RTF, Radmarathon, Pässe und mehr

Radmarathon Riegelsberg
 

Tourname: Radmarathon Riegelsberg
          
Verein: Phönix Riegelsberg
VerfasserIn: Manfred Kiesel
Datum: 2007
Startort: Riegelsberg
Tourlänge: 234 km
Höhenmeter in M: 3000 Meter

 

Vor den Start hat der liebe Gott die Suche danach gesetzt. Auf der Fahrt von Champagney nach Riegelsberg ist es stockdunkel geworden. Ich passiere die Grenze und verfahre mich erst einmal. Dann finde ich die B268 nach Riegelsberg, verliere sie mangels Schilder und finde sie wieder. Nun muß ich nur noch Walpershofen und die Köllertalhalle finden, deren Adresse ich nirgendwo im Netz entdecken konnte. Prima, mitten in Riegelsberg Schilder "Zum Start". Sie führen durch ein Wohngebiet, und dann? Nichts mehr zu sehen. Ich fahre zurück, suche, habe ich ein Schild übersehen? Nein. Eine späte Spaziergängerin weist mich nach Walpershofen. Dort finde ich auch einen schönen ruhigen Platz hinter der Halle, wo ich noch dreieinhalb Stunden schlafen kann. 

Pünktlich um sechs Uhr geht ein Teil der insgesamt 40 Marathonteilnehmer auf die Strecke. Sie führt durch Heusweiler nach Eiweiler und von dort nicht direkt nach Eppelborn, sondern auf einen schmalen Weg in Richtung Wiesbach. Schon bisher ging es saarland-typisch in Wellen auf und ab, nun klettert das Sträßchen über eine knackige Welle. Ich habe ständig das Zeitlimit im Kopf - 14:30 Uhr bei Km 179 an der Streckenteilung - und versuche wieder mal den Spagat: ich darf weder trödeln noch mich verausgaben. Jedesmal dieser Streß mit den Limits, wann kann ich mal wieder einfach nur fahrradfahren? 

Über Mangelhausen und Humes bis zur Ampel in Eppelborn, wo sich die Strecke teilt, und weiter nach Dirmingen rollt es nun. Dann aber kommt ein längerer steiler Stich und eine coupierte Strecke nach Tholey. Dort folgt eine zwei km lange Kletterpartie zum Schaumberg, wo bei km 33 die erste Kontrolle wartet. Eine längere Abfahrt führt nach Theley und hindurch, nun bin ich schon auf der Marathonstrecke. Sie führt zunächst Richtung Primstal, biegt dann aber ab in einen längeren Anstieg, die schön gleichmäßig zu fahren ist, nach Selbach, hinab nach Neunkirchen/Nahe und es folgt ein Anstieg Richtung Eiweiler, allerdings ist dies ein anderer Ort als das Eiweiler vom Streckenanfang. Eine steile Abfahrt führt in den Ort, heraus führt ... richtig, ein Anstieg.

Er führt uns auf ganz schmaler Straße mehrere km auf den Petersberg, wo sich eine Sternwarte befindet. Die folgende Abfahrt ist steil und hat enge Kurven, sie führt nach Braunshausen und danach geht es aufwärts nach Schwarzenbach. Wir biegen ab nach Otzenhausen und fahren dort die bekannte Straße nach Neuhausen und Züsch. Hier sind wir im Rheinlandpfälzischen Hunsrück. Einen Kilometer hinter Züsch, wo das Sträßchen in die Hunsrückhöhenstraße mündet, ist die zweite Kontrolle. 

Bis hierher wechseln sich Anstiege und Abfahrten ständig ab. Ich fahre nach der Faustformel: eine Stunde brutto für 20 km, also mit Reserve für Ampeln und Kontrollen. Je weniger anspruchsvoll der Parcours ist, desto mehr kann ich gutmachen auf diese Marschtabelle. Bis zum Limit muß ich eine halbe Stunde herausfahren. Hier soll ich 69 km gefahren sein, mein Tacho zeigt bereits 71. Und es ist halb zehn vorbei, ich habe eher noch Zeit verloren als auch nur eine Minute gutgemacht.

Und es wird eher noch gebirgiger auf dem Weg nach Hermeskeil. Unter 10 Prozent geht nichts mehr. Daß wir durch die Stadt Hermeskeil fahren, überrascht mich etwas, denn in dieser Gegend war ich wohl sehr oft, aber in der Stadt nie. Auf den nahegelegenen Erbiskopf, die höchste Erhebung von Rheinland-Pfalz, hat man sich dann doch nicht getraut. Obwohl er bestens zum Profil gepasst hätte. 

So ist mir auch der folgende Abschnitt unbekannt. Er führt über Höfchen nach Reinsfeld und biegt dann nach Holzerath. Hier steigt die Straße ständig an, mal mehr und mal weniger steil, und erreicht 680 Meter über N.N., ehe es in eine lange Abfahrt durch Holzerath und Schöndorf hindurch geht. Bis zur Einmündung nach Hinzenburg werden 400 Höhenmeter verloren. Ich bin nur froh, daß wir nicht von Pluwighammer aus hierher mussten, denn ab hier bin ich wieder bekannt. So können mich die nächsten Anstiege und Abfahrten nicht überraschen. Sie führen durch Heddert und Schillingen und enden in einer rauschenden Abfahrt nach Kell am See, wo wir wiederum für ein kurzes Stück die Hunsrückhöhenstraße befahren. An ihrer Seite treffe ich auf die dritte Kontrolle. 

Nach 107 km zeigt mein Computer 1981 Höhenmeter an. Mir sind nur wenige RTF's bekannt, die ein noch heftigeres Verhältnis von Höhen- und Kilometern haben, der Ötztaler und der Nürburgring gehören dazu, die Tour in Champagney am Vortag hatte ähnliches Niveau, wobei die Höhenmeter ganz anders verteilt waren. Um 11:20 verlasse ich die Kontrolle und habe zu diesem Zeitpunkt wenig Zuversicht, das Limit zu packen. 

Es kommen noch eine Abfahrt und ein Anstieg, aber beide sanfter als zuvor, dann bin ich in Grimburg. Ab hier habe ich endlich eine Chance, etwas Zeit gutzumachen, denn nun rollt es abwärts. Noch aus den Augenwinkeln heraus sehe ich, daß der Veranstalter die steile Verbindungsspange ausgeschildert hat, die direkt auf eine Vorfahrtstraße zu fällt, da bin ich aber schon vorbei und fahre die flachere Variante, die etwa 100 Meter später im spitzen Winkel einmündet und die mir von der Schmelzer Tour her so bekannt ist. Eine kleine Gruppe, die in Sichtweite vor mir her fährt, ist genauso gefahren.

Die neue Straße führt an Wadern vorbei nach Dagstuhl und Lockweiler und biegt dann in eine unscheinbare, mir unbekannte Seitenstraße. Sie verlässt den Ort und führt durch ein Waldstück immer zur Höhe, biegt dann nach Altland und steigt erneut. Diese wunderschöne, ruhige Variante bin ich noch nie gefahren. Allerdings hat die Abfahrt nach Lindscheid einige scharfe Ecken und setzt die Höhe mehr in Bremsgummiabrieb anstatt in Geschwindigkeit um. 

Von hier ab geht es tendenziell leicht bergab bis nach Schmelz und dann praktisch eben bis zu Kontrolle bei km 146. Auf dieser Strecke kann ich etwas Dampf machen. An dieser Kontrolle gibt es das Warmessen in einer Gaststätte, wo man außen sitzen kann. Noch während ich das Rad abstelle, gibt der Sportkamerad Werner meine Bestellung weiter: ich kann auswählen zwischen Fleisch- und Tomatensoße zu den Spaghettis. Es geht schnell, bis ich gestempelt und meine Flasche gefüllt habe, ist mein Essen schon da. Nun kann ich im Hinblich auf Paris-Brest testen, wie schnell ich einen Teller Spaghetti in mich hineinstopfen kann. 

Ziemlich schnell. Noch vor 13 Uhr springe ich aufs Rad. Das Limit! Ich habe es fast in Reichweite vor mir. Zwei andere Teilnehmer fahren soeben kurz vor mir ab, und nun gönne ich mir den Luxus, mich an ihr Hinterrad zu hängen. Wir fahren einen weiteren Teilnehmer auf, der ist den beiden bald zu langsam und sie setzen sich wieder vor ihn. Mit bis zu 37 km/h geht es im Flachen über Körprich in Richtung Bisdorf und dann moderat bergan.

Die vordere Lokomotive meines Zuges zieht voll durch, der zwischenzeitlich aufgefahrene Fahrer fällt zurück, der zweite Mann beisst und bleibt zumindest in Sichtweite, ich schlage meine Zähne in den Lenker und schaffe es, zumindest an diesem dranzubleiben. Dann merkt der Vordermann, daß er alles auseinandergefahren hat, und wartet auf seinen Kameraden. Aber der hat sich bei dieser Aktion die Lichter ausgeschossen und kann auf dem welligen Stück nach Nalbach und Düppenweiler nicht dranbleiben, auch nicht, als ich ihn ziehe. Der Vordermann muß langsam machen, und nun darf ich auch mal ein Stück ziehen. So erreichen wir die nächste Kontrolle gleich nach Rehlingen, wo ich meinen Zug verabschiede. Die beiden werden auf die kleine (202 km) Strecke einbiegen, was sicher Sinn macht. 

Stempeln lassen (der Helfer reicht mir die Karte zusammengefaltet zurück, später entdecke ich, daß sie nicht gestempelt ist), einen Bissen essen, Flasche füllen. Als ich starte, fährt auch Werner ab, den ich eine Kontrolle zuvor gesehen und nun eingeholt habe. Ich bin schon in Rockenhausen ein Stück mit ihm gefahren und habe nun keinen schnellen Zug, aber angenehme Gesellschaft. Wir fahren gemeinsam durch Wallerfangen und kommen an die Teilung, die mir den ganzen Tag soviel Sorge bereitet hat. Nun habe ich sogar eine lockere Reserve, was die Zeit angeht, aber nicht mehr allzuviel, soweit es die Kraft betrifft. Wir streifen Saarlouis und kommen über Felsberg nach Altforweiler. Die Gegend ist wieder wellig, Werner kennt hier jede Ecke, es ist seine Heimat. 

Der weitere Verlauf des langen Marathons folgt der 118-km-Strecke und führt durch den Warndt, ein sanftes, bewaldetes Hügelland mit einsamen Straßen. Wir rollen recht locker hindurch, mehr kann ich nicht mehr, und erzählen uns dabei was. Warndtweiher und Lauterbach werden durchfahren. Kurz vor Karlsbrunn die letzte Kontrolle. Es gibt Cola, die ich jetzt gut gebrauchen kann. Die Strecke zieht sich in leichtem Auf und Ab über St.Nikolaus, Emmersweiler, Grosrosseln, Klarenthal nach Saarbrücken-Burbach. Ein vergleichsweise längerer, aber nicht steiler Anstieg steht uns noch ins Haus.

Dann sind wir in Saarbrücken. Hier geht es in mehreren steilen Rampen hügelauf, ich mag diese komischen Wellen nicht, das hier ist übler als der ganze Warndt zusammen. Das Ortsende verheißt uns "Riegelsberg 7 km", wir treffen auf eine Einmündung ohne Schild, fahren nach links Richtung Riegelsberg unud passieren einen Geradeaus-Wegweiser. Später erfahren wir, daß der böse Schilderverdreher zugeschlagen hat. Wir hätten die erwähnten Rampen garnicht fahren müssen und wären von rechts her an der Einmündung vorbeigekommen. Aber auch so sind es nur noch wenige Kilometer zum Ziel. Wir erreichen es nach 234 km und 3000 Höhenmetern um 16:48 Uhr. 

Dieser Radmarathon ist auf der ersten Hälfte knochenhart, aber landschaftlich sehr ansprechend, danach (Gott sei Dank!) deutlich leichter zu fahren. Er führt überwiegend auf verkehrsarmen Nebenstraßen und -wegen, Ausnahme das Stück bei Hermeskeil (kann man das vielleicht umfahren?), das Stück von Lindscheid über Schmelz bis Körprich (aber da lässt sich zumindest kurzfristig etwas Schnitt machen) und der Schluß, soweit wir da nicht sowieso falsch gefahren sind. Besonders gefallen hat mir die Variante über Altland, die beim Schmelzer Marathon nicht gefahren wird.

Die Verpflegung ist tadellos (belegte Brote), das Warmessen wäre aus Teilnehmersicht vielleicht im Ziel besser gewesen. Es ist natürlich klar, daß der veranstaltende Verein ganz froh war, wenigstens damit keine Arbeit zu haben. Für 20 Euro gibt es ein T-Shirt dazu - ob man dem einen oder anderen Teilnehmer, der schon T-Shirts hat, vielleicht die Option gibt, ohne das Hemd für einen geringeren Preis zu starten? Das Zeitlimit, das mir soviel Streß bereitet hat, hat sich am Ende als problemlos herausgestellt - Leute, ich versteh ja den Gedanken, der dahinter steckt, ich versteh auch, daß Ihr nach einem langen Tag gern fertig werden wollt. Aber dieser Streß, ob ich mir das antun muß? Vielleicht fahre ich in Zukunft lieber Strecken ohne Zeitlimits. Obwohl, diese hier ist uneingeschränkt zu empfehlen.

Manfred Kiesel

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