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RTF Diekirch (LUX) Randonnee Jempy Schmitz
 

Tourname: Randonnee Jempy Schmitz
Startort: Diekirch (LUX)
Verein:
Tourlänge: 48, 73, 115, 156 km
Höhenmeter: 1500 hm

 


Randonne Jempy Schmitz 155 km auf einer größeren Karte anzeigen

Diekirch 2007,

Allgemeine Daten:

Verkehr: Gering
Landschaft: sehr schön
Ausschilderung: nicht immer gut
Verpflegung unterwegs: super
Verpflegung im Ziel: durchschnittlich
Duschen: gut
Organisation: sehr gut
Tour insgesamt: sehr gut

Wer ist Jempy Schmitz? Jempy Schmitz war ein sehr guter Luxemburger Radfahrer, der Mitte der 50er Erfolge feierte, unter anderem auch einen Etappensieg bei der Tour de France. Nach ihm ist diese Randonnee benannt.

Anfahrt nach Diekirch. Der Start ist nicht beschildert. Aber in der Ausschreibung war zu lesen, daß der Start an den Sportanlagen ist, und die sind aufgrund der Flutlichtmasten am Sportplatz leicht zu finden.

Erst mal am Start entscheiden, welche Tour ich fahre.
Die 162er, die aufgrund einer Baustelle 3 km kürzer ist. Denn nach der Streckenlänge richtet sich der Obolus: je nach Länge der Strecke 4, 5, 7 oder 10 Euro. Dann den der Streckenlänge entsprechenden Streckenzettel nebst Stempelkarte erhalten und los geht es.

Aber wohin? verwirrt Ich fahre vom Sportplatzgelände runter und sehe kein Schild. Ein anderer Fahrer hilft mir und schickt mich nach rechts. Erster Kreisverkehr: Kein Schild, nur ein anderer Fahrer, der dort abbiegt. Dem fahre ich hinterher und komme an einen zweiten Kreisverkehr ohne Schild. Mir wird dies zu dumm und ich warte auf einen anderen Radler. Der kennt die Strecke und hat noch gar nicht nach Schildern geschaut. Er nimmt mich ein Stück mit und wir kommen zur nächsten Kreuzung, wo dann tatsächlich ein Schild zum ersten Mal den Weg weist.

Nach ein paar Kilometer schlägt er dann ein anderes Tempo an, und ich fahre alleine weiter durch ein kleines Tal, das mit einer geringen, aber stetigen Steigung auf die Luxemburger Höhen führt. Hier genieße ich das, was diese Randonnee prägt: Kaum befahrene Straßen in ausgezeichnetem Zustand durch eine menschenleere Gegend, die vor 100 Jahren auch nicht viel anders ausgesehen haben kann. Oben angekommen in Wahlhausen, schaue ich nur noch rechts und links, zu reizvoll sind die Ausblicke von den Höhen.

Ich erreiche Marnach, den Dreh- und Angelpunkt der Randonnee. Zuerst geht die 80er Strecke ab, dann die 120er, und die 162 führt nach Munshausen, wo die erste Verpflegungsstelle ist. Durchgefahren, nichts gesehen. Gedreht, zurückgefahren, gefragt, und dann sehe ich die Schilder, auf der linken Seite der Straße angebracht.

Kurz um 2 Ecken gefahren, und mir gehen die Augen über. geschockt Die erste Verpflegung ein kulinarisches Highlight. Die Gartentische auf der Terrasse zur Sonnenseite und die Tische in dem Veranstaltungsgebäude sind schon gedeckt. Teller mit belegten Broten, entweder Schinken oder Käse, liebevoll dekoriert mit Tomaten und Gurken, Besteck dabei, ist das hier wirklich eine Radveranstaltung? Vorne im Gebäude die Getränke, diverse Fruchtgetränke sowie Kaffee und Tee. Eigentlich will ich gar nicht mehr weg.

Aber ich ja wegen was anderem gekommen. Nach einer ausgiebigen Brotzeit aufs Rad, und eine rasante Abfahrt hinunter, der sofort ein kräftiger Gegenanstieg folgt.

Hier komme ich mit einem Luxemburger ins Gespräch, der mir sofort einiges von Jempy Schmitz und der Randonnee erzählt. Die 120 km bis ins Ziel werden wir zusammen fahren.
Wir verlassen Luxemburg und kommen nach Belgien. Mein Begleiter kennt sich aus, er ist die Randonnee schon oft gefahren, und am ersten Abzweig in Belgien fährt er nach rechts, obwohl dort kein Schild hängt. Weiter vorne sehe ich aber noch weitere Radler, so folge ich meinem Begleiter. Ohne ihn wäre ich hier falsch gefahren, und wer weiß, wann ich das gemerkt hätte? Wir fahren 40 km durch Belgien und passieren viele kleine Orte, ich weiß nicht, ob 20 oder 200 Einwohner, viele einzelne Gehöfte und viele kleine Wälder, zwischen denen sich immer wieder fantastische Ausblicke ergeben. Einmal macht mich mein Begleiter auf eine Herde Lamas aufmerksam, die ein Landwirt auf einer Weide hält.

In Huldange erreichen wir wieder Luxemburg. Hier ist wieder eine Verpflegungsstelle eingerichtet. Aber was für eine: Vor einer Gemeindehalle ist ein Zelt aufgestellt, Biertische laden zum Sitzen ein, ein Helfer teilt jedem Radler eine Tüte aus mit Obst, Rosinen, Wasserflasche, Riegel..., an der Theke gibt es außerdem Eierkuchen, und an der Zapfanlage (!) gibt es frisches Pils vom Faß. Hier und auch in der Gemeindehalle ist also einiges los, denn dort ist Jempy Schmitz persönlich anwesend (Huldange ist sein Geburtsort) und wird als Namensgeber der Randonnee mit Reden geehrt.
Es herrscht Volksfestcharakter, und dabei ist das nur eine Verpflegungsstelle.

Wir fahren weiter und kommen an den Burgplatz, die höchste Erhebung von Luxemburg. Über diverse Wirtschaftswege und einem kräftigen Anstieg entlang eines Bachlaufs kommen wir nach Marnach, das wir anfangs schon durchquert hatten und biegen auf die 80er Tour ein. Eigentlich verspricht die Tourenkarte eine rasante Abfahrt, aber denkste. Der Straßenbelag ist hier in einem katastrophalen Zustand, und ich bin unentwegt am Bremsen. Alles über 25 km/h ist lebensgefährlich.

So bin ich froh, daß wir heil unten ankommen und dort im Tal dem Flußlauf der Our folgen, dem Grenzfluß zwischen Deutschland und Luxemburg. Kurz hinter Stolzembourg folgt die dritte Kontrolle, essensmäßig diesmal "normal" mit Bananen, Orangen und Äpfeln sowie Getränken ausgestattet. Hier gibt es, wie an den anderen Kontrollstellen, Toilettenanlagen. Das bei anderen RTF´s übliche und unappetitliche Wildpinkeln an Büschen, Bäumen etc. gibt es hier Gott Lob nicht.

Der Rest der Tour verläuft, abgesehen von einigen Wellen, flach. Wir folgen dem Lauf der Our, passieren Vianden, eine wunderschöne Luxemburger Stadt, und kommen nach Roth auf deutschem Gebiet. Bei dieser Randonnee handelt es sich um eine Dreiländerfahrt. In Wallendorf kommen wir wieder auf Luxemburger Gebiet und fahren auf guten Radwegen zurück nach Diekirch. Nicht, ohne das ein oder andere versteckt aufgehängte Schild zu suchen.

Fazit:

Wer Wert legt auf eine landschaftlich schöne RTF, der findet hier die richtige Randonnee/RTF. Naturbelassene Bach- und Flußläufe wechseln sich ab mit menschenleeren, landwirtschaftlich geprägten Gebieten, wo freie Flächen für fantastische Ausblicke sorgen. Ich habe mich gefühlt wie im Urlaub.
Einzig die Beschilderung ist verbesserungswürdig. An wichtigen Stellen hat schon mal ein Schild gefehlt, und an manchen Stellen hingen die Schilder auf der linken Seite oder sonst wo, aber nicht im Blickfeld. Bei einer 15. Durchführung einer solchen Veranstaltung sollten diese Dinge eigentlich nicht mehr vorkommen. Und die Verpflegung im Ziel kenne ich auch besser. Zu trinken entweder Alkohol oder Süßkram wie Limo und Cola. Sind Apfelsaftschorle oder alkoholfreies Bier in Luxemburg nicht bekannt? Auch eine Kuchentheke habe ich nicht gefunden.

Die Bedeutung und Schönheit der Randonnee werden durch die Teilnehmerzahlen untermauert: 960 Teilnehmer in einer für deutsche Verhältnisse kleinen Stadt ohne Großstadt im Einzugsgebiet zeugen vom guten Ruf und der Bedeutung dieser Veranstaltung. Infos unter www.randonneejempyschmitz.lu
 

Christoph Stein

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