RTF, Radmarathon, Pässe und mehr

RTF Biblis
 

Tourname: RTF Biblis
Startort: Biblis
Verein: RV Biblis
Tourlänge: 41, 73, 111, 145 km
Höhenmeter: 1020 hm

 

 
RTF Biblis auf einer größeren Karte anzeigen

Biblis 2008,

Da ich mit dem Rad angefahren bin, komme ich erst gegen acht Uhr auf die Strecke. Sie beginnt flach und erreicht nach wenigen Kilometern den Jägersburger Wald. Danach geht es Bensheim entgegen. Die Querung der Stadt ist nicht zu vermeiden, wenn man in das Lautertal will, nach wenigen Ampeln iss dann auch schon gut.

Was jetzt kommt, ist geeignet, jeden Fremden zum Odenwald-Fan zu machen. Es sei denn, er mag flach und kurz. Der erste Anstieg zieht sich erst kaum merklich, dann zurückhaltend das Lautertal hinauf. Ab Reichenbach wird es dann steiler bis Gadernheim durch. Ich lasse das 42 Blatt stehen und halte die Kurbel auf Drehzahl, auch wenn die Beine protestieren. Kurz nach dem Ort ist die erste Kontrolle aufgebaut. Es gibt Schmalzbrote, auch wenn das nicht jede(r) mag. Ich nehme sie dankend an.

Nach der Kontrolle zweigt die 70er-Strecke ab (die 40er ist bereits im Jägersburger Wald abgegangen, sie wird mit eigener Kontrolle ganz im Flachland geführt). Die 110er steigt noch ein paar Meter bis zur Bergwertung "Schöne Aussicht". Parkplätze, ein Ausflugslokal, Ihr könnt Euch den Platz vorstellen. Nun kommt eine lange Abfahrt, erst durch Wald mit schön geschwungenen Kurven, dazwischen die Ortsdurchfahrt Lindenfels, hier hält mich eine Parade historischer Trecker kurz auf.

Weiter ab wieder durch Wald, vorbei am Abzweig Gumpener Kreuz bis ganz hinunter ins Tal. Die Durchfahrt Reichelsheim ist normalerweise flach, aber derzeit eine Großbaustelle. Die örtliche Umleitung (Sudetenstraße) spendiert ein paar Bonus-Höhenmeter.

Kurz darauf geht es rechts ab, durch Unter-Ostern, und der Anstieg zur Wegscheide beginnt. Traditionell tue ich mir an diesem Anstieg schwer, zumindest bei der Bibliser RTF. Liegt vielleicht daran, dass ich gleich im ersten Anstieg viele Kräfte lasse. Es geht eher würgend auf dem 42er Blatt hoch. Mittlerweile habe ich die Windjacke im Trikot verstaut. Am Abend werde ich einen leichten Rotton auf den Armen haben. Auch die Beinlinge werden jetzt nach unten gestreift. Seltsamerweise haben die Beine noch soviel Restbräune, dass hier nichts kaputtzumachen ist.

Nun senkt sich die Strecke abwärts. In Wahlen gibt es ein zweites Mal Schmalzbrote. Weiter geht es abwärts nach Waldmichelbach. Man könnte hier die ganze Strecke geradewegs zum Neckar fahren, aber der Kurs führt nun durch den Ort, wo es wieder leicht zu steigen beginnt, und dann auf 430 Meter zur Kreidacher Höhe.

An dieser Stelle zweigt die 150er Runde ab, und hier wird sie auch wieder einmünden. Diese Runde ist in den 90er Jahren an eine zuvor schon existierende 110er angebaut worden. Der RV Biblis ist einer der wenigen Vereine, die ihr Angebot erweitert haben, anstatt es zu reduzieren. Deshalb liegt mir auch daran, diese Runde zu fahren und mein Gesicht dort zu zeigen, auch wenn ich schon mit dem Rad angefahren bin. Die Runde ist es auch wert.

Die lange Runde führt weiter aufwärts nach Siedelsbrunn. Der Ort ist Skigebiet. Erstaunlicherweise fahre ich diesen Anstieg wieder leichter, auch das ist traditionell so der Fall. In Oberabtsteinach beginnt das Gefälle und würde erst in Neckarsteinach enden, aber es geht in Unterabtsteinach rechts ab und über eine kleine Gegensteigung. Eine Abfahrt mit engen Serpentinen erreicht Trösel. Wir sind im Gorxheimertal und durchfahren Unter-Flockenbach und Gorxheim. Die weitere Richtung würde nach Weinheim führen, wo das schöne Odenwald-Extrem nicht mehr veranstaltet wird. Statt dessen geht es scharf rechts ab.

Die Redewendung vom rechtzeitigen Schalten ist hier erfunden worden. Ortskundige schalten schon vor dem Abbiegen, denn nach der 180-Grad-Wende steht man vor einem 13-Prozenter. Hier gönne ich mir das kleine Blatt. Der Anstieg nach Buchklingen hat mehrere etwas flachere Abschnitte und dazwischen geht er wieder in den zweistelligen Bereich. Er führt zwar nicht zum höchsten Punkt der Strecke, ist aber dennoch ein Höhepunkt. Anschliessend fällt die Straße und mündet da ein, wo man von rechts von Oberabtsteinach hätte herkommen können. Ganz Gewitzte könnten Buchklingen komplett vermeiden.

Das Gefälle geht weiter nach Birkenau. Die Kontrolle sitzt versteckt im Schatten und ich finde sie nur, weil ich weiß, wo ich hinschauen muss. Während ich schmalzbrotkauend im Schatten sitze, wollen etliche Teilnehmer vorbeifahren, die wir aber zurückrufen. Dabei ist auch Bici (Lothar Wolf), wir begrüßen uns mit frohem Hallo. Er überhold mich bald mit seiner Truppe auf dem Weg nach Nieder-Mumbach.

Von hier führt ein ganz schmaler Weg steil nach oben und ebenso steil und kurvenreich hinunter nach Mörlenbach-Weiher. Die nächste Steigung steht an, es geht nach Kreidach und von dort zur gleichnamigen Höhe, und hier schließt sich der Kreis. Jetzt geht es auf der alten Strecke weiter auf einer schönen Abfahrt, die nach einem Linksschwenk nach Mörlenbach führt. Und wir erkennen: zwei Kilometer entfernt liegt der Nachbarort Weiher, wo die letzte Bergwertung begann. Hier könnte man abkürzen ohne Ende.

Jetzt ist auch die 70er-Strecke wieder mit dabei. In Richtung Bonsweiher fängt es ganz langsam wieder zu steigen an. Am Ortsende geht es dann richtig los. Der gefühlte Steigungswert ist vielleicht etwas stärker als der tatsächliche, weil ich bis hierher schon etliche Höhenmeter absolviert habe. Hinter dem kleinen Ort Juhöhe, auf gut 400 Meter, ist die letzte Kontrolle aufgebaut. Hier gibt es keine Schmalzbrote mehr. Ich fülle die Flasche, und es geht rasante 300 Höhenmeter abwärts nach Heppenheim. Und damit ist die Odenwald-Sektion beendet.

Ab hier führt die Strecke teils durch offenes Gelände, teil durch Wald bis kurz vor Lampertheim. Jetzt muss ich eine Entscheidung treffen. Von hier aus könnte ich direkt nach Rosengarten und zur Wormser Rheinbrücke fahren. Meine Wertungskarte ist bereits eingetragen. Aber ich habe Zeit und möchte mal wieder die Originalstrecke zu Ende fahren. Sie führt neuerdings auf einen landwirtschaftlichen Seitenweg, der für einen Gemüsebetrieb angelegt wurde.

Diese Straße gibt es in google maps nicht, ich habe die Streckenführung per Hand ins Satellitenbild eingetragen. Mehrfach liegen Sand und scharfkantige Steine in den Kurven. Weiter geht es durch kleine Siedlungen und in die Außenbezirke von Bürstadt. Nach meiner Erinnerung ging es nun auf einem Radweg an der B44 entlang nach Bobstadt. Offenbar wurde dies geändert, ich fahre auf einem landwirtschaftlichen Weg (ebenfalls per Hand eingetragen) nordwärts und biege nach Westen ab. Der Weg ist stark verschmutzt und mündet in Bobstadt auf die Bergstraße ein.

Nun sind es nur noch wenige Kilometer bis zum Ziel an der Riedhalle in Biblis. Hier stärke ich mich und sitze noch plaudernd mit Bici und seiner Truppe beisammen, ehe ich heimfahre. Dies ist aber auch das einzige Argument, um das letzte Stück Weg unter die Räder zu nehmen. Der Weg selbst spricht nicht dafür. Wenn nicht die Aussicht besteht, im Ziel Bekannte zu treffen, werde ich nächstes Jahr wieder ab Lampertheim in den Heimweg einbiegen.

Manfred Kiesel

Drucken

Inhalte, Konzept und Umsetzung: Hermann Dirr, Templates: intwerb.de