Eine Woche vor dem Start der RTF-Saison
findet in Wachtendonk der erste 200 Kilometer Brevet in 2006 statt. Die
Wettervorhersage ist schlecht. Heftige Schneefälle in der Nacht von Freitag
auf Samstag und leichte Schneefälle am Samstag sind vorhergesagt. So fahren
wir am Freitagabend mit einem mulmigen Gefühl im Bauch gen Wachtendonk. Der
Ort liegt bei Mörs am Niederrhein. Hier wohnt Michael, der Veranstalter, und
vor seiner Haustür startet die Tour. In unmittelbarer Nähe finden wir einen
schönen Standplatz für das Wohnmobil. Ein kleiner abendlicher Stadtbummel
führt uns in den historischen Ortskern. Viele kleine schnuckelige Häuschen
in fast typisch holländischer Bauform sehen wir hier. Es ist aber erbärmlich
kalt und wir sind froh als wir wieder im Warmen sind.
Der Wecker schmeißt uns um 6:30 Uhr
aus dem warmen Bett. Ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass die
vorhergesagten heftigen Schneefälle in der Nacht ausgeblieben sind. Unsere
Stimmung steigt augenblicklich. Nach einem ausgiebigen Frühstück, fahren wir
zum Start. Axel kommt uns schon entgegen. Auch Kurt und Peter treffen wir.
Astrid wird von einigen aus der Brevetszene herzlich begrüßt. Aber auch
andere Bekannte aus der Radsportszene sehen wir, so ist auch von den
Kettwigern, Ralf und Stefan am Start. Peter Zinner aus Düsseldorf suche ich
allerdings vergebens.
Nach dem obligatorischen Startfoto,
geht es im geschlossenen Verband los. Die Tour führt uns nach kürzester Zeit
über kleine Nebenstraßen und Wirtschaftswege in Richtung holländischer
Grenze. Nach 16 Kilometern wird der höchste Punkt der Strecke mit 81 Metern
über NN erreicht. Auf einem vereisten Wirtschaftsweg trennt sich die Spreu
vom Weizener Weizen (Virenque ist dabei und auch Bergfloh) entfernt sich
schnell von der Spreu. Nachdem Astrid auf den ersten Kilometern schwächelte,
geht es jetzt bei mir los. Ich schaffe es soeben noch Sichtkontakt zu den
vor mir Fahrenden zu halten.
Bei dem Örtchen Brüggen habe ich mich
aber wieder gefangen und es läuft nun ganz gut. Auf der schier endlos
langen, geraden Straße nach Swalmen kann ich sogar wieder Führungsarbeit
übernehmen. Als dann vor uns Bergfloh (Peter) auftaucht, setzt das bei mir
Kräfte frei. Er hat es natürlich mit seinem Bergerad viel schwerer und
musste die Gruppe ziehen lassen. Im Nu sind wir Passadore ( Kurt) und ich
bei ihm. Astrid war die Aufholjagt zu schnell und ist nun weit zurück, ganz
klein, zu sehen. In Swalmen sind wir auf holländischem Gebiet und lassen
Astrid nun aufschließen. Den Rest der Tour bleiben wir zusammen. In Roermond
klappt die Durchfahrt dank des Garmin ausgezeichnet. Wir überqueren die Maas
und kommen nach Horn. An der Straßenseite sehen wir wie Michael und einige
andere, einen Reifenschaden beheben.
Hier in Horn hatte ich leider Probleme,
den Plan den uns Michael vorab geschickt hatte, im Garmin umzusetzen.
Johannes aus Köln ist nun auch bei uns. Er deutet an, dass die Tour links ab
nach Begden gehen muss. Wir fahren aber geradeaus und fahren die
ausgearbeitete Route nach. Sie führt uns kurz vor Niederweert wieder mit der
Brevetstrecke zusammen. Bei der Fahrt durch ein Naturschutzgebiet sind die
Bäume mit einem weißen Reifschleier überzogen, hoffentlich kommt das auf dem
Foto auch so rüber. Johannes hat inzwischen abreißen lassen müssen. Er hat
Probleme mit seinem Knie und da wir uns ja nicht auf der original
Brevetstrecke befinden, lassen wir ihn wieder zu uns aufschließen. Bei der
Ortseinfahrt verlieren wir ein wenig die Orientierung wegen der
Verkehrsführung.
Wir kommen auf die Straße zum Ortseingang und werden prombt
von der Polizei angehalten. Während der ganzen Tour benutzen wir schon die
teils unmöglichen holländischen Radwege (kaputte Bürgersteigplatten,
Längsrillen in den Radwegen, holperige und löcherige Oberfläche) und
nun sind wir das erste Mal auf der Straße und werden von dem freundlichen
Polizisten, nachdem er uns mit seinem Auto vom Radstreifen auf den
Parkstreifen abgedrängt hat, ermahnt, in Holland nur die Radwege zu
benutzen. Holland ist ein Paradies für Autofahrer und sicher auch ein
Vorbild für Deutschland. Da haben sie es geschafft, die RadfahrerInnen fast
vollständig von der Straße zu verbannen. Nichtsdestotrotz parken dort die
AutofahrerInnen unverdrossen die Radstreifen zu, wahrscheinlich unter
Polizeischutz.
In Niederweert holen wir uns den
Kontrollstempel bei dem Juwelier am Marktplatz. Kurz nach uns treffen auch
andere Brevetteilnehmer hier ein. Obwohl, der Weizen wird wohl schon über
alle Berge sein.
Die Tour führt uns nun nördlich über
Someren-Heide, Someren und Lierop nach Mierlo. Schon wieder ist es mit dem
GPS-Empfänger kein Problem durch den Ort zu kommen. Ich denke da an 2003 wo
wir uns hier total verfahren hatten. Nuenen ist der nächste Ort auf der
Strecke. Anschließen geht es in den Naturpark Gerwense Heide. Hier zeigt uns
Astrid ihre gestreiften Kühe. Bergfloh ist enttäuscht, hatte er sich doch
mehr Streifen vorgestellt. Der eine Streifen ist ihm einfach zu wenig. Der
Radweg am Wilhelminakanaal entlang bringt uns nach Arle-Rixtel. Die Fahrt
zur zweiten Kontrolle scheint uns endlos und die schnurgeraden Straßen tun
ihr übriges. Bakel wird durchfahren und den Ort Deume streifen wir nur in
dem wir den Außenring befahren. Endlich kommen wir zur Eisenbahntrasse
Eindhoven-Venlo. An dieser Eisenbahnstrecke, das weiss ich noch aus 2003,
liegt America. Aber die fahrt auf der schnurgeraden Straße will nicht enden.
Dann endlich nach 144 km sind wir in America. Von der Bedienung in der
Frittenbude höre ich, dass die anderen Radler schon eine viertel Stunde weg
sind. Wir lassen uns ein wenig Zeit, ein Kaffee muss sein. Bergfloh, der am
meisten von uns zu kämpfen hat, gönnt sich eine Frikandel.
Der nächste Kontrollpunkt in Well ist
nur 20 km entfernt und wir sind relativ schnell dort. An der Tankstelle
füllen wir noch einmal unsere Flaschen und setzen unser Fahrt durch ein
Naturschutzgebiet fort. Einige kleine Wellen stellen sich uns in den Weg und
Bergfloh hat mit seinem
Bergerad ordentlich zu kämpfen. Ich wundere mich über Passadore, immer
wieder fährt er über sehr lange Zeit in der Spitze. Von Astrid sehe ich
nicht viel, dafür höre ich aber um so mehr von ihr. Die Gespräche in der
Gruppe sorgen für Kurzweil.
Kurz vor der Grenze biegen wir rechts
ab und finden uns auf einer völlig einsamen und fast autofreien Straße
wieder. Sie schlängelt sich am National Park Maasduinen vorbei und führt uns
nach 15 km wieder nach Deutschland.
Auf der Tour wird uns den ganzen Tag
Bilderbuchwetter beschert, das bleibt auch so, nur wird jetzt die Seite mit
dem Schneegestöber aufgeschlagen. Es wird teilweise so dicht, dass ich jede
Minute meine Brille vom Schnee befreien muß. Er ist aber sehr trocken und
durch den Wind werden die Straßen sofort freigeweht. Wir umfahren Straelen
und kommen nach 198 km wieder nach Wachtendonk. |
Streckenverlauf
Wachtendonk
Wankum
Broekhuysen
Herongen
Luisenburg
Hinsbeck
Sassenfeld
Breyell
Schaag
Alst
Brüggen
NL
Swalmen
Roermond
Horn
Beegden
Heel
Panheel
Neederweert K 1
Someren-Heide
Someren
Lierop
Mierlo
Nuenen
Gerwen
Lieshout
Arle-Rixtel
Bakel
Deurne
Griendtsveen
America K 2
Meterik
Horst
Tinray
Meerlo-Wanssum
Wanssum
Well K 3
Auwell-Holt
Straelen
Wachtendonk
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