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Radmarathon Bühlertal
 

Tourname: Nordschwarzwald Bosch Rundfahrt
          
Verein: RSV Falkenfels Bühlertal
VerfasserIn: Manfred Kiesel
Datum: 2005
Startort: Bühlertal-Untertal
Tourlänge: 217 km
Höhenmeter in M: 3117 Meter

  

 

217 km, gut 3100 Höhenmeter. Das Zahlenwerk sagt: anspruchsvoll, ok, aber kein Grenzfall. Die Beine sagen: puh, wir sind völlig leer. Wie kommt das? Liegt es daran, daß es der 20. Radmarathon der Saison ist? Liegt es an den 210 km in Hainstadt am Vortag? Am frühen Aufstehen, und das schon am zweiten Tag nacheinander? Hab ich einen Mittsommer-Burnout? Dabei bin ich am Vortag gediegen gefahren. Meistens, zumindest.

Die Beine gehen rund, ohne daß der Vortag zu spüren ist. Er steckt natürlich trotzdem drin, und die 18 anderen Marathons auch. Und der Schlaf macht etwas aus. Vielleicht lässt die Form jetzt in der Tat etwas nach, und ich sollte etwas rausnehmen und dem Körper eine Erholung gönnen, damit die zweite Saisonhälfte nicht in der Erschöpfung endet. Erholung wird es aber in Bühlertal kaum geben, es sei denn, ganz am Anfang und im letzten Drittel. Zumindest sagt das das Streckenprofil.

Es geht, nach dem Start um sechs Uhr, auch tatsächlich leicht abwärts und dann ganz leicht ansteigend, auf Radwegen und dann auf um diese Zeit leeren Hauptstraßen über mehrere Ampeln nach Norden in die Vororte von Baden-Baden, ohne etwas Nennenswertes. Interessant wird es nach Haueneberstein. Ein ganz schmales Sträßchen, für Autos gesperrt, führt in stetigem Anstieg, nicht zu steil, an einem Bach entlang.

Leider ist der Belag sehr schlecht. Der Weg mündet in eine Straße, die nun steiler wird und zum ersten "Zacken" nach Ebersteinburg führt. Über Staufenberg geht die lange Abfahrt nach Gernsbach zur Kontrolle. An den Verpflegungen gibt es - fast überall - Kuchen und Brote, auch Riegel. Ich lasse die Riegel liegen und nähre mich bodenständig. Der Brotbelag scheint eine Art Streichkäse zu sein. Dazu gibt es Wasser, Tee, Apfelschorle und an einzelnen Kontrollen auch Cola-Mix. Kurz nach der Kontrolle zweigt die Marathonschleife ab.

In dieser gibt es, was das Radlerherz begehrt, nämlich Höhenmeter. Es steigt auch gleich an, wird dann etwas flacher, in Reichental geht der Anstieg in den geschätzten zweistelligen Prozentbereich. Das wird auf den nächsten sechs Kilometern so bleiben. Es ist die Kaltenbronner Wand, die ich noch nie gefahren bin. Sie geht durch Wald, mehrfach öffnet sich der Ausblick auf das immer tiefer unten liegende Reichental. Meine Beine gehen zäh, ab und an gehe ich in den Wiegetritt, trotz kleinstem Gang.

Nach sechs Kilometern wird es flacher, ich schalte einen Kranz runter, noch einen, fahre jetzt flüssig. Und das Unglaubliche passiert: ich überhole jemanden. Einen wohlbekannten hessischen Colnago-Fahrer. Er fährt alles andere als rhythmisch und trotz der ca. 13 Grad, die hier herrschen, nicht nur kurz, sondern sogar im ärmellosen Trikot. Ich erfahre, daß er von Hainstadt platt ist. Na, dann habe ich ja auch eine gute Ausrede. Auf der Kuppe gibt es Getränke, dann geht es bergab.

Durch Kaltenbronn und an Sprollenhaus vorbei rollt es lang, dann mündet die Strecke in eine Hauptstraße, die ganz leicht bergan über Nonnenmiß nach Enzklösterle führt. Links ab geht es in den nächsten Zacken, der mich ein längeres Stück in den Wiegetritt zwingt. Bergab nach Simmersfeld, dann rechts ab und weiter steil bergab.

Die Straße geht unmittelbar in einen genauso steilen Anstieg über, der nach kurzer Zeit Fünfbronn erreicht. Oberhalb des Ortes wird es Zeit, die Windjacke auszuziehen. Es wird nun warm, es ist teils sonnig, teils bedeckt, die Luftfeuchtigkeit ist nicht am Maximum, aber recht hoch. In kleinen Wellen geht es über Hochdorf in eine weitere Abfahrt zur Kontrolle an der Nagoldtalsperre. Als ich da wegfahre, kommt Colnago an. Es ist das letzte Mal, daß ich ihn sehe.

Es geht, wer hätte es gedacht, wieder nach oben, nunächst unmerklich, dann leicht, hinter Erzgrube dann deutlich, aber nicht steil. Besenfeld ist das nächste Ziel. Die Gegend ist vom Altensteiger Supercup her bekannt, und nun kommt eine steile kurvige Abfahrt an Schönegründ vorbei, und für eine ganze Weile begleitet die Strecke die Münzach. In Raumünzach treffen wir die beiden längeren Touristikstrecken wieder. Gemeinsam geht es aufwärts, mässig steil führt der lange Anstieg zur Kontrolle Hundseck.

Von hier aus befahren wir die von Hermann so geliebte B500, die Schwarzwaldhochstraße. Die Hornisgrinde kommt in Sicht. Noch einmal ist die kleine Übersetzung gefragt, um das Niveau des Mummelsees zu erreichen, dann sind wir in einer Gegend, die die Fahrer der Kehler Tour gut kennen. Die Abfahrt führt bis an den Ottenhöfener Abzweig, dann ein kleiner Zacken zum Ruhestein. Ich kenne ihn als Abfahrt und bin überrascht, wie kurz er ist. Daß ich gut hochkomme, liegt auch am Rückenwind.

Fast 3000 Höhenmeter müssen das bis hierher sein, gesammelt auf wenig mehr als hundert Streckenkilometern. Nun geht es abwärts. Ich erkenne mühelos die Stelle wieder, wo ich im vergangenen Jahr im Anstieg gebremst wurde und die Kette "entflechten" musste. Bei St.Ursula geht die 116-km-Strecke nach Ottenhöfen, was sie schon vorher hätte tun können. Wir fahren ab nach Oppenau. Ich nehme wahr, wie lange sich das zieht, und wundere mich nicht, daß ich auf der Kehler Tour in Gegenrichtung hier so lange gebraucht habe.

Es ist ein Unterschied, ob man dabei 400 Höhehnmeter verschiessen kann oder sie sich erarbeiten muß. Die Tour kommt nun ins Flache. Gleichzeitig wird sie windig. Ich habe fast überall das Gefühl, Gegenwind zu haben. Nach längerem Flachstück (Kalikutt wird umfahren) wird die steile Kuppe bei Bottenau erreicht, die auch von Kehl her bekannt ist. Hier gibt es Verpflegung.

Richtig, nur Verpflegung. Keinen Kontrollstempel. Ist nicht vorgesehen. Für Ortsbekannte lädt das ein, vom Mummelsee aus direkt über Ottenhöfen zur letzten Kontrolle nach Kappelrodeck zu fahren. Nun, ich kann ohne Stempel leben. Weniger schön ist, daß nichts Handfestes zum Futtern da ist. Apfelstücke und Bananen. Ich mache ein langes Gesicht und bewässere erstmal die Weinberge.

Die Luft ist anscheinend so feucht, daß nicht ausreichend Flüssigkeit ausgeschwitzt werden kann. Das kann auch ein Grund gewesen sein, warum ich ein wenig platt war. Aber jetzt ist die Strecke ja (fast) nur noch eben. Durch Durbach, wo immer noch gebaut wird, rolle ich nach Ebersweier. Hier habe ich die Kehler Strecke fürs erste verlassen. Ich freue mich, nur noch einen nennenswerten kleinen Anstieg zu haben.

Hmm, ich kannte wohl die Ortenau nicht richtig, oder hatte es verdrängt? Von einem Ort zum anderen mindestens drei, oder auch mehr, dieser kleinen Wellen, die teilweise giftig sind. Und Wind, Wind, Wind. Immer wieder schalten. Natürlich, diese kleinen Kuppen können auf einem Profil garnicht dargestellt werden, dessen Maßstab sich nach Kaltenbronn ausrichtet. Teilweise geht es auch wieder über Wirtschaftswege.

Trotz allem drehen sich die Beine stetig und drücken das Rad über alle Wellen (zum Glück habe ich keine Neigung zur Seekrankheit) bis zur Kontrolle Kappelrodeck, wo ich auffalle, weil ich etliche belegte Brote (naja, sie sind ziemlich klein) in mich hineinfuttern muß. Aber ich fühle mich ziemlich leer. Und wo falle ich schon nicht auf, wenn ich hinkomme?

Dann kommt er tatsächlich noch, ein längerer, steiler Buckel. Ich mag ihn fast, weil ich für ein längeres Stück den Rhythmus beibehalten kann und nicht ständig schalten muss. Lieber als das wäre ich nochmal die Kaltenbronner Wand gefahren. Obersasbach, Lauf, Haft Ottersweier und Bühl-Rittersbach sind die nächsten Orte, dann durch ein Wohngebiet von Bühl und durch Altschweier, hier kann man das Ziel schon riechen, das ich kurz vor halb fünf erreiche.

Der Schnitt liegt bei etwas weniger als 22 km/h. Es wundert mich nicht. Dann werde ich noch fotografiert, für das Foto-T-Shirt. Ich schaffe es, mich frisch und munter zu präsentieren, eine Schauspielkunst, von der schon der Bergfloh in Oppershofen Zeuge wurde. Tatsächlich bin ich nicht wirklich kaputt, aber ich musste langsamer fahren und fühle mich mehr verbraucht, als es nach den Kenndaten der Tour sein sollte.

Fazit:
Die Tour hat gehalten, was sie versprochen hat, und noch mehr als das, was sie nicht versprochen hat. Wunderschöne Schwarzwaldberge, leider auch offenes, welliges und windanfälliges Fahren im Flachland, das nicht wirklich flach war. Noch mehr Schwarzwald und dafür weniger Ortenau, und es würde großartig, aber auch hammerhart. Abgesehen von den fehlenden Feststoffen an V Bottenau, eine Kleinigkeit: Die Pfeile könnten manchmal etwas früher angebracht sein

Manfred Kiesel

Streckenplan:

Bühlertal
Altschweier
Steinbach
Sinzheim
Oos
Haueneberstein
Ebersteinburg
Staufenberg
Gernsbach
Hilpertsau
Reichental
Kaltenbronn
Sprollenhaus
Nonnenmiß
Enzklösterle
Simmersfeld
Fünfbronn
Hochdorf
Nagold-Talsperre
Erzgrube
Schorental
Besenfeld
Schönegründ
Huzenbach
Schönmünzach
Kirchbaumwasen
Raumünzach
Erbersbronn
Hundsbach
Hundseck
Unterstmatt
Seibelseckle
Ruhestein
St.Ursula
Allerheiligen
Lierbach
Oppenau
Lautenbach
Oberkirch
Butschbach
Bottenau
(Kuppe)
Durbach
Ebersweier
Nesselried
Nußbach
Zusenhofen
Erlach
Ulm
Mösmach
Waldulm
Kappelrodeck
Obersasbach
Lauf
Haft
Ottersweier
Rittersbach
Bühl
Altschweier
Bühlertal

 

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