RTF, Radmarathon, Pässe und mehr

Radmarathon Karben (geschlossener Verband)
 

Tourname: Wetterau-Tour
          
Verein: RSG Frankfurt
VerfasserIn: Manfred Kiesel
Datum: 2007
Startort: Karben-Kloppenheim
Tourlänge: 195 km
Höhenmeter in M: 1850 Meter

 Strecke:

Berufsbildungswerk Karben-Kloppenheim - Ober-Erlenbach - Bad Homburg - Oberstedten - Schmitten - Dorfweil - Brombach - Hunoldstal - B275 - Merzhausen - Usingen - Langenhain-Ziegenberg - K1 -

Obermörlen - (Niedermörlen) - Niederweisel - (Griedel) - Rockenberg - Oppershofen - Steinfurth - Bad Nauheim - Friedberg - Ober-Wöllstadt - Nieder-Wöllstadt - Ilbenstadt - K2 -

Stammheim - Rodenbach - Heegheim - Glauburg - Bleichenbach - Büches - K3

Büdingen - Wolferborn - Kefenrod - Wenings - K4

Bindsachsen - Wolf - Büches - K5

Orleshausen - Calbach - Rommelhausen - Ostheim - Windecken - Groß-Karben - Ziel (BBW) 

Der Veranstalter von der RSG Frankfurt hatte die gute Idee, seine 111-km-RTF in die Wetterau durch eine Schleife in den Taunus auszubauen. Leider spielte das Wetter nicht mit. Kühle und Nieselregen liessen nur wenige der vorangemeldeten Starter überhaupt erscheinen, und einige davon nur zum Kaffeetrinken. Nachmeldungen gab es überhaupt nicht. Schließlich starteten zaghaft und vereinzelt sieben (in Worten: sieben) Marathonfahrer in die graue Nässe. 

Aus dem Gelände des Berufsbildungswerkes nahe Karben-Kloppenheim ging die Strecke für wenige hundert Meter über die B3 und bog dann auf die Nebenstrecke Richtung Ober-Erlenbach ab. Ganz allmählich stieg die schiefe Ebene zum Taunus hin an. Bis dahin waren noch einige grössere Straßen zu befahren, die aber um diese Zeit fast verkehrsfrei waren, mit einigen Ampeln, die natürlich dennoch in Betrieb waren. So wurde Bad Homburg durchquert und Oberstedten erreicht, ein Teilort von Oberursel und selbst RTF-Startort.

Die Fahrt ging durch Wohngebiete auf und ab und erreichte die "Kanonenstraße", die Oberursel zum Feldberg hin verläßt. Es stieg nun kräftig an und sollte stetig weitersteigen bis zum Sandplacken, der mit 670 Metern über n.n. das Dach dieser RTF bildete. Kurz vor dem höchsten Punkt konnte ich mit einem Blick nach links oben den Feldbergturm mal eben erblicken und einen Gruß hinaufschicken. Wart Pursche am Pfingstmontag bist Du zum ersten Mal für dieses Jahr fällig. 

Bis hierher war es im Niesel stetig nach oben gegangen bei Temperaturen, die von acht Grad langsam auf fünf Grad gefallen waren. Soweit noch eher angenehm. Nun ging es hinab, aus dem Nieseln wurde Prasseln und die fünf Grad nahm ich mit nach Schmitten hinunter. Nun war mir kalt auf dem Rad, der Regen peitschte mir um die Brille herum in die Augen. Jetzt verständlich, warum ich es vorher als eher noch angenehm empfunden hatte? Das Weiltal ist anscheinend immer etwas kälter als die Oberurseler Seite. Über Dorfweil und Hunoldstal, bekannt von zahlreichen RTF, ging es immer an der Weil leicht abwärts, die Zähne klapperten auf dem Rad.

Das Stück ließ sich sehr flüssig fahren, aber große Begeisterung darüber wollte in mir nicht aufkommen. Bei gutem Wetter war das hier herrlich zu fahren. Dann bog ich auf die B275 ein und durfte wieder ein wenig Höhenmeter gewinnen. Und nun erkannte ich den Ort, der vor mir lag: Merzhausen, der letzte leichte Anstieg der RTF von Neu-Anspach. Danach ging es eine längere Strecke immer die Straße lang nach Usingen und weiter, nach langer Zeit der nächste Ort: Langenhain-Ziegenberg. Und noch weiter ... 

Hab ich im Regen die Kontrolle übersehen? Die hätte längst sein sollen. Oder haben sie bei dem Wetter niemanden hinausgestellt? Ohne Verpflegung waren 200 km bei diesen Bedingungen sehr herb. Aber dann war rechts die Verpflegungsstelle unter einem Partyzelt aufgebaut. Die armen Buben hatten auch kalt und konnten nicht mal radfahren. Es gab lecker Käsebrötchen, Riegel und Obst. Zwei Fahrer waren bereits durchgekommen. Drei? weitere seien noch nach mir gestartet. Ich hatte auf der ganzen Strecke bis dahin noch keinen anderen Teilnehmer gesehen. Das wäre natürlich auch der Fall gewesen, wenn sie um mich herum gewuselt wären, aber es war in der Tat niemand da gewesen. 

Die flüssige Fahrt ging weiter, an der Kontrolle war der Körper ein wenig kalt geworden, nun erreichte ich wieder die Wetterau und die Temperatur war nun leidlich. Obermörlen wurde passiert, wo ich auch schon auf RTF gestartet war, und dann wurde die A5 unterquert bis vor Niedermörlen. Wohl um auf Kilometer zu kommen, bog die Strecke nun über Niederweisel (RTF!) in Richtung Butzbach, dort durch das Gewerbegebiet, am Ortsteil Griedel vorbei nach Rockenberg (RTF!) und Oppershofen (RTF!).

Durch Steinfurth wurde wiederum Niedermörlen erreicht, und ich hatte das Gefühl, nur wenige hundert Meter oder vielleicht einen Kilometer von der Stelle weg zu sein, wo ich vorhin nach Niederweisel gebogen war. Bemerkenswerterweise war die Strecke ausnahmslos auf Straßen geführt, die nun am späten Vormittag nicht mehr so verkehrsarm waren. Die Alternative wären aber die berüchtigten Platten-Feldwege gewesen, wer auch nur einmal in der Wetterau RTF gefahren ist, vergisst sie nie. Ich weiß noch gut, wie schmierig die bei Regenwetter sind und wie eingesaut man da heimkommt. Daher war ich mit der Straße zufrieden. 

Irgendwo in Rockenberg hatte mich ein Trio überholt, von einem der Rücken hing traurig eine Startnummer nach unten und zeigte die Rückseite. Das waren die ersten Teilnehmer, die ich sah. Nun wähnte ich mich als letzten Teilnehmer auf der Strecke, da ließ es sich unbeschwert fahren. 

Nun ging die Fahrt aber so richtig mittig durch Bad Nauheim und Friedberg, mit Ampeln und Verkehr. Dieser Abschnitt der Strecke war nicht so prickelnd. Leicht wellig wurde die Strecke nach Ober-Wöllstadt und Nieder-Wöllstadt geführt und bog links ab, in Richtung Osten nach Ilbenstadt (RTF!). Hier, wo der Reigen der RTF-Startorte fürs erste endete, mündete von links her die 111-km-Strecke ein, die an dieser Stelle vielleicht sieben Kilometer vom Start entfernt war.

Fast augenblicklich lief die Strecke wieder auf guten, aber verkehrsarmen Nebenstraßen und bot wieder etwas fürs Auge. Auch die Nässe von oben hatte nun nachgelassen, so daß das Auge auch etwas davon hatte. Noch vor der nächsten Ortschaft war linkerhand an einem Sportplatz die erste Kontrolle der RTF aufgebaut, die zweite für uns. Sie bot denselben leckeren Standard wie die erste und alle weiteren. 

Die Sportanlage gehörte zu Stammheim, das als nächstes erreicht wurde. Nun stieg die Strecke kräftig an und erreichte am höchsten Punkt die Streckenteilung, wo die 71 km links abbogen und nach Rodenbach hinunterrollten. Ohne weitere nennenswerte Geländeschwierigkeiten kam ich zügig vorwärts über Heegheim, Glauburg und Bleichenbach zur Kontrolle nach Büches. Hier zweigten die 71 km ab in Richtung Ziel, während die 111 km eine Schleife über Wenings bildeten. 

Diese Schleife, die nun zu fahren war, ist zweifellos das Sahnehäubchen der RTF-Strecke. Erst flach nach Büdingen, dann ein Tal entlang immer sacht nach oben, über Wolferborn und Kefenrod bis zur höchsten Stelle dieser Schleife kurz vor Wenings. Nur wenige Höhenmeter abwärts, und die Kontrolle war erreicht. "Marathon oder Normal?" wurde mir die Frage gestellt. Ich versicherte wahrheitsgemäß, daß ich nicht normal war. Das Gegenteil wäre mir auch nicht abgenommen worden. Beim Kauen erfuhr ich, daß sich noch ein Teilnehmer hinter mir befand. 

Leicht wellig wurde nun Bindsachsen, der nächste Ort, erreicht, und es ging nun wieder abwärts. Über Wolf wurden all die Höhenmeter, die ich von Büdingen aus gewonnen hatte, wieder eingesetzt, und ruckzug stand ich wieder an derselben Kontrolle

in Büches. Diese Schleife gefiel mir so gut, daß ich sie am liebsten nochmal gefahren wäre. Das war aber nicht ratsam, denn dann wäre niemand mehr hier gewesen. Also nahm ich nun das letzte Teilstück unter die Räder, auf dem mir noch ein Anstieg angedroht wurde. 

Dieser kam nach dem nächsten Prt, Orleshausen. In Serpentinen zog sich ein leichter Anstieg ein paar Meter in die Höhe. Die nächsten Punkte waren Calbach und Eckartshausen (Eckoooooad! Die Russen kommen!), Himbach und Rommelhausen. Hier war auch die 40-km-Strecke wieder dabei. Sie bog nun in südwestliche Richtung ab und lief durch ein längeres Waldstück nach Ostheim. Von hier aus ging es nach Windecken. Tatsächlich überholte mich hier noch ein Marathonfahrer, der siebte. Er fuhr eine Trittfrequenz halb so hoch wie ich und gewann ganz langsam an Vorsprung, den ich ihm auch ließ.

In Windecken ging es für ein kurzes Stück auf die B45, die dann aber gleich wieder verlassen wurde. Auf einer kleinen Nebenstraße, die wellig auf und ab ging, erreichte ich Groß-Karben und nach zwei weiteren Kilometern das Ziel. Die Helfer, frustriert ob der Katastrophe, die das Wetter ihnen beschert hatte, hatten schon zusammenpacken wollen. Der Stempel war bereits verpackt und konnte auch während der Zeit, in der ich duschte, nicht wieder ausfindig gemacht werden. So erhielt ich, nicht ganz nach GA RTF, einen handschriftlichen Eintrag, mit prominemtem Autogramm von der hessischen Sportausschuss-Vorsitzenden. 

Fazit, die Karbener haben eine ausgesucht schöne 111-km-Strecke. Der Gedanke, da eine Marathonschleife über den Sandplacken dranzubauen, ist ein Geistesblitz und bei gutem Wetter herrlich zu fahren. Nur die Überleitung aus dem Taunus zur RTF hin kann damit nicht ganz Schritt halten. Hier sollte der Veranstalter vielleicht noch mal etwas Kopfarbeit hineinstecken, was nicht einfach ist angesicht der Voraussetzungen. So etwa, Bad Nauheim und Friedberg großräumig umfahren. Die Distanzen zwischen den Verpflegungsstellen sind - konzeptbedingt - etwas ungleichmäßig verteilt.

Nach fast drei Stunden der erste Halt, der nächste bei km 110 auf dem RTF-Teil, danach die Kontrollen aufgereiht wie Perlen auf der Schnur, an einer hab ich garnichts gegessen, so dicht aufeinander folgten sie. Insgesamt hab ich das aber nicht als störend empfunden, wer nicht gerade ausgehungert startet, braucht vor der ersten Kontrolle nichts und kommt auch gut bis zur zweiten. Sollte es mal warmes Wetter geben, ist das dann folgende dichtere Netz der Kontrollen sicher willkommen zu Ergänzung der Flüssigware. Die Verpflegung war marathongerecht, abwechslungsreich und reichlich. Hier komme ich gerne wieder her, hoffentlich verliert der Veranstalter nicht die Lust, das wäre sehr schade. Nur das Wetter sollten sie sorgfältiger aussuchen.


Manfred Kiesel

 

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