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Radmarathon Möve-Schmelz
 

Tourname: Möven-Marathon
          
Verein: RV Möve-Schmelz
VerfasserIn: Manfred Kiesel
Datum: 2005
Startort: Schmelz
Tourlänge: 200 km
Höhenmeter in M: 2471 Meter

 

Ein wildfremder Mensch, den ich nur von morgendlichen Bahnfahrten her kenne, hat mir eines der Autos seiner Familie geliehen. Damit kann die Hauptsaison in Schmelz beginnen. Sie beginnt mit dem, was ich am liebsten mag *grrr*, mit Aufstehen um drei Uhr morgens. Kurz vor sechs Uhr komme ich an der Primshalle in Schmelz an. Ich beginne, Hermanns und Astrids Gewohnheiten anzunehmen, indem ich mit 12 Minuten Verspätung auf die Strecke gehe.

Die ersten Kilometer über Hüttersdorf, Körprich, Nalbach, Dillingen nach Beckingen verlaufen flach auf zu dieser Uhrzeit noch sehr verkehrsarmen Straßen. An der Kontrolle in Beckingen sehe ich 'dat Dürener Heinzche', der gleich darauf abfährt. Ich stärke mich mit einem Stück Kuchen und fahre das morgendlich kühle Haustadter Tal hoch. Haustadt, Honzrath, Erbringen, Reimsbach heissen die Stationen, dann kommen die ersten leichten Höhenmeter. Aus der kurzen Abfahrt heraus biege ich links ab auf ein schmales Sträßchen nach Nunkirchen.

Die B268 führt in leichten Wellen nach Losheim. Auch hier sind nur wenige Autos unterwegs. Es beginnt leicht zu nieseln, aber nun wird die Strecke richtig schön. Durch Scheiden geht es hinauf zur zweiten Kontrolle. Auch hier gibt es, was der Magen begehrt. Ich stärke mich an einer hohlehydratreich aussehenden Backware und bin gleich wieder auf dem Rad, denn beim Stehen wird mir kalt. Eine regennasse Abfahrt führt durch Waldhölzbach nach Rappweiler. Auf und ab geht es weiter nach Weiskirchen. Hier beginnt die Marathonschleife, und hier beginnt auch so richtig die Musik.

Es steigt. Nach meiner Schätzung im 10-%-Bereich, dazwischen wieder flacher, kilometerweit in den Wald hinein. Hochwald nennt sich diese Gegend, sie zieht sich vom Saarland nach Rheinland-Pfalz hinein und geht in den Hunsrück über. Hin und wieder überholen mich Fahrer. Das "n" und das "m" hinter dem Leerzeichen hätte ich gern weggelassen, aber ich muß bei der Wahrheit bleiben. Ein weiterer Fahrer überholt mich, beginnt aber nachzulassen und kommt nicht weg. Ich ziehe ganz leicht an und bin wieder vor ihm. Dann werde ich von einem Überholenden angesprochen: "O Manfred, bisch guud druff!" Es ist der alte Josef Happersberger aus Hettenleidelheim. Der sieht mich überall. Schon deshalb darf ich nicht lügen.

Auf der Kuppe ist leichter Nebel, dafür hat der Niesel aufgehört. Eine lange Abfahrt führt nach Zerf. Teilweise geht es über die B407, die Hunsrückhöhenstraße. Wir haben sie für uns. In Zerf setzt sich ein Festval der Höhenmeter fort. Schmalste Straßen gehen gnadenlos die Hänge hoch und runter, durch Baldringen, an Hentern und Paschel vorbei. Auf der Höhe kommen wir auf eine freie Fläche, wo gegen den Wind getreten werden muß. Ich merke, daß ich einen Schatten habe, es ist der Fahrer von vorhin. Zusammen erreichen wir nach einer Abfahrt durch Obersehr die Kontrolle in Ollmuth.

Ich fahre kurz vor meinem Schatten weg, weil ich nicht so lange an der Kontrolle bleiben mag. Die Abfahrt nach Pluwighammer ist steil, eng und kurvig. Genauso steil geht es dann wieder hoch nach Hinzenburg und Heddert. Giftige Anstiege, schnelle Abfahrten nach Schillingen und Kell am See. Hier kommen wir wieder auf die B407 und biegen nach rechts ab Richtung Grimburg. Bei der ersten Gelegenheit halte ich kurz an, um Wasser zu lassen, dabei passiert mich mein Weggefährte von zuvor. Einen halben Kilometer weiter steht er rechts, also ist die Reihenfolge wieder wie zuvor. Ein letzter Anstieg nach Grimburg, dann geht es bergab und wir können locker mit Schiebewind nach Wadrill zur Kontrolle rollen. Das Saarland hat uns wieder, die Marathonschleife liegt hinter uns.

Die Sonne kommt hervor, ich halte nochmal kurz an, um die Windjacke auszuziehen, ehe ich darunter schwitze. Nur kurz hält die südliche Richtung an, dann geht es scharf links, nun gegen die Wind und tendenziell hoch. Wegen einer Baustelle in Buweiler führt die Strecke über Oberlöstern und Kostenbach nach Nonnweiler. Ich merke nun die Marathonschleife in meinen Beinen und nehme etwas raus, zumal es nach oben geht. "Jetzt kommt es Flachere, vom Anstieg her" hatte es an der Kontrolle geheißen. Will sagen: die kommenden Höhenmeter sind weniger steil, wollen aber trotzdem gefahren werden. In Nonnweiler geht es durch den Ort steil bergab, hier überholt mich mein Schatten ein letztes Mal, am Otzenhausener Anstieg fällt er wieder zurück. Immer weiter steigt die Strecke und führt nun in den Rheinlandpfälzischen Hunsrück.

Hinter Neuhütten fällt es kurz, dann geht es weiter immer nach oben durch Züsch bis nach Muhl. Wald, Wald und nochmal Wald. Dann verlieren wir etwa 100 Höhenmeter zur Kontrolle nach Börfink. Etwas nach mir kommt auch mein Schatten an und erzählt, er hätte sich bei den Höhenmetern wohl etwas verschätzt. Ich habe ihn nachher nicht wieder gesehen. Auch 'dat Heinzche' habe ich nicht wieder getroffen, obwohl ich angesichts des Profils damit gerechnet hätte. Nun geht es sechs km hoch nach Hüttgeswasen. Wir sind an der Südseite des Erbeskopf-Massivs. Die Straße ist einspurig, ab und zu gibt es Ausweichbuchten, sollte doch einmal Gegenverkehr erscheinen. Traumhaft schön ist diese Strecke.

Auf der B269 fällt die Strecke nun ein längeres Stück, bis es in einen kurzen Gegenanstieg geht. Das meiste ist nun geschafft. Wir fahren nicht nach Birkenfeld, sondern biegen vorher ab nach Rinzenberg und erreichen über Buhlenberg den Ort Brücken. Nun geht es wieder mehrfach bergauf, über Achtelsbach und Eisen bis Schwarzenbach. Nun schiebt der Nordwestwind, zudem geht es gut abwärts nach Braunshausen, bei Kastel erreichen wir das Primstal und die 110-km-Strecke wieder, die wie in Nonnweiler verlassen haben. Ein letztes Mal gibt es eine Stärkung.

Die ist auch durchaus angebracht. Nach Primstal wird die Strecke noch einmal wellig. Theley wird nicht erreicht, sondern vorher rechts abgebogen nach Hasborn. Hier gibt es noch einmal einen richtigen Anstieg, weitere Wellen führen nach Dörsdorf und Scheuern. Der Wind kommt nun von der Seite und unterstützt nicht. Nun erst ist ein wenig Ausrollen angesagt, über Neipel und Limbach geht es zurück nach Schmelz.

 Fazit:

Kleiner, aber feiner Marathon, der über weite Strecken durch traumhaft schöne Gegenden geht, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und die Erfindung des Automobils kaum wahrgenommen wird. Sechs Verpflegungsstellen bieten alles reichlich. Nach recht langem Einrollen wird auch an Höhenmetern nicht gespart. Für 15 € gibts ein Bierglas mit Motiv dazu, darauf könnte möglicherweise verzichtet werden, aber ich will nicht meckern.


Manfred Kiesel

 

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