RTF, Radmarathon, Pässe und mehr

Die Abkürzung RTF stand früher für Radtouristikfahren und steht heute für Rad-Touren-Fahren

Was verbirgt sich dahinter.

Ich glaube es war Anfang der 70er Jahre, da sah sich der BDR genötigt, etwas für Radrennfahrer zu tun, die ohne Rennstress sich sportlich betätigen wollten. Es wurde eine neue Radsportart geboren und die Radtouristik ins Leben gerufen. Hier können ambitionierte Radler, je nach Leistungsstand, sich an Rad(sport)veranstaltungen mit verschiedenen Streckenlängen, ihren sportlichen Ehrgeiz befriedigen.

Denn Jahr für Jahr veranstalten fast alle Radsportvereine in Deutschland eine, mache sogar zwei und mehr RTFs. Diese Veranstaltungen finden im Sommerhalbjahr an den Wochenenden und auch Feiertagen statt. Es handelt sich fast ausschließlich um Rundstrecken und die Teilnehmer kommen am Schluss zum Startort zurück. 

Die Touren verlaufen im öffentlichen Verkehrsraum. Das heißt, die Touren sind ausgeschildert, jedoch sind die Straßen nicht für andere Verkehrsteilnehmer gesperrt. Damit die RTF-Teilnehmer sich entsprechend der Verkehrsregeln verhalten, werden Kontrollfahrer eingesetzt.

 

Richtungspfeil bei einer RTF

Anmeldetische bei einer RTF Start eines Radmarathons

Die Radsportvereine versuchen sich, mit landschaftlich besonders schöne, oder sehr verkehrsruhige Strecken, zu überbieten. Die Teilnahme steht für Jedermann (-frau)/ jedeN offen. 

Starter werden unterschieden in Wertungskarteninhaber und Trimmer. Wobei die Wertungskarteninhaber gleichzeitig Mitglieder im BDR sind. Zu den Trimmfahrern gehören alle anderen Starter.  

Gedränge bei der Anmeldung Kontrollfahrer des BDR RTF ler kurz vor einer Kontrolle

Der Startpreis ist regional unterschiedlich. Im Norden der Republik ist es in der Regel günstiger an solch einer Radsportveranstaltung teil zunehmen. Im Süden orientieren sich die Veranstalter mehr an die Radsportveranstaltungen im Alpenraum und nehmen, obwohl die gleichen Kosten anfallen, einen erheblich höheren Startobulus.  

In NRW beträgt der Startpreis in den meisten Fällen (Stand 2010) für Touren bis einschließlich 151 km, 4-5 Euro. Wobei BRD Mitglieder zu einem günstigeren Preis starten dürfen, er liegt 1-2 Euro niedriger. Für Kinder, bis zu einem gewissen Alter, die Teilnahme kostenlos ist.

Für Strecken über 200 km (Radmarathon) wird ein erhöhtes Startgeld verlangt. Hier gibt aber auch eine Verpflegungsstelle mehr und teilweise wird etwas bessere Verpflegung gereicht. Müsli-Riegel bis hin zu einer warm Verpflegung und so.

Auch hier liegen die Startgelder weit auseinander. Während es einige Vereine schaffen, solch einen Radmarathon für ein Startgeld von 6 Euro auf die Beine zu stellen. Versuchen, vor allen Dingen im süddeutschen Raum, die Vereine es den Veranstaltern im Alpenraum gleichzutun. Dort werden Startgeldern von 30 - 60 Euro verlangt. Es gibt bei einigen Veranstaltern schon mal als Präsent eine Flasche Wein dazu. Andere haben auch schon einmal ein Trikot ihres Sponsors als Auszeichnung.  

Mitglieder der Radsportvereine sind im Bund Deutscher Radfahrer organisiert und dieser gibt auf Antrag hin eine A-Wertungskarte aus. Auf dieser werden die RTF-Teilnahmen und die gefahrenen Strecken nach Bewältigung einer solchen, vermerkt. Zum Jahresende werden die eingetragenen Touren auf der Wertungskarte aufaddiert und die gefahrenen Kilometer, bzw. Punkte, zur Vereinswertung, Bezirkswertung und Landeswertung heran gezogen.

Diese Veranstaltungen verlaufen über die schönsten Strecken, die die Radsportvereine in ihrer Umgebung kennen.  Die Streckenlängen betragen 20-25 km, 41 km, 71 km, 111 km 151 km, und als Radmarathon über 200 km.  

Gestartet wird in einem Zeitfenster von meistens 2 Stunden. Außerdem gibt es eine festgesetzte Schlusszeit. Diese ist aber reichlich bemessen und nur sehr langsame, oder sehr spät gestartete Radler werden hier Probleme bekommen. Die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt bei 90% aller Teilnehmenden zwischen 20 und 30 km/h.  

disziplinierte Fahrweise ist nicht immer angesagt an der Kontrolle und Verpflegungsstelle

Alle 25-35 km ist eine Kontrollstelle aufgebaut bei der die, bei der Anmeldung erhaltene, Startkarte abgestempelt wird. Dies dient zum Nachweis der gefahrenen Strecke. Außerdem wird an den Kontrollstellen Getränke (Wasser, Tee) und Essbares (Waffeln, Bananen und anderes) gereicht. Da die Strecken am Veranstaltungstag ausgeschildert sind braucht man nur den Schildern folgen und man kommt am Ende der Tour wieder zurück zum Startort. 

Auf den Wertungskarten wird die RTF-Nummer, die gefahrene Strecke und die daraus resultierte Punktzahl eingetragen.  

Dabei werden die Kilometer umgerechnet in Punkte.

41 km = 1, 71 km = 2, 111 km = 3, 151 km= 4 und 200 km = 5 Punkte.

Außerdem gibt es noch einen Radmarathon Cup Deutschland (ehemals Super Cup). Hier sind die Strecken in der Regel etwas anspruchsvolle und dafür wird ein wesentlich höherer Startpreis verlangt, zudem werden  die Touren mit 6 Punkte in der Wertungskarte eingetragen.

Über die Jahre hinweg hat sich in Deutschland eine richtige RTF-Szene gebildet. In den Vereinen, Bezirk und Land, werden am Ende des Jahres, die RTF-Teilnehmer geehrt, die im laufe der Saison die meisten Kilometer bzw. Punkte gefahren haben. So sieht man als Vielfahrer (Punktejäger) immer die gleichen Gesichter am Start. Wobei die bestbesuchten Veranstaltungen auf 3000 Starter kommen. Bei schlechtem Wetter und eventuell unattraktiven Strecken, sind es auch schon mal nur 50 Teilnehmer.

Teilnehmerzahlen einer RTF und Radmarathonveranstaltung Jahresehrung bei einer Radclub-Meisterschaftsfeier Streckenkarte am Veranstaltungstag

Pokale bei der Landesehrung

Gefahren wird, wenn es das eigene Leistungsvermögen erlaubt, in kleine Gruppen. Als Spätstarter (Start gegen Ende des Zeitfensters) ist man auch vielfach alleine unterwegs.  

RTF auf Wirtschaftswegen   ein RTF Fahrerfeld auf einem kleinen Wirtschaftsweg

Viele dieser RTF-Teilnahmen sind auf unserer Seite, nicht nur von uns, sondern auch von Mitgliedern aus dem Forum, beschrieben. Bei den meisten Strecken gibt es auch gleichzeitig den GPS-Track dazu. Der GPS-Track von unserer Seite stammt natürlich von einer RTF-Teilnahme aus den Vorjahren und passt eventuell nicht zu der aktuellen Veranstaltung. Er dient dazu die Strecke vielleicht an anderen Tagen nachzufahren. Viele Veranstalter bieten den aktuellen GPS-Track inzwischen auf ihrer Vereinsseite an.

Wir wünschen allen Neueinsteigerinnen und -einsteigern dieser Sportart viel Spaß und allzeit  unfallfreie Radtouren. Wir würden uns freuen vor allen Neueinsteiger der Szene im Forum begrüßen zu können.

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