RTF, Radmarathon, Pässe und mehr

Radmarathon Ottenbach (Alb Extrem)
 

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Bericht Alb Extrem 2005, 276 km Autor: Manfred Kiesel

Bericht Alb Extrem 2003, 290 km Autorin: Astrid

Bericht Alb Extrem 2003, 190 km Autor: Hermann

 

Tourname: Alb-Extrem
Verein: MRSC Ottenbach
VerfasserIn: Manfred Kiesel
Datum: 2005
Startort: Ottenbach
Tourlänge: 276 km
Höhenmeter: 4335 m

Vier Uhr. Im Wohnmobil beendet der Handy-Wecker einen guten, aber nicht sehr langen Schlaf. Wir waren am Vorabend vom Fürther Supercup angekommen und hatten erkundet. Dabei hatte ich herausgefunden, wo gestartet wurde, wo das Festzelt stand, und hatte das Wohnmobil zu anderen seiner Art auf eine Wiese gestellt, ein paar hundert Meter vom Festzelt entfernt. Für das Abholen der Startunterlagen war es zu spät gewesen.

Das hole ich nun nach, aber erstmal Frühstück: Müsli und Käsebrötchen. Am Vorabend hatte es noch im Zelt Spaghetti gegeben und Bier. Auf das hier gelesene Dopingrezept, Honigbrot, musste ich leider verzichten: in den voll gepackten Schränken des Mobils war der Honig nicht mehr aufzufinden gewesen. Nun - dann muss es eben ohne gehen. Dann rolle ich durch die Morgendämmerung durch den Ort und wieder hinaus und finde das Ende der Schlange, wo ich ein Bändchen an den Arm bekomme, wie Astrid die Prozedur beschrieben hat

Pünktlich um halb sechs setzt sich die Schlange langsam in Bewegung. Es geht im großen Pulk mit bis zu 15% den Hohenstaufen hinauf. Meine Aufgabe besteht darin, schnell genug zu fahren, um bis ein Uhr Mittags an der Teilung bei gut 160 km zu sein, aber nicht zu schnell, um nicht im zweiten Teil einzubrechen. Das erfordert Fußspitzengefühl. Ich beschliesse, an den Kontrollen nicht zu lang zu verweilen, aber genug zu essen und zu trinken.

Die Temperatur ist mit 19 Grad für den frühen Morgen recht hoch, die Luft ist feucht. Nach dem Hohenstaufen geht es im Pulk in Kurven abwärts in Richtung Schwäbisch Gmünd. Weit unten, schon fast im Flachen, kommt uns der Rettungswagen entgegen. Da hat sich jemand ein halbes Jahr lang vorbereitet und gefreut, denke ich, und dann endet es nach einer halben Stunde im Rettungswagen. Meine Frau wird mir am Abend erzählen, daß es ein Wohnmobilnachbar aus Hamburg war, der sich beim Sturz am Handgelenk verletzt hat.

Dann geht es wieder hoch, zurück Richtung Hohenstaufen und dann in Serpentinen in Richtung Ottenbach. Hier war ich am Vorabend gefahren. Schon mit dem Mobil hatten die Serpentinen Spaß gemacht. Ottenbach wird erreicht, aber nun steigt der Kurs zum Rechberg hoch. In Waldstetten wird nach längerer Abfahrt die erste Kontrolle erreicht.

Nach wenigen Minuten geht es weiter. Bis hierher konnte man sich immer zwischen anderen Fahrern bewegen, aber es gab fast keine Flachstücke. Nun verteilen sich die Fahrer. Weiler in den Bergen ist erreicht, ich sehe eine Kirchturmuhr und vergleiche mit der Distanz: sieht gut aus, und die Beine machen mit. Der Furtle-Paß steht an, mit einer kleinen Gruppe erreiche ich die Paßhöhe. Mir gedenkt Astrids Rat, daß immer Gruppen von hinten kommen, mit denen man die Flachpassagen fahren kann. Aber die Gruppen, die jetzt von hinten kommen, sind mir alle zu schnell. So fahre ich überwiegend allein weiter.

Über Degenfeld und Lauterstein geht es nach Treffelhausen, nun kommt der Anstieg nach Steinenkirch. Hier treffe ich eine grössere Gruppe und fahre mit, auch wenn ich dabei sehr hoch drehen muß. Ich verdränge den Gedanken, daß ich für diesen Übermut vielleicht später bezahlen muß, und kurble, daß das Tretlager glüht. Dann verschaltet sich einer vor mir und steht. Ich muß auch stehenbleiben, es gibt keinen Platz.

Dann weiter, ich fahre das kleine Loch zu, nur um festzustellen, daß die erreichten Fahrer gerade abgerissen sind, und das nächste Loch geht auf. Lücke um Lücke fahre ich grimmig zu, und fahre am Ende einer sehr klein gewordenen Gruppe über den nächsten Paß. Zur Belohnung ist die folgende Abfahrt recht langgezogen und flach, und die kleine Gruppe zieht gut. Aber auch das hat ein Ende. Es geht nun immer wieder auf und ab zur nächsten Kontrolle nach Waldhausen. Über Eybach erreiche ich zum ersten Mal an diesem Tag Geislingen, die Stadt an der Steige.

Genau genommen hat diese Stadt etliche Steigen. Der Kurs nimmt die von Weiler und erreicht Schalkstetten. Hier bin ich nur zwei Kilometer von der letzten Kontrolle entfernt. Ortskundige können hier ordentlich abkürzen. Stubersheim, Emerbuch und Ettlenschieß sind die nächsten Orte. Nach meinem Eindruck fahre ich wellig auf der Hochfläche entlang. In Türkheim zweigt die 190er Strecke ab. Es geht teilweise über Wirtschaftswege, immer wieder auf und nieder. Als ich schon denke, das hört nie auf,

geht es schließlich doch nieder. Am Ende der Abfahrt stehe ich an dem Punkt, der seit Januar meine Gedanken beschäftigt hat: 210 km rechts, 250 und 280 km links. Es ist kurz vor halb eins. Ab sofort kann ich diesen Punkt gedanklich hinter mir lassen.

Ich lasse ihn auch körperlich hinter mir und stärke mich in Gosbach. Es geht nun wieder einen längeren Anstieg hoch. Der Ortsname Drackenstein und ein leises Rauschen von der Autobahn am jenseitigen Hang lassen ahnen, wo man sich befindet. Nur eine kurze Abfahrt führt in den nächsten Anstieg, kurz hinter diesem liegt die letzte Streckenteilung des Tages und die letzte Entscheidung, die schon seit vielen Monaten gefallen ist.

Die Beine halten, ich bin gut drauf und wäre noch besser drauf, wenn mich nicht eine Kleinigkeit doch noch ärgern würde. Es ist nun sehr warm geworden, meine Hose ist schweißnaß und reibt mir die Innenseite am Sack auf. Auch den *Damen bitte drüberweglesen*. Mitten im Grünen ist eine Kontrolle aufgebaut. Ich stelle eine Stange Wasser in die Prairie, es brennt dabei wie *zensiert*. Dieser Streckenabschnitt ist leicht wellig und führt wie der vorige von Geislingen nach Ditzenbach über die Hochfläche, nun aber teilweise über breitere Straßen.

Dann wieder eine längere Abfahrt von der Albfläche ins Tal, und in diesem entlang. Ich schaue nach rechts, denn meiner Meinung nach ist das die Richtung, die alsbald nach Boll führen wird. Berge erheben sich dort. Meine Ahnung trügt nicht. In Weilheim geht es rechts ab, und obwohl es noch keinen Berg hochgeht, werde ich sichtlich langsamer.

Des Rätsels Lösung: man fährt eine leicht schiefe Ebene hoch, wo die Steigung nicht auffällt. Dann ist der Berg da, und Wald und Kurven und alles, was das Herz erfreut. Die Steigung fällt nun auch auf. Nicht lange, und das "Deutsche Haus" ist erreicht und ein Abzweig, der Boll in wenigen Kilometern anzeigt. Auch für Boll gibt es ein Limit, an dem die Kontrolle schließt. Aber es ist erst kurz vor drei, über dieses Limit und alle folgenden brauche ich mir endgültig keinen Kummer mehr zu machen, als ich nach einer schönen Abfahrt die Kontrolle Boll erreiche.

Ehe ich mich an einer schwäbischen Spezialität labe, aufgeschnittenen Brezeln teils mit Butter bestrichen, teils mit Käse, erzählt der Stempler mir und einem unbekannten Radsportkameraden, der neben mir steht, in wenigen Kilometern komme ein "gemeiner Anstieg". Ich lache ihn aus, denn Gammelshausen ist ein schöner, gleichmässiger Albanstieg über einige Kilometer, wie viele in dieser Gegend. Er hat nichts Gemeines oder Hinterhältiges an sich.

In Ditzenbach schließt sich der Kreis, es geht nun wieder in Richtung Geislingen. Aber nicht direkt. Als nächstes steht der Hexensattel an. Mit 15% verlangt er manchen Teilnehmern in der Hitze des Nachmittags schon alles ab. Der nächste Anstieg, Oberböhringen, hat "nur" 12%. Aber das über ein längeres Stück. Hier muß man seinen Rhythmus findet, den man bis nach oben fahren kann. Nach einer weiteren Abfahrt befinde ich mich wieder in Geislingen.

Hier bekomme ich einen Mitfahrer, mit dem ich mich unterhalte, während wir kilometerlang einen sanften Anstieg aus der Stadt heraus fahren. Ich erzähle ihm, daß ich am Tag vorher 250 Kilometer in Fürth gefahren bin. Er erklärt mir, ich sei bescheuert. Dank dem Bergfloh hatte ich das vorher schon gewusst. Es geht in die Stöttener Steige. Sie ist mit acht Prozent angegeben, und viele Fahrer mögen sie nicht, weil es ein sehr langes Stück geradeaus geht.

Die 190er Strecke ist hier wieder dabei, und ich sehe Fahrer, die fast stehen, und solche, die ihr Rad schieben. Ich frage mich, warum nehmen die vielen anderen, die gern die lange Strecke gefahren wären, einen Startplatz weg? Aber es gibt Fahrer, für die ist die 190-km-Strecke die Herausforderung ihres Lebens, und die Freude, sie bewältigt zu haben, steht meiner eigenen Freude über das Erlebnis dieses Tages bestimmt in nichts nach. Der Kollege, der mich für bekloppt erklärt hatte, ist schon lange abgerissen.

Nach der letzten Kontrolle kommt nochmal ein Zahnzieher: 17 Prozent. Der Abschnitt ist fast wie bei der Tour von Zuschauern gesäumt, man (ja klar, auch frau) wird angefeuert, die Athmosphäre ist einmalig. Ich fahre im Sitzen hoch, mich hält nichts. "Ey, guck mal, der hat auch noch Ballast dabei!" kommentiert einer angesichts meiner vollen Flasche in der Halterung. Hier herrscht jetzt nur noch das Endorphin und die Lust am Kurbeltreten.

Habe ich am Morgen dünn getreten mit hohen Umdrehungszahlen, drehe ich nun eine große Mühle und lasse mich durch nichts halten. Auch nicht dadurch, daß es am Rechberg noch einmal ein längeres Stück, aber moderat, bergauf geht. Ich fliege förmlich an den anderen vorbei. Unbeschwert und fast ungebremst lasse ich das Rad die Abfahrt nach Ottenbach hinuntersausen, wo es am Vormittag nach Rechberg hochgegangen war. 23,8 (nicht, wie zuvor geschrieben, 24,6) beträgt am Ende der bereinigte Schnitt. Aber es nicht der Schnitt, der zählt.

Fazit:

Es gibt längere RTFs. Und schwerere. (Allerdings nicht viele.) Es gibt aber nur wenige, die ein solches Flair und einen solchen Erlebniswert haben. Schwachpunkte in der Organisation gibt es nicht, es sei denn, man könnte den Weg zu Wohnmobilstellplatz, Sportgelände und Festzelt besser ausschildern. Kleinere Wehwehchen der angedeuteten Art wurden am Abend mit Nivea-Creme eingeschmiert, und alles war gut. Ein würdiger Saisonhöhepunkt. Gut, daß ich offensichtlich in Jahreshöchstform war. Eine gute Form sollte man hier schon haben.

Manfred Kiesel

Streckenplan

Ottenbach
Hohenstaufen
Maitis
Radelstetten
Schwäbisch Gmünd
Straßdorf
Lenglingen
Ottenbach
Rechberg
Wißgoldingen
Thannweiler
Waldstetten
Bettringen
Weiler i.d. Bergen
Degenfeld
Lauterstein
Treffelhausen
Steinenkirch
Böhmenkirch
Bartholomä
Steinheim
Gnannenweiler
Söhnstetten
Gussenstadt
Waldhausen
Eybach
Geislingen
Weiler
Schalkstetten
Stubersheim
Emerbuch
Ettlenschieß
Amstetten
Wittlingen
Türkheim
Aufhausen
Bad Ditzenbach
Gosbach
Unter-Drackenstein
Ober-Drackenstein
Hohenstadt
Westerheim
Donnstetten
Schopfloch
(Kontrolle)
Neidlingen
Weilheim
Bad Boll
Dürnau
Gammelshausen
Auendorf
Bad Ditzenbach
Deggingen
Reichenbach
"Hexensattel"
Unterböhringen
Oberböhringen
Geislingen
Stötten
Schnittlingen
Donzdorf
Winzingen
Wißgoldingen
Rechberg
Ottenbach

 

Ottenbach 2003, 290 km

Astrids Bericht von der 290 km Strecke

Wache schon vor dem Wecker auf. Frühstücke schnell, wecke Hermann. Entscheide mich weder Ärmlinge noch Windjacke mitzunehmen. Fahre zum Start. Es geht eine kurze Steigung im Ort hoch. Dann durch den Wald und als ich mich frage, ob ich den Start verpasst habe und schon auf der Strecke bin, sehe ich die Schlange der Starter. 

Die Abfertigung geht schnell. Ich bekomme ein Bändchen um das Handgelenk als 
Ausweis für die Verpflegung. Dann eine Weile warten. Ich unterhalte mich mit 2 Cottbussern hinter mir, die hier schon gefahren sind. Mehrere hundert RadfahrerInnen sind am Start. Es wird pünktlich gestartet und geht gleich den Berg hoch. Es sind morgens schon 15°C. Um die Uhrzeit eine fantastische Temperatur. Gleich am ersten Anstieg, denke ich, ich steige gleich ab, denn er ist sehr lang. Glücklicherweise wird auf den hinteren Rängen nicht gedrängelt, denn alle fahren ungefähr das gleiche Tempo und ich kann eh nicht schneller. Für mich ist so eine Tour ein Abenteuer. 

Bis einhundert Kilometer ca. kann ich fast immer Windschatten fahren, dadurch komme ich sehr schnell voran. Gestern hatte ich noch bedenken, dass sie mich nicht mehr auf die lange Strecke lassen, weil ich es in der vorgegebenen Zeit nicht schaffe bis zum Abzweig. Es ist super zu fahren. Die Auffahrten sind lang, aber die Abfahrten auch. Als es in Serpentinen bergab geht, bekomme ich den ersten Sturz neben mir mit.

Glücklicherweise hatten die Veranstalter dort schon Sanitäter mit Bahre aufgestellt. Sie haben offensichtlich Erfahrung. Ich rufe den Sanitätern zu, dass jemand gestürzt ist. Sie springen gleich los. Auf der ganzen Tour bekomme ich 5 Stürze mit. 3 gehen glimpflich aus. Bei zwei gemeinsam Gestürzten muss der Notarzt kommen. Fast alle Stürze passieren auf Abfahrten. Nur einer in der Gruppe. 

Um 10Uhr ist klar, dass ich es schaffe bis zur Kontrolle um 13Uhr in Bad Ditzenbach, denn ich habe nur noch ca. 55 km zu fahren und noch 3 h Zeit. Das reicht. Unterwegs kommt Joachim vorbei und meint, er wäre schon 3x an mir vorbeigefahren. Wir kommen ins Gespräch und fahren den Rest der Tour mehr oder weniger zusammen, obwohl er eigentlich nur die kurze Tour fahren wollte, da er nicht ausreichend trainiert hat und nur für einen Kollegen eingesprungen ist, der sich das Schlüsselbein gebrochen hat. Nach einhundert Kilometern merke ich schon wie ich abbaue, aber ich denke das ist normal. An einer Kontrolle haben sie Wassereimer stehen und ich kann meine Schuhe eintauchen, prima gegen Fußbrennen.

Die ersten Kontrollen sind mir zu voll. Ich halte nur kurz, mache meine Flasche voll, nehme eine Banane und fahre weiter. Am Berg fahre ich rechts und die meisten sind schneller wie ich. Ich muss und kann damit leben. Ich bin eben nicht besonders gut am Berg, aber ich habe die richtige Übersetzung. Nach zweihundert Kilometern habe ich dann den totalen Einbruch. Ich trete und komme kaum vorwärts. Dafür übe ich mich in Geduld und esse erstmal einen Riegel, denn ich vermute, dass ich zu wenig gegessen habe. 2 oder 3 Bananen sind einfach nicht genug. 

Beim Samsonman werde ich das anders machen und unterwegs alle Stunde etwas essen. Mal sehen, ob sich das positiv bemerkbar macht. Am Schluss kommt dann noch der so genannte Hexensattel. Mir wird klar, wieso der so heißt. Einige schieben hoch. Ich überlege, ob ich mich dazu geselle. Trampele dann aber doch irgendwie weiter. Brauche das 1. Mal das 30er Ritzel hinten und muss trotzdem noch im Stehen fahren, so kaputt bin ich inzwischen. Aber ich bin glücklich als ich oben ankomme, ohne zu laufen.

Dann kommt noch eine Abfahrt, bevor es wieder in Serpentinen hoch geht. Wieder schieben einige, obwohl es dieses Mal nicht so steil ist. Jetzt sind alle Strecken wieder zusammen. Ich esse mehr und erhole mich wieder etwas und bin überrascht als ich plötzlich schon im Ziel bin. Hole mir noch eine Urkunde ab und lasse mir die Punkte eintragen. Nichts wie weg aus dem Festzelt. Ich frage mich durch und komme auf Umwegen in unserer Ferienwohnung an. 

Astrid
RM Ottenbach 260 km auf einer größeren Karte anzeigen

Ottenbach 2003, 190 km

Alb-Extrem 190 km

Zu dieser Tour hatten wir uns schon im Januar angemeldet. Innerhalb von 3 Tagen waren, die von den Genehmigungsbehörden bewilligten 3500 Startplätze vergeben. Wir sind schon einen Tag vorher in Ottenbach und haben uns dort eine Ferienwohnung für 3 Tage gemietet. Am Dienstag wollen wir nach St. Michael zum Samsonman weiterfahren.

Bei dem Alb-Extrem werden 4 verschiedene Strecken angeboten: mit 190, 210, 250 und 280 Kilometer. Die längste Strecke weist 4400 Höhenmeter auf. Astrid will sie unbedingt fahren, ich habe mir die 190er oder 210er vorgenommen. Diese Tour soll die Generalprobe zum Samsonman am kommenden Wochenende sein.

Am Abend vorher ist eine große Fete am Start  angesagt. Hunderte RadsportlerInnen drängeln sich im Festzelt. Mit den Startunterlagen wird auch das begehrte Alb-Extrem Trikot ausgegeben. Wir bleiben nicht lange und gehen lieber noch ein wenig spazieren. 

Am nächsten Morgen wird Astrid schon mit den ersten Startern um 5:30 Uhr starten. Ich werde mich aus dem Gedränge raushalten und erst um 6:00 Uhr auf die Strecke gehen.

Als ich morgens aufwache ist Astrid schon fertig und verlässt das Haus. Ich mache mich auch fertig und bin jedoch erst um 6:17 Uhr auf der Strecke. Um mich herum sind ca. 400 RadlerInnen und das Feld zieht sich sofort auseinander, denn es geht mit über 12% hinauf zum Hohenstaufen. Nur allmählich komme ich in Schwung und kann so 150 Fahrer hinter mir lassen. Die Strecke ist hervorragend ausgeschildert und an allen größeren Ortsdurchfahrten mit freundlichen Polizisten gesichert.

An den Anstiegen stehen viele uns anfeuernde Zuschauer. Es herrscht eine einmalige Atmosphäre. So etwas habe ich bislang noch nicht erlebt. Viele der Zuschauer sind wohl BegleiterInnen der RadsportlerInnen, denn ich sehe einige an den nächsten Anstiegen immer wieder. An den Kontrollen finde ich eine super abgestimmte Organisation vor. 3500 SportlerInnen zu versorgen, stelle ich mir gar nicht so einfach vor. Aber es klappt alles wie am Schnürchen. 

An den Anstiegen fühle ich mich pudelwohl. Hunderte RadlerInnen kann ich hier stehen lassen, aber auf den Flachstücken holen mich viele wieder ein und ziehen schnell an mir vorbei. Ich habe langsam Zweifel, dass vielleicht mein Training für den Samsonman nicht richtig war. Ich bin in den Anstiegen sehr gut, aber auf den Flachpassagen komme ich nicht mit. Sogar im Windschatten kann ich das Tempo vieler Gruppen nicht mitgehen. Schnellfahren habe ich in diesem Jahr ganz vergessen zu trainieren. Mein Training bestand an 5 Tagen in der Woche aus Bergfahren.

Langsam, so um 11:30 Uhr wird die Hitze unerträglich. Meine Kämpfe in den vielen Bergpassagen zehren an meinem Körper.  Ein 10%iger Anstieg folge dem Nächsten und für einen Marathon bin ich wohl alle Anstiege viel zu schnell gefahren. So halte ich um ca. 13:00 Uhr an einen Friedhof an, um meine Flaschen zu füllen. Sie sind schon seit einer halben Stunde leer und um meine Füße unter kaltem Wasser abzukühlen. Wie immer habe ich bei heißem Wetter unerträgliches Fußsohlenbrennen.  Es sind mittlerweile 33-35° Celsius. Eine schattige Bank auf dem Friedhof  lockt mich zum verweilen. Kurzum eine Stunde später wache ich wieder auf. 

Schnell aufs Rad und weiter geht's. Zuerst denke ich, es wäre keiner mehr auf der Strecke, aber weit gefehlt, einer nach dem anderen taucht vor mir auf. An den Anstiegen immer wieder das gleiche Bild, viele Zuschauer stehen dort und wir werden angefeuert, als ob wir bei der Tour de France sind. Wer hier noch nicht gefahren ist, ist selber Schuld. Irgendwann bin ich nach 160 Kilometern an dem Abzweig zu den längeren Touren. Mit Rücksicht darauf, dass am nächsten Sonntag der Samsonman auf dem Terminkalender steht, ziehe ich es vor auf die 190er Strecke abzuzweigen. Auch hier am Abzweig stehen viele BegleiterInnen der RadlerInnen und bieten uns Müsliriegel an. 

An den Kontrollen immer wieder das gleiche Bild: eine perfekte Organisation bietet alles nur vorstellbare an Verpflegung für die SportlerInnen. Kurz nach der letzten Kontrolle kommt dann für die 190er der schwerste Anstieg. 800 Meter mit 14%. Viele schieben den Berg hoch, die Anfeuerungsrufe der ZuschauerInnen treiben die anderen aber nach oben.  Nun ist es nicht mehr weit und nach 7 Stunden inklusive einer Stunde Schlaf komme ich ins Ziel. Auch hier im Zielkorridor stehen wieder Hunderte und applaudieren.

Fazit:
Die Tour führt auf ruhigen Straßen, durch eine wunderschöne Landschaft, mit einer in Deutschland wohl einmaligen Atmosphäre. Ein Muss für jede RadmarathonfahrerIn. Schade, dass jedes Jahr nur 3500 StarterInnen zugelassen werden und das Glück haben, hier starten zu dürfen.

Hermann

Distanz:
188 km
276 km

Höhenmeter:
3430 Meter
4300 Meter


Streckenplan

Ottenbach
Hohenstaufen
Radelstetten
Schwäbisch-Gmünd
Strassdorf
Metlangen
Lenglingen
Ottenbach
Reichenbach
Wissgoldingen
Tannweiler
Waldstetten
Schwäbisch-Gmünd
Unterbettringen
Degenfeld
Weissenstein
Treffelhausen
Steinenkirch
Böhmenkirch
Bartholomä
Steinheim
Gnannweiler
Söhnstetten
Gussenstadt
Waldhausen
Geislingen
Schalkstetten
Ettlenschiess
Amstetten
Türkheim
Bad Dietzenbach
Gosbach 260
Drackenstein 260
Wiesensteig 260
Neidlingen 260
Weilheim 260
Boll 260
Gammelshausen 260
Bad Dietzenbach
260
Deggingen
Reichenbach
Unterböhringen
Geislingen
Stötten
Schnittlingen
Donzdorf
Winzingen
Wissgoldingen
Rechberg
Ottenbach

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