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Radmarathon Spa (Fleche de Wallonie)
 

1-5 | 6-10 | 11-15 | 16-20 | 21-25 | 26-30 | 31-35 | 36-40 | 41-45 | 46-50 | 51

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Spa 2005

Die belgische Regenschlacht

Unser erster Saison-Höhepunkt steht an. Der Radklassiker Fleche de Wallonie. Schon die ganze Woche verfolgen wir den Wetterbericht, aber für Samstag ist Regen, Sturm, Hagel und Gewitter angesagt. Wir fahren schon am Freitag nach Belgien. In Spa, unweit der Grand Prix Strecke ist der Start. Schon kurz nach dem Ortseingang finden wir einen, abseits gelegenen und ruhigen Standplatz, für die Nacht. Wir machen einen kleinen Ortsbummel und sehen dabei viele heruntergekommene Häuser. Selbst am Theater, sieht man einige zerstörte Scheiben. Einem Vergleich mit z.B. Adenau am Nürburgring, hält das Örtchen nicht stand. Wir fragen einen Passanten nach dem Startort und erfahren, dass dieser 2 km außerhalb des Ortes liegt.

Die ganze Nacht hat es nicht geregnet und wir machen uns schon Hoffnung auf eine trockene Tour. Kaum sitzen wir auf dem Rad und rollen in Richtung Start, fallen die ersten Tropfen. Am Start verläuft alles reibungslos aber mir fällt zum Glück auf, dass ich die Kamera nicht dabei habe. Also wieder mit dem Rad zurück. Nun wird der Regen stärker und ich fahre mit dem Wohnmobil zum Startort. Astrid ist froh darüber, denn nun kann sie sich noch die Überschuhe anziehen. Auch ich überlege noch kurz und entschließe mir ihr gleichzutun.

Dieser Radmarathon weist eine Besonderheit auf, die wir so von Veranstaltungen in Deutschland nicht kennen. Die Richtungsangaben sind auf dem Staßenpflaster aufgemalt. Das ist zu Beginn der Tour ein wenig ungewohnt.

Es regnet gleichmäßig und es ist sehr kühl. Zum Glück (ha, ha, ha) steigt die Strecke schon kurz nach dem Start zum Hautregard an, so werden wir wenigstens durch die Belastung warm. Die Steigungsrate ist hier aber noch nicht so hoch. Einige RadlerInnen überholen uns, wir gehen das Ganze aber ruhig an, denn wir haben zuviel Respekt vor der Tour.  

Nach einer kurzen Abfahrt kommt der erste Knackpunkt der Tour, die La Redoute. Mein HAC zeichnet hier eine Steigung von 25% auf und zum Glück sind wir noch frisch. Oben macht ein Fotograf Bilder von den TeilnehmerInnen. Es geht nun direkt steil bergab und auf regennasser Fahrbahn stürzt ein vor mir fahrender Radler in der Kurve. Zum Glück kann er weiterfahren. Ich bin aber erst einmal gewarnt und nehme alle folgenden Abfahrten sehr vorsichtig. Es fängt nun immer stärker an zu regnen. Aber wir ignorieren das und werden von dem nächsten 15%er, Les Forges, bei km 30 schön aufgewärmt.

Es geht aber Schlag auf Schlag, kaum sind wir wieder unten geht es in den nächsten Anstieg nach Mery, hier lauern bis zu 20% Steigung auf uns. Na, ja, die Beine sind zumindest richtig warm. Obwohl wir mit Beinlingen, Überschuhe und Regenjacken fahren und dabei frieren, sehen wir einige ganz harte Radler, die nur in Trikot und kurzer Hose fahren. Wem`s gut tut, bitte schön. Der nächste Anstieg ist mit nur 14% die reine Erholung. Oben erwartet uns bei km 48, die erste Kontrolle. Es gibt hier Waffeln und leckeren Marzipankuchen.

Bis Kilometer 71 fahren wir nun mehr oder weniger über eine Hochfläche. Die kurzen Anstiege hier kann man so eigentlich nicht bezeichnen. Aber wir haben Angst nach rechts zu schauen,  Wolkenwände so schwarz wie die Nacht treiben auf uns zu. Die Berge im Hintergrund verschwinden in einer dichten Regenwand. Gleichzeitig fängt es an zu stürmen und wir können uns kaum noch auf dem Rad halten. Dann ist der Spuk auf einmal vorbei und der Himmel reist wieder auf.

Ich nehme schnell die Gelegenheit war und mache ein paar Bilder. Aber wir bleiben nicht lange auf dieser Hochebene und es geht steil bergab, aber sofort mit 13% wieder hoch. Es folgt nun ein leichterer Anstieg. Anschließend fahren wir über 6 Kilometer auf leicht ansteigender Strasse an einem Fluss entlang. Ich glaube es ist die Ourte.

Was ab hier folgt das sollte man einfach einmal erlebt haben. Es geht auf der 2. Tourhälfte entweder steil hoch, oder steil hinab. Schon der erste Anstieg bei km 95 hat so gut wie durchgängig 12 %. Da die Strasse so nass ist, dass das Wasser wie ein Bach hinunter fließt, kann ich nicht im stehen fahren, denn das Hinterrad dreht sofort durch. Zum Glück habe ich die Kompakt-Kurbel drauf und so ist der Anstieg erträglich. Oben ist die zweite Kontrolle aufgebaut. Auch hier gibt es wieder den leckeren Kuchen, Waffeln und Bananen. Als Getränke gab es allerdings nur Wasser.

Die nächsten drei Anstiege lassen sich relativ einfach fahren, wenn nicht der starke Wind von vorne käme und uns dazu den Regen ins Gesicht bläst. Ich kann kaum die Augen dabei aufhalten, mit der Brille auf ist es aber noch schlimmer, denn die Strassen sind im allgemeinen sehr schlecht hier. Immer wieder sind sie mit tiefen Löchern übersät. Also ohne Brille fahren. Im Anstieg zur 3. Kontrolle kommen uns jede Menge Radler entgegen und wir können uns zuerst keinen Reim darauf machen. An der Kontrolle erfahren wir, dass Sie aufgegeben, und genug von der Regenschlacht haben, denn von hier aus kann man auch durch die Täler nach Spa zurück fahren. Das haben sie wohl vorgezogen. Hier im Anstieg geht es auch schon wieder mal über die 15% Marke.

Auf den folgenden 15 Kilometern ist Erholung angesagt, es geht abwärts, fast. Ein kurzer 14%er stellt sich uns bei km 150 in den Weg. Wir haben uns aber schon daran gewöhnt. Einer der schwersten Anstiege beginnt bei km 159. Ich verpasse den Abzweig und es ist sofort so steil, dass ich erst ein Stück zurück fahren muss um überhaupt anfahren zu können.

Es beginnt mit 12%, aber es wird steiler, 14, 17 und als die 23% Marke erreicht wird, muss Astrid aus den Pedalen. Ich kann dank 34er Blatt weiter fahren, kriege aber auch die Kurbel kaum noch gedreht. Irgendwie komme ich aber oben an, nach einer steilen Abfahrt geht es auch schon wieder mit 12% nach oben und auch hier zeigt der HAC kurzfristig 17,5% an. Oben, es ist der Cote de Wanne, warte ich auf Astrid. Es regnet einmal kurzzeitig nicht und ich nehme die Gelegenheit war um wieder zu fotografieren.

Nach der rasenden Abfahrt gibt es für 1 Kilometer, am Flüsschen Ambleve, ein kleines Flachstück. Aber dann folgt die Auffahrt zur 4. Kontrolle. Sie ist hoch über Stavelot in einem Waldstück. Es ist die steilste Auffahrt die ich je gefahren bin. Schon unten fällt Astrid zurück und ich werde von einigen überholt. Aber alle bis auf einen, überschätzen sich und wissen nicht was da auf sie zu kommt. Die schmale Strasse führt durch den Wald aufwärts und es wird immer steiler. Einer nach dem Anderen fällt nun zurück. Dummerweise müssen auf dieser schmalen Strasse auch noch einige Begleitfahrzeuge an uns vorbei fahren und das, obwohl sie sehen das einige Radler die ganze Strasse benötigen. 26,7 % Steigung wird hier, kurz vor der Kontrolle 4 erreicht. Die Begleitfahrzeuge habe öfter genervt. Auch bei ihnen ist zum Teil kein anderes Verhalten zu erwarten wie sonst auch üblich.

Das schlimmste ist nun aber überstanden, oder besser gesagt fast. Auch der zweitletzte Anstieg hat über 15% Steigung, aber wir haben uns nun schon daran gewöhnt. Den Wetterhöhepunkt des diesjährigen Fleche de Wallonie wird nun im letzten Anstieg erreicht. Der Regen, der uns über mindestens 3/4 der Strecke mit ausreichen Wasser versorgte, wird nun durch heftigsten Hagel und Sturmböen ersetzt. Aber uns kann nicht's mehr schocken, in der Gewissheit nach der nächsten Abfahrt im Ziel zu sein, nehmen wir auch diese Hürde. Nach 200 Kilometern und 3794 Höhenmeter sind wir lange noch nicht die letzten im Ziel.

Fazit:

Bei diesen Wetterbedingungen gehört die Tour wohl mit zu den schwersten die wir gefahren sind, dagegen sind Alb-Extrem und der Samsonman leichte Radtouren. Das Startgeld  von 5 Euro (Altdorf sollte sich einmal ein Beispiel daran nehmen und nicht nach Österreich schauen) war die Verpflegung super. Klar es gab keine Nudeln, kein Sauerkraut und auch kein Wein, braucht man auch zum Radfahren nicht, denn alle die hier waren wollten Radfahren pur und genau das gab es. Wir freuen uns schon auf den L-B-L und den ostbelgischen Pfeil im August.

Distanz:
201 km

Höhenmeter:
3750 Meter


Die Highlight der Strecke

Cote de Hautregard
5%

La Redoute
25%

Col de Cornemont
9%

Les Forges
14%

Mery
20%

Cote d'Avister
12%

Cote de Hestreux
14%

Cote de Bordon
10%

Cote de Roche de Frene
14%

Cote de Haute-Bodeux
7%

Cote de Bergeval
12%

Cote de Mont le Soie
15%

Cote de Ligneuville
14%

Cote de Beaumont
8%

Le Stockeu
23%

Cote de Wanne
17,5%

Le thier de Coo
26,7%

La Haute Levee
15%

Le Rosier
12%


 


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