uwe ja nicht gleichzeitig machen.
Hoffentlich werde ich jetzt von den strengen Brevetveranstaltern nicht
disqualifiziert. Wegen unerlaubter Hilfe, ach’, dann müsste ja Uwe
disqualifiziert werden, denn ihm wurde ja damit geholfen.
Spaß
beiseite, nach 10 Minuten sitzen wir wieder auf dem Rad und das letzte Stück
nach Jagdhaus wird zum Kinderspiel. Die Abfahrt ist ganz schön kalt, zumal
wir hier oben immer wieder Schneefetzen, rechts und links der Straße sehen.
Die wenigen Autos unterwegs lassen die Abfahrt zum Genuss werden. In
Fleckenberg sieht sich der Fahrer des roten Kadetts HSK T 2017 dazu berufen
uns bei seiner Vorbeifahrt mit wenigen Zentimetern Abstand, auf den gerade
beginnenden linkseitigen Radweg aufmerksam zu machen. Nur mit Mühe und
großem fahrerischem Geschick kann Tanja einen Sturz vermeiden.
Der
Fahrer macht eine Vollbremsung, steigt mitten auf der Straße aus und schreit
etwas von Radweg benutzen und so. Von solchem Terror eingeschüchtert,
versuchen wir den Radweg auf der anderen Straßenseite zu erreichen. Aber
hier, kurz vor Schmallenberg fahren alle wie die Idioten. Erst nach mehren
Minuten gelinkt es uns den Radweg über die Straße auf den Radweg zu
gelangen. Schon kurz darauf kommt der Kadett mit viel zu hoher
Geschwindigkeit entgegen. Er hat sein Ziel erreicht. Durch seinen
gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Bedrohung und Gefährdung
unserer Gesundheit, hat er es geschafft, die Straße für Raser wie ihn,
wieder frei zu bekommen. Nach dem Motto, wenn ich rasen will, haben
Radfahrer nichts auf den Straßen zu suchen.
Die
zweite Kontrolle ist an einer Tankstelle im Ort. Nach einer ausgiebigen
Pause bemerken wir, dass es hier mit der Ruhe auf den Straßen vorbei ist. Es
müssen wohl alle ihre Einkäufe für’s Wochenende tätigen und da ist dann
eilig angesagt. Wir sind froh als wir uns auf einer kleinen Straße wieder
finden. Es geht zwar bergauf nach Oberkirchen, doch wir sind jetzt ohne
Autos unterwegs.
Wir
durchqueren die Ortschaft und es beginnt der Höhepunkt des Brevets,. Es ist
der Anstieg über die Nebenstrecke nach Altastenberg.. Der Aufstieg führt uns
auf 800 Meter über NN. Kurz unterhalb des Kahlen Asten. Auf den Skipisten
ist noch Betrieb und auf den Straßen hier, kurz vor Winterberg, auch. Nach
der Ortsdurchfahrt kommen wir nach 123 km an der Araltankstelle zur 3.
Kontrolle. Wir verpflegen uns und ich ziehe mir meine Regenjacke an, denn
von hier oben kann es ja erst einmal nur abwärts gehen. Der Gegenwind, der
auf der Hinfahrt nach Winterberg unsere Fahrt stark behinderte, ist nun
unser Verbündeter. Er schiebt uns vor sich her nach Küstelberg. Den
schwersten Teil der Strecke haben wir nun hinter uns. Es folgen, bis zur
letzten Kontrolle am Edersee, nur kleinere Wellen und lange Flachpassagen.
Ab Dorfitter schlägt der Brevet die südliche Richtung ein und wir fahren
einige Kilometer auf der Bundesstraße B252. In Hatzfeld erwartet uns die
letzte Kontrolle in Form einer Tankstelle. Auch hier stärken wir uns und
ruhen uns ein wenig auf der Bank vor der Tanke aus.
Nach
der Weiterfahrt sehen wir rechts den Edersee. Wir fahren über die Brücke und
die Straße folgt dem Lauf der Eder. Erst in Schmittlotheim verlassen wir die
Bundesstraße und fahren links Richtung Frankenau. Der Ort liegt auf 450
Meter über NN und die Straße steigt zuerst allmählich, aber nach einigen
Kilometern immer steiler werdend an. Ab Frankenau bleiben wir einige Zeit
auf der Höhe und müssen noch einmal ein wenig klettern, um auf die
Bundesstraße B253 zu kommen. Es geht nun links weiter bis nach Löhlbach.
Hier biegen wir rechts ab und über eine kleine Rampe verlassen wir den Ort
in Richtung Haina. Schon nach kurzer Zeit biegen wir ab nach …
Der
weithin sichtbare Funkturm auf dem „Hohen Lohr“ wartet bedrohlich wirkend
auf uns. Geht es dort hinauf? Na, nicht ganz im Ort Battenhausen führt uns
die Straße, den Turm umrundend, dann wieder abwärts. Allen geht es ganz gut
als wir Schönau erreichen und auf die Straße kommen, die wir schon auf der
Hinfahrt befahren haben, kommt, wie Uwe hinterher sagte, sogar ein wenig
Euphorie auf. Es sind nur noch wenige Kilometer die uns vom Ziel trennen.
Eine Hürde liegt nur noch vor uns, der Anstieg zum Wohnort der Familie
Kirschner. Uwe entfernt sich mit leichtem Tritt von uns, Astrid kürzt ab und
nimmt den 20% er. Tanja und ich fahren so lala den Berg hinauf. Martin und
Harald erwarten uns vor dem Haus. Wir sind alle froh diesen schönen Brevet,
bei schönstem Radfahrwetter unter die Räder genommen zu haben und freuen uns
schon auf die 300er Tour die uns, wie Martin ankündigte, in die Rhön führen
wird.
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Streckenplan
Jesberg
Densberg
Schönstein
Moischeid
Gemünden
Lehnhausen
Rosenthal
Roda
Ernsthausen
Münchhausen
Wollmar
Frohnhausen
Eifa
K 1 Hatzfeld
Beddelhausen
Schwarzenau
Raumland
Raumland-Bahnhof
Aue
Wingeshausen
Jagdhaus
Fleckenberg
K 2 Schmallenberg
Almert
Oberkirchen
Inderlenne
Westfeld
Altastenberg
Winterberg
K 3
Ruhrquelle
Küstelberg
Wissinghausen
Deifeld
Referinghausen
Oberschledorn
Nieder-Schleidern
Goldhausen
Nordenbeck
Nieder-Ense
Dorfitter
Thalitter
K4 Herzhausen
Kirchlotheim
Schmittlotheim
Altenlotheim
Frankenau
Löhlbach
Battenhausen
Haddenberg
Dodenhausen
Schönstein
Densberg
Jesberg
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