RTF, Radmarathon, Pässe und mehr

RTF Wincheringen
 

Tourname: RTF Wincheringen
Startort: Wincheringen
Verein: Velo Point Wincheringen
Tourlänge: 48, 73, 110, 150 km
Höhenmeter: 1500 hm

 

 
RTF Wincheringen 110 km auf einer größeren Karte anzeigen

Achtung! Karte zeigt die 150er Strecke

 

Wincheringen 2007,

Allgemeine Daten:
Gefahrene Strecke: 110 km
Alternativ: 45, 75, 151 km
Strecke: Mittel
Autoverkehr: Gering, letzte 10 km sehr stark
Landschaft: Traumhaft
Ausschilderung: Teilweise top, teilweise schlecht
Verpflegung unterwegs: Es war genug da
Verpflegung im Ziel: schlecht
Duschen: Gut
Organisation: Gut
Gesamte Tour: Gut 

Seit zwei Jahren will ich schon in Wincheringen fahren. Geht die Tour doch fast komplett durch Luxemburg, wo ich auch gerne alleine fahre, wenn keine RTF in der Nähe ist. 

In Wincheringen erst mal den Start gesucht. Ich bin durch den Ort und habe keine Hinweisschilder zum Start gesehen. Aus dem Ort raus, gedreht, zurück, eine blumengießende Anwohnerin morgens um 7 nach dem Sportplatz gefragt. Sie erklärt mir den Weg, und dann sehe ich auch das Schild, das zum Start zeigt. Wer von der Mosel hoch fährt, findet den Startort, wer von der anderen Seite kommt, muß suchen. 

Die Tour ging los und führte über Wirtschaftswege runter zur Mosel. Auf dem Moselradweg ging es ein gutes Stück weiter bis Grevenmacher. 

An die Beschilderung konnte ich mich nicht gewöhnen. Weiße rechteckige kleine Schilder mit unleserlicher kleiner Schrift und dunkelblauem Dreieck, das die Pfeilspitze darstellen sollte. In Grevenmacher ging es dann über die Brücke nach Luxemburg und den Berg hoch nach Wecker, dem Dreh-und Angelpunkt dieser RTF. Dort war die erste Kontrolle. 

Gereicht werden Tee, Bananen und Balistos. 

Weiter ging es über kleine ländliche Straßen durch verschiedene kleine Orte. Überall herrliche Ausblicke auf die wunderschöne Landschaft, ein blauer Himmel und strahlender Sonnenschein, schöner kann eine RTF nicht sein. Inzwischen hatte der Veranstalter auch besser zu erkennende Streckenschilder verwendet. 

Über Betzdorf führte die Strecke nach Junglinster, nach einer heißen Streckenführung (zweimal ganz scharf abbiegen, geleitet von unzähligen aufgehängten Pfeilen und aufgezeichneten Pfeilen auf der Straße) ging es auf einen Radweg. 

Und dann ging es ab ins Müllerthal.

Wie soll ich das beschreiben? Fast zehn Kilometer immer leicht abschüssig durch ein eng geschnittenes Tal, bewaldet und von zahlreichen Felsformationen durchsetzt, teilweise direkt am Straßenrand, teilweise zu erahnen hinter den Laubbäumen. Als Fahrer hat man die Qual der Wahl, ob man stehenbleibt und die tolle Natur auf sich wirken läßt oder ob man einfach nur weiterfährt. 

Ich fahre weiter und komme am Ende zur zweiten Kontrolle. Gereicht werden Tee, Bananen und Balistos. 

Die Tour führt weiter zum nächsten Fluß, der Sauer. Dort ein gutes Stück die Uferstraße entlang bis Echternach, und am Ortsende von Echternach die dritte Kontrolle. Gereicht werden Tee, Bananen und Balistos. 

Und langsam sehnte ich mich mal nach etwas anderem. Vielleicht Tee mit anderem Geschmack? 

Ab dort führte die Strecke auf einem Radweg wieder aus dem Flußtal 10 km hinauf nach Consdorf. Und wieder gab es das gleiche landschaftliche Bild wie vorher im Müllerthal. Kann Radfahren schön sein! 

Oben angekommen ging es erst über den Radweg, später wieder über kleine Landstraßen durch die Luxemburger Höhenlandschaft. Bis ich wieder den ersten Kontrollpunkt Wecker erreichte. Gereicht werden Tee, Bananen und Balistos. 

Den Tee habe ich genommen, die Bananen und die Balistios ließ ich endgültig liegen. Vier Kontrollen sind für eine 111er Tour ungewöhnlich, bei dem heißen Wetter deutlich über 30 Grad war man jedoch froh über jede Feuchtigkeitszufuhr. 

Bis dahin, bei km 88, fand ich die Tour top.

Nach der Kontrolle sollte die 151er Streckenteilung kommen. Kurz überlegte ich, auf die lange Tour umzuschwenken.

Aber es wurde langsam unerträglich heiß, ich hatte in der vorherigen Nacht nur sehr wenig geschlafen, ein steifer Wind kam auf, ich wollte noch auf ein Fest, die letzte Steigung hoch nach Wincheringen versprach Anstrengung genug, ich fand, dies sind Ausreden genug, um es bei der 111er Tour zu belassen. 

Beim ersten Kreisverkehr nach der Kontrolle sollte die Streckenteilung sein. Es stand aber kein Schild Streckenteilung, nur ein Pfeil bei der ersten Abfahrt aus dem Kreisel. Aha, geht es doch auf einem anderen Weg an die Mosel zurück. Ich fahre die ausgeschilderte Strecke und komme nach Oberdonven. Ich hole meinen Plan heraus und stelle fest, daß ich jetzt doch auf die 151er Strecke geraten bin. Ich suche mir meinen eigenen Weg und komme wieder nach Grevenmacher.

Und dort hatte ich sie wieder: meine ungeliebten weißen Streckenschilder mit unleserlicher Schrift und kleinem blauen Dreieck, das die Richtung anzeigen sollte.

Auf Luxemburger Seite ging es dann wieder die Mosel entlang. Brütende Hitze im Flußtal ohne jeden Sonnenschutz, starker Ausflugsverkehr, und dazu ein heftiger Gegenwind machten diese Passage zur Qual. Andere RTFler waren schlauer gewesen und hatten die Hinstrecke auf dem Radweg auf deutscher Seite auch zur Rückfahrt genutzt. Dort gaben die Hecken und Bäume wenigstens einen kleinen Schutz, auf jeden Fall blieb diesen Radlern der starke Straßenverkehr erspart. 

Der Endanstieg hoch nach Wincheringen zurück war steil, ich kam trotzdem sehr gut hoch. Andere Radler zogen es vor, stellenweise zu schieben. Hitze und Gegenwind forderten ihren kräftemäßigen Tribut. 

Die Verpflegung im Ziel war nicht berühmt. Neben dem Kuchenbuffet nur gebrühte Wiener Wüstchen, das ist schon ein arg mageres Angebot. das kenne ich von anderen RTFs besser. 

Fazit: Es gibt bei vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Trotzdem handelt es sich um eine wunderschöne RTF. Gibt es irgendwann mal einen Wettbewerb um die landschaftlich schönste RTF, dann ist Wincheringen ein heißer Kandidat für den ersten Platz. Die Strecke ist liebevoll zusammengestellt, alle Schönheiten der Gegend sind darin enthalten. 

Die anderen Punkte müßten doch abzustellen sein. Natürlich will man bei einer Strecke flußab und dann wieder flußauf zwei verschiedene Straßen anbieten. Sonst bestände die 45er Tour nur aus Radweg hoch zur Kontrolle und den gleichen Radweg wieder runter. Aber kann man die Luxemburger Seite vielleicht besser morgens befahren, wenn der Ausflugsverkehr noch mäßig ist? Wenn die Ausflugsbusse mittags mit Tempo 100 an einem vorbeibrummen, wird es stellenweise lebensgefährlich. Und der Randstreifen, auf den man vielleicht ausweichen könnte, ist in einem miserablen Zustand.

Vielleicht kann man auch den Sponsor bewegen, einen Kontrollposten mit etwas anderem als Bananen auszustatten, damit wenigstens etwas Abwechslung da ist. Und es sollte doch auch kein größeres Problem sein, im Ziel einen Grill aufzustellen und ein paar Bratwürste draufzulegen. 

Liebe Wincheringer, ich habe bei Euch eine schöne RTF genossen. Arbeitet an obigen Punkten, verbessert die Ausschilderung an den problematischen Punkten (Streckenteilung 111/151), dann ist es eine Top-Veranstaltung, zu der ich gerne wiederkomme.

Christoph Stein

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