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Radmarathon Undenheim (geschlossener Verband)
 

Tourname: 1. Rheinhessen Kleeblatt Marathon
          
Verein:
VerfasserIn: Manfred Kiesel
Datum: 2007
Startort: Undenheim
Tourlänge: 208 km
Höhenmeter in M: 1750 Meter

 Strecke:

1.Blatt Undenheim - Hahnheim - Särgenlich - Nieder-Olm - Klein-Winternheim - Ober-Olm - Essenheim (keine Ortsdurchfahrt) - Stadecken-Elsheim - Kreuzung - Wörrstadt - Schornsheim (keine Ortsdurchfahrt) - Undenheim (ost)

2.Blatt Undenheim - Köngernheim - Selzen - Mommenheim - Schwabsburg - Dexheim - Dalheim - Weinolsheim - Ülversheim - Guntersblum - Alsheim - Dorn-Dürkheim - Gau-Odernheim - Bechtolsheim - Undenheim

3.Blatt Undenheim - Bechtolsheim - Gau-Odernheim - Dittelsheim-Heßloch - Gau-Heppenheim - Dautenheim - Alzey - Heimersheim - Albig - Spiesheim - Biebelnheim - Gabsheim - Schornsheim - Undenheim

4.Blatt Undenheim - Friesenheim - Weinolsheim - Dolgesheim - Hillesheim - Dorn-Dürkheim - Alsheim - Mettenheim - Osthofen -Westhofen - Dittelsheim-Heßloch - Gau-Odernheim - Bechtolsheim - Undenheim 

Die Streckenführung bildet ein Kleeblatt in alle vier Himmelsrichtungen. Für den Veranstalter hat dies den Vorteil, daß er keinen Futterwagen mit den Gruppen mitschicken muß. Alle Gruppen kommen nach jeder Runde zur Goldbachhalle nach Undenheim zurück und können dort abgefüttert werden. Drei unterschiedliche Gruppen waren ausgeschrieben mit 28, 26 und 24 km/h. 

Um 6:40 Uhr setzte sich unsere 24-km/h-Gruppe in Bewegung. Die schnelleren Gruppen waren schon weg. Vornweg fuhren Fahrer vom Veranstalter, des Weges kundig (weitgehend). Bei noch recht kühlen Temperaturen und fast keinem Wind fuhr das Feld durch die hügelige Landschaft Rheinhessens. Dieses Land ist, aufgrund der Niederschlagsmenge, von Natur aus unbewaldet, die Hügel tragen Weinberge. Bei Wind ist dieses offene Gelände sehr unangenehm zu befahren, aber den hatten wir heute praktisch nicht. 

Der beste Platz in einem geschlossenen Verband ist so weit vorne wie möglich. Daher sortierte ich mich möglichst nach vorn und war bald in der dritten und dann in der zweiten Reihe angekommen. Vorn fuhren die Bären aus dem Verein. Daran änderte ich vorläufig nichts. Es ging immer mal wieder sanfte Hügel hoch und für meine Begriffe überraschend lange Abfahrten hinab, schnell erreichten wir den Zielort wieder, fuhren zunächst daran vorbei und dann von Osten her hinein zum Ziel. Bis hierher hatten wir einen satten 26er Schnitt, ohne daß jemand über zu schnelle Fahrt geklagt hätte. 

Zehn Minuten Pause waren angesagt. Es gab Schmalzbrote und Kuchen, dann ging es auf das zweite Blatt. Nun ging ich auch zeitweise in die Führung, immer zusammen mit einem der Vereinsfahrer. Die zunächst wieder hügelige Fahrt erreichte bei Guntersblum Flachland, aber von Alsheim aus führte eine längere Steigung wieder hinein ins Gehügel. Nun kam auch die Anweisung, bergauf etwas langsamer zu fahren - schließlich waren wir die "langsame" Gruppe. Trotzdem lag der Schnitt nach dem zweiten Blatt immer noch im 26er Bereich. 

Elf Uhr Mittag, es gab Nudeln mit viel Soße. Ich hätte ein Sieb anstatt der Schöpfkelle bevorzugt, das hätte das Verhältnis etwas zugunsten der Nudeln verschoben. Was mich aber wirklich störte, war die Länge der Pause. Sie dauerte wohl fast eine Dreiviertelstunde, bis endlich alle (alle?) wieder abfahrbereit waren. Diesmal fuhren wir da hinaus, wo wir zuletzt hereingekommen waren, und dann in den Südwesten, Richtung Alzey. Meine Beine liefen nach der zu langen Rast ganz träge, ich versteckte mich in der zweiten oder dritten Reihe, erst bei Alzey wurde ich wieder halbwegs betriebswarm. In Spiesheim kamen wir zum Stehen - es hatte zu tröpfeln begonnen, etliche Fahrer wollten ihre Regenjacken anziehen.

Es war aber mittlerweile so warm, daß sie unter der PVC-Folie mehr schwitzten, als sie von außen naß werden konnten. Nachdem wir minutenlang standen, hörte es praktisch wieder zu regnen auf. Hinab nach Biebelnheim, dann kam in Richtung Gabsheim so etwas wie ein längerer, aber moderater Anstieg. Wieder einmal fuhr ein Fahrer aus dem veranstaltenden Verein vorn neben mir. Kurz vor Ende des Anstiegs fast ein Sturz: mein Nebenmann wurde unvermittelt sehr viel langsamer (geplatzt?) und hätte fast seinen Hintermann abgeräumt. Ein Vereinskamerad von ihm nahm den Platz neben mir ein, und wir zogen über die Wellen bis Schornsheim. Nun reihten sich zwei Bären in den gelb-weißen Vereinsfarben vorn ein und veranstalteten ein kleines Zeitfahren auf der leicht abfallenden Strecke, die alsbald ins Ziel zum dritten Stopp führte. 

Dieser dauerte sehr lange. Ich hatte alle Zeit, Käsebröchten und Schmalzbrot zu futtern, mich mit Askan zu unterhalten, der auf der RTF-Strecke gewesen war (der Verein hatte unabhängig von diesem Verband eine klassische RTF ausgeschildert, wer aber nach irgendeiner Teilstrecke aus dem verband ausstieg, erhielt auch die RTF-Punkte entsprechend der gefahreren Strecke), und auf die Toilette konnte ich auch noch. Dann waren immer noch nicht alle da, die diese letzte Teilstrecke noch angehen wollten. Endlich konnte es losgehen. Zumindest eine Teilnehmerin war dageblieben. Wir hatten immer noch einen Schnitt von 26,0. 

Obwohl ich als einer der letzten der Gruppe losgerollt war, sortierte es mich wie automatisch wieder nach vorn. Leicht wellig ging es durch die ersten Ortschaften dieses Blattes bzw. vornehmlich daran vorbei, bis wir nach Dorn-Dürkheim einbogen. Es ging kurz hoch und dann nach Alsheim hinunter, wo wir vor dem Mittagessen in Gegenrichtung gefahren waren. Auf dem flachen Stück nach Mettenheim wurde ich kurzfristig vorn abgelöst, einer der Bären erhöhte das Tempo auf 33 km/h, löste dann in Mettenheim wieder ab. Weiter ging es flach nach Osthofen und dann gaaaaanz leicht ansteigend die sechs km nach Westhofen. Neben mir fuhr ein starker Fahrer in Weiß-Gelb mit Liegelenker, das Tempo hielt sich immer zwischen 30 und 33 km/h. Ich befürchtete schon, ich würde auf dem stufigen Anstieg von Westhofen nach Dittelsheim-Heßloch wie ein Komet verglühen. 

Aber niemand fuhr dort an mir vorbei. Es ist einer der Anstiege, die einen narren, wenn man sie nicht kennt. Du fährst auf eine Kuppe zu, aber danach geht es etwas flacher weiter und dann wieder mehr nach oben. Dasselbe wiederholt sich mehrfach, dann ist es geschafft - die Kuppe. Aber danach geht es durch eine Senke, und die nächste Welle folgt. Dann habe ich wieder einen Nebenmann, der zieht wie ein Ochse. Ich gehe natürlich mit, aber der Erfolg ist nur, daß der Rest des Verbands abreisst. Dann rauschen wir mit acht Prozent Gefälle in den Ort und natürlich mit Schmackes an dem unscheinbaren Abzweig Richtung Gau-Odernheim erstmal vorbei. Also alles rrrrre! und dann über die kleinen Wellen zum nächsten Ort.

Ab hier waren die letzten sieben, acht km des Heimwegs mit dem zweiten Blatt identisch. Noch immer wollte keiner an mir vorbeifahren. Den letzten Hügel ausgangs Bechtolsheim fuhr ich mit ersterbender Batterie, immer wieder runterschaltend, immer langsamer werdend. Hinter mir der Verband wie auf eine Perlenkette aufgereiht. Die letzten drei km tendenziell leicht bergab, konnten wir locker ausrollen. Am Auto dann Schuhe aus, Helm ab, das Rad aufgehängt - zu meiner Überraschung konnte ich dabei beobachten, wie noch Fahrer einzeln oder in Zweiergruppen von Bechtolsheim her gerollt kamen. 

Am Ende lag der Schnitt bei 26,5 - was heisst, daß wir auf dem letzten Kleeblatt einen 28er Streifen gefahren waren. Ok, bei einem 200-km-Sprint kann man das mal machen. Auch die anderen Gruppen waren schneller als ihr ausgeschriebener Schnitt, wie das bei geschlossenen Verbänden so üblich ist. Hätte es aber Wind gegeben, gar so viel wie am Vortag, wäre deutlich anders gefahren worden. 

In meiner Gruppe waren alle unfallfrei angekommen. Das war in den anderen Gruppen leider nicht so, wie ich hörte. Ein Teilnehmer war von einem Auto angefahren worden. In der 28er Gruppe waren zwei Fahrer aneinandergeraten und zu Fall gekommen. Einer von ihnen fuhr danach direkt zum Ziel, sein Kontrahent, der vor Ort von einem Arzt behandelt wurde, nahm die Gelegenheit, anschließend in der 26er Gruppe weiterzufahren. Ob das nun ein typischer Sturz war, wie er in geschlossenen Verbänden passiert? Ich denke, das kann auch in Gruppen vorkommen, wie sie sich bei einer klassischen RTF bilden. Und der beste Platz ist sowieso, wie ich schon sagte - vorn. 

Fazit: eine schöne Tour, Top-Verpflegung, nur die Pausen wurden im Verlauf des Tages immer länger, das könnte noch besser organisiert werden. Die Kräfte haben für den Sprint genau gereicht, länger hätte die Strecke nicht sein dürfen. Ich war aber auch gut die Hälfte der Distanz von vorn gefahren, ein gutes Training für kommende Aufgaben. Im Ziel gab es noch Essen und Trinken, ich musste mich allerdings gleich verabschieden, ich hatte noch einen Muttertagsbesuch zu machen.

 
Manfred Kiesel

 

 
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