RTF, Radmarathon, Pässe und mehr

RTF Plüderhausen
 

Tourname: RTF Plüderhausen
Startort: Plüderhausen
Verein: Ski-Club Plüderhausen
Tourlänge: 44, 95, 141, 182 km
Höhenmeter: 2000 hm

 

 

 
RTF Plüderhausen 150 km auf einer größeren Karte anzeigen

Achtung! Karte zeigt die 141er Strecke

 

Plüderhausen 2007,

Veranstalter: Ski-Club Plüderhausen (Rems-Murr-Kreis, Württemberg)
Datum: 26.4.2009
Distanz: 182 km (alternativ: 141 / 95 / 44 km)
Höhenmeter: ca. 2000
Streckenführung und Höhenprofil: siehe Link zur Veranstaltung


Am frühen Morgen nach dem 300 km Brevet in Osterdorf fahre ich mit dem Wohnmobil die 120 km nach Plüderhausen, um auf dem Heimweg die dortige RTF mitzunehmen. Wilfried aus Kaiserslautern hat zwar nur Grünstadt - Osterdorf gebucht, entschließt sich aber, mitzukommen und vielleicht eine kleine RTF zu fahren.

Am Start werden wir auf einen Parkplatz eingewiesen. Da ca. 1000 Teilnehmer hier starten, gibt es einen kleinen Stau vor den beiden Kabinen, auf denen "H" steht. Am Einschreibetisch muss ich einen Anmeldezettel ausfüllen, das geht aber ohne Verzögerung vor sich. Trotzdem ist es bereits kurz nach acht, als ich auf die Strecke rolle. Wil lasse ich samt Autoschlüssel als Schildwache am Wohnmobil. Ich habe mir ausgerechnet, in neun Stunden brutto die 182 km zurücklegen zu können und um 17 Uhr, dann ist Kontrollschluss, zurück zu sein.

Da habe ich die Rechnung ohne den Streckenplaner gemacht. Zu Anfang rolle ich vergleichsweise flüssig, obwohl die Streckenführung sehr schnell auf kleinste Nebenwege ausweicht und viele Richtungsänderungen hat. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, werden grundsätzlich Rad- und Wirtschaftswege benutzt.

Die Strecke ist mit vergleichsweise riesigen, ockergelben Schildern mit der geschwungenen Schrift "Hügeltour" ausgezeichnet. Zunächst ist von den Hügeln der Hügeltour nicht viel zu merken. Ich kann etwas von der Verspätung herausfahren.

Nach ca. 15 km kommt der erste nennenswerte Anstieg, der, ausnahmsweise auf einer richtigen Strasse, 150 Höhenmeter überwindet. Gleich nach Beginn der Abfahrt werden die Teilnehmer wieder auf einen asphaltierten Nebenweg geleitet. Er endet am 44-km-Abzweig. Die längeren Strecken führen, tendenziell bergab, über Seitenstrassen und Nebenwege zur ersten Kontrolle bei km 40 bei Erdmannshausen. Hier herrscht Hochbetrieb.

Als BDR-Mitglied habe ich drei Euro Startgebühr bezahlt, ohne Anspruch auf feste Verpflegung. Die musste gesondert gebucht werden. Das habe ich nicht, trotzdem ergattere ich eine Brötchenhälfte. Das nennt man dann wohl Mundraub.

Wenige Meter nach der Kontrolle zweigen die 95 km ab. Ich fahre immer weiter bergab und dann am Neckar entlang und kreuze diesen Fluss mehrmals. Bis km 55 rolle ich eigentlich nur und lese gerade mal 300 Höhenmeter auf der Uhr. 2500 Höhenmeter soll die Strecke haben? Wo sind denn die alle?

Etwa 70 davon kommen dann, nach meinen Aufzeichnungen, auch gleich, aber die Einzelheiten dieses Hügels sind mir nicht mehr im Gedächtnis. Es geht hinab nach Besigheim in die Innenstadt, die wegen Baustelle gesperrt ist. Die Hügeltour wird über den Gehsteig geführt. Gleich darauf ist auch schon die letzte Entscheidung des Tages zu treffen. Die 141 und 182 km trennen sich.

Meine Auswahl wird mit einem Anstieg belohnt, der mit bis zu 20 Prozent aus dem Ort hinausführt. Ich bin gleich wieder zwischen Weinbergen. Das ebene Fahren hat ein Ende. Es geht pausenlos Wirtschaftswege hinauf und hinab. Mittlerweile sind auch die Temperaturen angestiegen. Bei einem Abzweig kommen mir Fahrer entgegen: es geht auf einer Stichstrecke zum Michaelsberg hoch, wo die zweite Kontrolle aufgebaut ist. Auch dieser Anstieg erreicht die 20-Prozent-Marke.

An der Kontrolle ziehe ich Armlinge und Beinlinge aus, was lange überfällig ist. Ermutigt durch den erfolgreichen Raub an der ersten Kontrolle, stehle ich ein Stück Cola-Weingummi. Wer Verpflegung gebucht hat, bekommt hier sogar ein Glas Wein. Das muss ich aber jetzt nicht haben.

Mit frisch gefüllten Flaschen gehe ich auf die letzten 100 km. Die beginnen logischerweise mit einer scharfen Abfahrt, die allerdings auf den schmalen Wirtschaftswegen zu häufigem Bremsen zwingt. Dann darf ich, seit langem mal wieder, auf einer richtigen Strasse fahren. Es folgt der längste Anstieg der Tour, der aber vergleichsweise sehr angenehm zu fahren ist. Strasse und nur 10 bis 12 Prozent, das hat was. Gleich bin ich aber wieder auf den Rappelwegen. Bei km 107 biegt die kleine (141 km) Strecke ein. Nur 100 Meter danach ist die dritte Kontrolle aufgebaut.

Nun bin ich schon ein abgebrühter Nahrungsdieb und es ist bereits Routine, wie ich mir mit unschuldigem Gesicht eine Brötchenhälfte aneigne. Angesichts des Profils, vor allem seit der letzten Streckentrennung, tut mir aber ein Bissen Nahrung gut. Hätte ich gewusst, was noch kommt, dann hätte ich die Kontrolle leergefressen.

Aber alles, was mir an Unterlagen am Start gegeben wurde, war ein Zettel mit vier Stempelfeldern und leerer Rückseite. Vielleicht lagen ja irgendwo Pläne. So wie die Strecke aber lief, war die sowieso unbeschreiblich und es war besser, wenn ich vorher nichts davon wusste.

Wieder geht es auf Wirtschaftswegen auf und ab, dann abwärts zum Neckar. Jetzt wird wieder ein langes Stück an diesem Fluss entlang gefahren. Der Rad- und Fussgängerweg ist angesichts des warmen, sonnigen Wetters sehr belebt und trotz des vorübergehend ebenen Profils ist es kein schönes Fahren.

Nach gefühlt endlosem Durchwühlen durch Fussgänger und Skater verlässt die Strecke endlich das Flusstal. An einer Ampelkreuzung, wo der Radweg eine Strasse überquert (ich schaue sie sehnsuchtsvoll an), treffe ich andere Teilnehmer, einer fragt gerade: "Kommt denn da noch was an Höhenmetern?", der andere antwortet: "Ja, da kommt wohl noch was."

Was da kommt, ist zunächst moderat, wenn auch jetzt wieder immer auf und ab, bei mehr auf als ab. Die letzte Kontrolle kommt bei km 143 und hat nur noch Wasser oder Zitronentee. Naja, die letzten knapp 40 km werde ich schon noch schaffen.

So denke ich in meinem Leichtsinn. Was nun kommt, kenne ich schon: Wirtschaftswege zwischen Weinbergen, immer schön am Talrand auf und ab. Einzelne Anstiege kommen hier wieder an die 20-Prozent-Marke. Aber auch die, die vielleicht nur 15 haben, begeistern mich mittlerweile nicht mehr. Vor allem, weil sie keinem erkennbaren Zweck dienen, ausser dem Sammeln von Höhenmetern. Bergauf quäle ich das kleine Blatt, das bedenklich knackt.

Bergab ruiniere ich Bremsgummis und Felge. Ich weiss nicht, ob es in hundert Metern hinauf oder hinunter gehen wird. Ich bin gefangen, eine spezielle Art Murmeltier-Tag, endlos auf steilen Betonwegen zwischen Weinbergen mit knospenden Rebstöcken.

Irgendwann geht es dann nur noch bergab in einen bewohnten Ort auf eine Strasse. Aber der Genuss, eine Strasse zu fahren, endet schnell. Alsbald geht es auf Radwege. In Schorndorf treffe ich auf drei Mitstreiter, mit denen ich die letzten Kilometer zusammen fahre. Zwei von ihnen sind auf Mountainbikes unterwegs. Überhaupt habe ich viele Teilnehmer auf Bikes gesehen.

Da der Strassenanteil an der Strecke nur wenige Prozent beträgt, ist das Bike gegenüber dem Strassenrennrad nicht unbedingt die schlechtere Wahl. Um viertel nach fünf, später als erwartet, bin ich nach 180 km und doch noch knapp 2000 Höhenmetern im Ziel.

Selten oder nie bin ich eine RTF gefahren, die so eckig und unflüssig zu fahren ist. Selten oder nie bin ich auf RTF so oft Bordsteine hinauf- und hinuntergepoltert. Gefühlsmässig verteilt sie sich auf 45 Prozent Wirtschaftswege, 45 Prozent Radwege mit Fussgängern ohne Ende, 5 bis 8 Prozent Ortsdurchfahrt auf Bürgersteigen oder durch Fussgängerzonen und der Rest Strasse. Wilfried und ich konnten auf der Autofahrt feststellen, dass es in diesem Land, wo die Talflächen stark zersiedelt und die Strassen stark befahren sind, nur wenig Strassen gibt, auf denen ein Rennradler tatsächlich fahren kann, ohne wie Wild gehetzt zu werden.

Vielleicht sehen das auch die Genehmigungsbehörden der durchfahrenen Landkreise (Rems/Murr, Ludwigsburg und Heilbronn) so. Dass so viele Teilnehmer durch Massen von Sonntagsspaziergängern fahren müssen, ist bestimmt von keinem der Beteiligten als prickelnd empfunden worden. Und das Streckenprofil hat ein Sadist ausgewählt.

Fazit:

Die RTF ist allerdings auch landschaftlich schön und abwechslungsreich. Der Veranstalter sucht alle zwei Jahre eine Strecke heraus und lässt sie einmal linksrum und einmal rechtsrum fahren. Nur wer selbst schon Strecken zusammengestellt hat, kann ermessen, wie viel Aufwand dahinter steckt. 2010 wird es neue Strecken geben. Die Unzahl von Richtungsänderungen stellt enorme Anforderungen an die Ausschilderer.

In einigen Fällen, bei Gabelungen und an Stellen mit mehreren Abzweigen, war nicht eindeutig klar, welche Richtung gemeint war. Ein Bestätigungspfeil hätte da enorm geholfen, zumal wir Teilnehmer auf Gedeih und Verderb auf die Schilder angewiesen waren. Das Verpflegungsangebot unterwegs ist super, allerdings muss man für feste Nahrung, nach schwäbischer Sitte, richtig Geld in die Hand nehmen. Im Ziel gab's Bier vom Fass ... zu schade, dass das nicht so recht zum Autofahren passt.

___Manfred Kiesel_______________

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