RTF, Radmarathon, Pässe und mehr

RTF Klotten (Mosel und Höhen)
 

Tourname: Mosel und Höhen
Startort: Klotten
Verein: Klotten
Tourlänge: 40, 48, 75, 120, 152 km
Höhenmeter: 1900 hm

 

 
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Klotten 2009

Allgemeine Daten:
Gefahrene Strecke: 120 km
Alternativ: 40 (ohne Berg), 48 (mit Berg), 75, 152 km
Strecke: schwer
Autoverkehr: Gering
Landschaft: Sehr schön
Ausschilderung: Mit Potential zur Verbesserung
Verpflegung unterwegs: Sehr gut
Verpflegung im Ziel: Gut
Gesamte Tour: Sehr gut

Ideales Radfahrwetter lockte mich aus dem Bett. Die für mich unbekannte RTF in Klotten, ein kleiner Ort an der Mosel bei Cochem, hatte ich mir ausgesucht. Der Verein besteht erst seit zwei Jahren und führt seit Gründung eine RTF, heuer zum zweiten Mal, durch.

Der Startort war das Bürgerhaus im Winzerdorf Klotten in einer engen Straße, gar nicht einfach zu finden. Noch schwieriger war die Parkplatzsuche. So konnte ich gar nicht wie gewohnt direkt vor dem Start parken, sondern war tatsächlich gezwungen, vom Auto her mit dem Rad anzuradeln. So was aber auch!

Die Strecke führte erstmal an der Mosel entlang, schön flach zum Einradeln und ideal zum warm fahren. Bei den ersten Linksabbiegern gab es die ersten Tücken der Beschilderung, denn es war immer nur auf der linken Seite ein einzelnes Schild angebracht, das auf das Abbiegen hinwies. Mehrmals wurde der vordere Radler wieder zurückgerufen, weil er das Schild nicht gesehen hatte und geradeaus weitergefahren war.

Nach 10 km die erste Streckenteilung. Auch hier war das Schild sehr unglücklich, die Schrift viel zu klein. Also drehen, noch mal vors Schild und von nahem schauen, welche Strecke wohin führt.
Ich fuhr so in Serpentinen durch die Weinberge auf den ersten Berg, einige Kilometer immer hinauf brachten die ersten 300 Höhenmeter. Noch war ich frisch und schaffte dies ohne Probleme.
Ein kurzes Stück auf den Höhen, und dann eine rasante Abfahrt hinunter zurück an die Mosel, wo uns dann in Senhals die erste Kontrolle mit reichlicher Verpflegung erwartete.

Weiter führte uns die Strecke nach Bremm. Dort ist mit dem Bremmer Calmont der steilste Weinberg Deutschlands, hier ging die Strecke auch wieder über eine Landstraße hoch in die Eifel. Weitere 350 Höhenmeter am Stück zählte mein Höhenmesser. Eine schöne lang gezogene Talabfahrt führte nicht ganz an die Mosel, kurz vor Alf ging die Strecke ab ins Höllental, ein landschaftlich schönes Tal mit geringer Steigung, durch das auch die Erdener RTF führt.

In Kinderbeuern war laut der Streckenkarte die zweite Kontrolle angesiedelt, nur leider war sie nirgends zu sehen. Die Strecke ging erneut bergauf auf die Höhen oberhalb von Traben-Trarbach und Reil. Ich fühlte mich nicht mehr so frisch, die Steigung forderte meine Kraftreserven, zumal diese im oberen Teil noch zunahm. Der Pulsmesser zeigte höhere Zahlen, als mein Arzt mir empfohlen hatte, aber was kümmert mich das Geschwätz vom Doktor, ich will hier den Berg hoch!

Am höchsten Punkt stand auf einmal die vermisste zweite Kontrolle. Der Helfer hatte sie aus eigenem Antrieb verlegt. „Ich dachte, hier oben ist sie besser aufgehoben, mit vollem Bauch den Berg hoch ist doch schlecht.“ Nach dem Anstieg pausierte ich etwas länger, so bekam ich die Ankunft zahlreicher anderer Radler mit.

Der Tenor war bei allen der gleiche: „Die Strecke ist toll, aber die Beschilderung!“. Besonders die Fahrer der 151er Tour, die nach ihrer Zusatzschleife wieder auf der 120er dabei waren, überschlugen sich mit Erzählungen, wo sie überall gewesen waren und wie viele zusätzliche Höhenmeter sie absolviert hatten, weil die Beschilderung doch recht lückenhaft war. Der Helfer wurde Gott sei Dank nicht persönlich angegriffen, die Schönheit der Strecke beeindruckte die Fahrer letztendlich mehr als die geringe Schilderanzahl.

Nach der Kontrolle führte die Strecke erst über hochgelegene Landstraßen, bevor es dann wieder zur Mosel ging. Von Reil nach Bullay fuhren wir auf einem Radweg, wo wir dann die Mosel überquerten.

Dort wartete der Merler Berg. Erneut fast 400 Höhenmeter über eine gut ausgebaute Kreisstraße durch den Wald, auf 8 km verteilt, hoch auf den Hunsrück. Die Steigungen waren eigentlich moderat und gut und flüssig zu fahren, aber nach den bereits absolvierten Kilometern und Höhenmetern war der Berg eine echte Härteprüfung.

Noch eine Kurve, noch eine Kuppe, hoffentlich geht es dahinter etwas flacher weiter, oh nein, nicht schon wieder so steil rauf. Mein innerer Schweinehund sagte: Hör endlich auf! Mein Wille sagte wie einst Bölts zu Ulrich: Quäl Dich, Du S… Noch nicht mal meine Blase drückte, damit ich eine Pinkelpause als Ausrede zur kurzen Unterbrechung verwenden konnte.

Auf der Kuppe angekommen wartete die dritte Kontrolle. Alle Fahrer hier oben waren zu geschafft, um noch mal über die Beschilderung zu meckern. Der Helfer wusste aber anscheinend, was die Fahrer beschäftigte, er erklärte jedem noch mal bei vor der Abfahrt: „Erst nach Grenderich, dann die zweite Abfahrt wieder runter.“ So kam ich glücklich wieder an die Mosel zurück und durfte die letzten 12 Kilometer ins Ziel zurück flach fahren.

Fazit:

Wenn ich gewusst hätte, wie viel Höhenmeter (1400) die Strecke hat, wäre ich sie nicht gefahren. Gott sei Dank habe ich es nicht gewusst, ich hätte eine landschaftlich traumhaft schöne RTF verpasst und es versäumt, meine persönlichen Grenzen zu erweitern. Belohnt wurde ich durch die wunderschöne Mosellandschaft und herrliche Aussichten von den Höhen der Eifel und des Hunsrücks. Dazu war die Strecke äußerst verkehrsarm.

Die problematische Beschilderung war der Unerfahrenheit des jungen Vereins geschuldet. Mit Besserung ist zu rechnen, denn die Ausrichter waren offen für jedes kritische Wort und zeigten sich äußerst engagiert. Bekommen die Ausrichter die Beschilderung (Linksabbieger, Bestätigungsschilder, größere Schrift auf den Streckenteilungen) in den Griff, dann verfügt der rheinland-pfälzische RTF-Kalender über eine neue attraktive Veranstaltung, die auch eine weite Anreise lohnt.

Christoph Stein

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